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27.08.2013

06:00 Uhr

Indonesische Vulkaninsel

Vor 130 Jahren explodierte Krakatau

Ein Donnerhall erschüttert vor 130 Jahren den Erdball: die gewaltige Explosion und der Untergang der Vulkaninsel Krakatau. Ein neuer höchst aktiver Vulkan erhebt sich heute an gleicher Stelle aus dem Meer.

Der Anak Krakatau: Der Vulkan wächst jedes Jahr rund zehn Zentimeter. dpa

Der Anak Krakatau: Der Vulkan wächst jedes Jahr rund zehn Zentimeter.

BangkokEin niederländischer Ingenieur ist der Letzte, der vor einem der folgenschwersten Naturereignisse der Menschheitsgeschichte einen Fuß auf die Vulkaninsel Krakatau setzt. H.J.G Ferzenaar nimmt den seit Monaten feuerspeienden Vulkan im August 1883 unter die Lupe: „Messungen sind noch zu gefährlich, zumindest würde ich nicht gerne die Verantwortung dafür übernehmen, einen Landvermesser herzuschicken“, notiert er, wie Ian Thornton in seinem Krakatau-Buch dokumentiert. Wie wahr. Kurz darauf, am 27. August, explodiert die Insel in Indonesien und kracht ins Meer.

Zum 130. Jahrestag der gewaltigen Explosion steht über dem Vulkan, der sich an gleicher Stelle aus dem Meer erhoben hat, eine dicke Rauchwolke. Im Vulkan Anak Krakatau („Kind von Krakatau“) rumort es heftig. Er gehört zu den aktivsten der 130 Vulkane Indonesiens. Der Anak Krakatau wächst jedes Jahr rund zehn Zentimeter und ist heute 305 Meter hoch. „Er ist seit 2011 mehr als 100 Mal ausgebrochen“, sagt der Chef des indonesischen Vulkaninstituts, Surono, der wie viele Indonesier nur einen Namen hat. „Das ist gut, so kann sich keine Spannung ansammeln.“ Reisebüros bieten heute Touren auf den Anak Krakatau an, für Mutige mit Übernachtung im Zelt.

27. August 1883: Das Desaster, das noch Monate rund um den Erdball zu spüren sein wird, nimmt seinen Lauf. Eine Serie ohrenbetäubender Eruptionen ist teils noch mehr als 4000 Kilometer entfernt in Australien und auf der Insel Rodrigues bei Mauritius zu hören. Die bis zu 800 Meter hohe Formation aus den Vulkanen Rakata, Danan und Perbuwatan zerbricht. Wassermassen strömen in die geleerten Magmakammern. Tsunami mit 40 Meter hohen Wellen sind die Folge. Heißer Ascheregen geht noch 400 Kilometer weiter nieder. Mehr als 150 Dörfer werden an den Küsten der Inseln Sumatra und Java zerstört, 40.000 Menschen sterben. Die Detonation, berechnen Experten später, war mindestens 10.000 Mal so stark wie die Hiroshima-Atombombe.

Der erste Offizier des US-Dreimasters „W.H.Besse“ erlebt das alles keine 100 Kilometer nordöstlich der Insel auf seinem Schiff: „Es war Mitternacht zur Mittagszeit, mit der Bö setzte ein starker Ascheregen ein, die Luft war so stickig, dass man kaum atmen konnte“, notierte er damals im Logbuch, wie Edward Wilson in seinem Werk „Der Wert der Vielfalt“ zitierte. „Fürchterliches Getöse vom Vulkan her, der Himmel voller Lichtblitze ... das Heulen des Windes, der durch die Takelage fuhr, war eines der schauerlichsten Erlebnisse, das man sich vorstellen kann ... alle glaubten, die letzten Tage der Erde seien gekommen.“

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