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11.10.2013

08:21 Uhr

Implantate aus Polen

Der Trend zum Zahntourismus

VonStephanie Eichler

Zahnkronen, Brücken oder Implantate: Behandlungen im Ausland sind oft günstiger. Immer mehr Patienten entscheiden sich deswegen außerhalb der Heimat – und der Trend dürfte steigen.

Zahntourismus: Implantate aus dem Ausland werden beliebter. dpa

Zahntourismus: Implantate aus dem Ausland werden beliebter.

Matthias Berke ließ sich in Polen vier Implantate einsetzen. „An meinem Wohnort Brandenburg“, sagt der 54-jährige technische Berater eines Call Centers, „hätte ich fast dreimal soviel dafür bezahlt.“ 

Wie der Patient Berke entscheiden sich viele Deutsche für Zahnkronen, Brücken oder Implantate aus dem Ausland. Der Trend wird vermutlich steigen, wie aus einer Studie der Techniker Krankenkasse (TK) hervorgeht, denn 34 Prozent der Versicherten, die noch keine Behandlung bei Zahnärzten im Ausland in Anspruch genommen haben, können sich durchaus vorstellen, dies in Zukunft zu tun.

Anders als noch vor einigen Jahren, als Qualitätsmängel ein erhebliches Risiko darstellten, gilt heute, „dass ausländischer Zahnersatz nicht schlechter sein muss als der Zahnersatz, der hierzulande hergestellt wurde“, so die Kassenzahnärztliche Vereinigung Berlin auf ihrer Internetseite zum Thema Zahntourismus.

Checkliste zur Wahl des Zahnarztes im Ausland

Erfahrungsberichte

Welche Zahnärzte im Ausland empfehlen Patienten in Internetforen? Die Erfahrungsberichte schaffen Orientierung.

Online-Präsentation

Welchen Eindruck macht die Webseite? Werden Auskünfte über das verwendete Material und die Marke gemacht, ist das ein gutes Zeichen.

Betreuung von ausländischen Kunden

Werden Sie am Telefon auf Deutsch oder Englisch beraten, hat sich der Zahnarzt auf ausländische Kunden eingestellt – für Sie von Nutzen.

Aktivität

Wie lange besteht die Praxis oder die Klinik? Ist sie schon länger aktiv, ist das ein Pluspunkt.

Eigene Vorschläge

Bei aufwändigeren Behandlungen: Führt der Zahnarzt nur die Vorschläge des deutschen Kollegen, die er dem Kostenvoranschlag entnimmt aus? Macht er ihnen eigene Vorschläge, zeugt das von Kompetenz. 

Zahnersatzpass

Sind im Zahnersatzpass Marke, Maße und Material festgehalten? Vermeiden Sie einen Zahnarzt der keinen Pass ausstellt.

Einige Krankenkassen haben bereits auf die Nachfrage ihrer Patienten nach günstigen Zahnbehandlungen im Ausland reagiert und arbeiten aktiv mit Zahnärzten aus Osteuropa zusammen. So hat die TK sechs ausländische Zahnarztkliniken unter Vertrag: „Unsere Partner in Ungarn und Polen können aufgrund geringerer Löhne und Lohnnebenkosten einen Preisvorteil bieten,“ sagt Michael Ihly von der TK, „die verwendeten Materialien sind dabei ebenso hochwertig wie in Deutschland.“ Von der Qualität ihrer Vertragspartner hat sich die Kasse vor Ort überzeugt.

Für viele Patienten ist auch die Möglichkeit verlockend, während des Urlaubs in Spanien oder Portugal zum Zahnarzt zu gehen. Denn Kronen, Brücken und Implantate sind dort ebenfalls oft günstiger als in Deutschland: So vertreibt beispielsweise der  Unternehmer Roland Höhne Implantataufbauten, die er in Deutschland herstellen lässt. Von seinem Firmensitz Madrid aus kann er sie für die Hälfte des Preises verkaufen. Der Grund dafür: In Spanien gibt der Unternehmer wesentlich weniger Geld für die medizinische Zulassung aus.

Kommentare (3)

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Frieda

11.10.2013, 08:54 Uhr

Die in der Checkliste genannten Punkte konnten bei einem Münchner Implantologen mit "perfekt" bewertet werden.
Nach Auftragsende musste mein Bekannter feststellen, dass das ästhetische Ergebnis katastrophal war.

Ein lang andauernder und teurer Rechtsstreit folgte. Den Prozess hat er gewonnen (wäre eine eigene Geschichte wert).

Ich seh das heute so: Gehe zu keinem Zahnarzt, der sein Geschäft damit bewirbt, tausende Implantate gesetzt zu haben. Bei ihm kann man sicher sein, dass es vorrangig um Profitmaximierung geht.

Matthes

11.10.2013, 08:58 Uhr

Die Zahnärzte empfehlen doch fast nur noch Implantate. Und die Kassen zahlen das nicht. Was bleibt also übrig?

Account gelöscht!

11.10.2013, 11:55 Uhr

Die TK ist hier durchaus innovativer als alle anderen Kassen, nicht nur was Zähne angeht.
Selbst die in Deutschland gefertigten Teile zur Knochenreposition sind hier in Spanien deutlich billiger. In den letzten Jahren haben auch die Krankenhäuser hier einen deutlichen Qualittätsschub gemacht. Auch durch die örtlichen Gesundheitszentren, die für die Nachbetreuungen zuständig sind, denn von wegen Liegezeiten, nach 3 Tagen ist man wieder raus, und wird nach Erfordernis zu Hause weiter betreut.
Weniger Hospitalismus, weniger Krankenhausbetten und weniger Kosten für alle.
Die Kosten für den Zahnarzt sind in der gesetzlichen Kasse nicht drin, außer Notfälle, daher mußten die Zahnärzte sich hier auch gleich dem Markt stellen und konnten nicht darauf bauen, das schon irgendjemand zahlt.
Diejenigen die hier sowieso jedes Jahr Urlaub machen oder ein Feriendomizil besitzen, sehen immer öfter keinen Zahnarzt in Deutschland mehr. Gibt dazu auch genug Ärzte die in Deutschland studiert und praktiziert haben. Meine Brücke habe ich mir hier in Spanien vor 10 Jahren machen lassen, bisher keine Beschwerden, beste Betreuung, nur fast 1500 € gespart, davon kann man schon nett Urlaub machen.
Also ganz normales Marktgeschehen, genauso wie Kotflügel von VW, wohl dem der an der niederländischen Grenze wohnt.
Davon könnte sich Deutschland eine dicke Scheibe abschneiden, statt die Krankenkassen immer mehr zu Sponsoren von unnötigen Eingriffen und unnötigen Medikamenten werden zu lassen.

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