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26.11.2014

09:44 Uhr

Industrie 4.0

Schicksalsfrage Digitalisierung

VonDetlef Wetzel

In Europa hat Deutschlands Industrie die Nase vorne. Doch die Herausforderungen von Digitalisierung und Industrie 4.0 müssen angepackt werden, wenn wir nicht zurückfallen wollen..

Das Tablet als Werkzeug: Die Industrie muss den Fortschritt mitmachen, wenn sie nicht den Anschluss verlieren will. dpa

Das Tablet als Werkzeug: Die Industrie muss den Fortschritt mitmachen, wenn sie nicht den Anschluss verlieren will.

Wer erinnert sich noch an die Dotcom-Blase? Als sie platzte, kollabierte auch eine naive Vorstellung über die künftige wirtschaftliche Entwicklung Deutschlands. Die Dienstleistungsgesellschaft wurde als neues Ideal gefeiert. Die Industrie galt als Auslaufmodell.

Heute zeigt sich ein anderes Bild: Deutschland ist das einzige Land, das seit 1995 seinen Industrieanteil am Bruttosozialprodukt erhöhen konnte. Dienstleistungsberufe sind nicht anstelle der Industrie entstanden, sondern als ihr wesentlicher Teil. Zusammen mit den produktionsnahen industriellen Dienstleistungen hängen 60 Prozent des Produktionswerts direkt oder indirekt vom Industriesektor ab. Die industrielle Wertschöpfung ist damit für Wohlstand und politische Stabilität von größter Bedeutung.

Es ist aber kein Naturgesetz, dass die Industrie auch in Zukunft der Motor für gute Arbeit, Innovationen und Wachstum bleibt. Fachkräftesicherung, Digitalisierung, Energiewende und Investitionsstau stellen uns vor neue Herausforderungen. Es ist eine Schicksalsfrage: Nur wenn wir die Zukunft der Industrie sichern, sichern wir auch die Zukunft Deutschlands. Das gelingt nur mit einer gemeinsamen Kraftanstrengung von Staat, Arbeitgebern und Gewerkschaften. Deshalb hat die IG Metall ein Bündnis für Industrie initiiert. Es steht für eine offensive Weiterentwicklung des Industriestandorts Deutschland. Es ist ein Bündnis für gute Arbeit, Wachstum und Wohlstand. Damit wollen wir Kompetenzen bündeln und Netzwerke schaffen, um unsere Industrie modern zu gestalten.

Detlef Wetzel: Der Autor ist Erster Vorsitzender der IG Metall. AFP

Detlef Wetzel: Der Autor ist Erster Vorsitzender der IG Metall.

Digitalisierung und Industrie 4.0 sind die größte Herausforderung. Die IG Metall wird die technologische Entwicklung im Interesse der Beschäftigten gestalten. Wir benötigen ein neues Leitbild für gute digitale Arbeit, um die Risiken der Digitalisierung zu begrenzen. Doch auch deren Chancen liegen auf der Hand: Eine Humanisierung der Arbeitswelt ist ebenso möglich, wie eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf.

Die Veränderung von Arbeit benötigt neue Qualifizierungs- und Weiterbildungsstrategien. Die vierte industrielle Revolution muss von einer Bildungs- und Qualifizierungsrevolution begleitet werden. Es gilt, die duale Ausbildung zu stärken, um die Facharbeiter der Zukunft mit der digitalen Produktionsweise vertraut zu machen. Wir brauchen auch ein Qualifizierungssystem, das allen Beschäftigten passende Weiterbildungsangebote unterbreitet und die weiterqualifiziert, deren Tätigkeiten von Automatisierung bedroht sind.

Notwendig ist auch ein rascher Ausbau der digitalen Infrastruktur. Vor allem der Breitbandausbau muss schnell umgesetzt werden. Investierende Unternehmen müssen gezielt gefördert werden. Verbesserte Abschreibungsmöglichkeiten oder Investitionszulagen für Investitionen können zum Gelingen der Industrie 4.0 beitragen. Ein New Deal für Technologie- und Investitionsförderung sollte daher elementarer Bestandteil des Bündnisses für Industrie sein. Die Botschaft des Bündnisses ist: Gemeinsam können wir eine moderne Industrie gestalten. Wenn das auch von der Öffentlichkeit anerkannt wird, haben wir viel erreicht.

Kommentare (2)

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Herr Hans Brandl

26.11.2014, 12:59 Uhr

Ich kann man mich noch gut an die zeiten erinnern, als die Gewerkschaften mit der "Jobkiller"-Hetze (als Bezeichnung für PCs ) die ökonomische Weiterentwicklung verhindern wollte .

Diese Denkweise ist immer noch nicht überwunden: "Eine Schwalbe macht noch keinen Sommer"

Herr Ralf Rath

26.11.2014, 13:13 Uhr

Spätestens seit den frühen 1990er Jahren verändern sich nachweislich für den Einzelnen die Formen seiner ihm von Natur aus gegebenen und weltweit von modernen Gesellschaften industriell genutzten Arbeitskraft grundlegend. Insofern gilt es politisch gegenwärtig lediglich, in den unzähligen davon abweichenden Praktiken ihres Verschleißes noch heute innezuhalten, wenn der hiesig ansässigen Industrie eine Perspektive bis in die fernste Zukunft hinein eröffnet sein soll. Dass der Erste Vorsitzende der Industriegewerkschaft Metall (IG Metall) sich in seinem Gastbeitrag für das Handelsblatt darauf nicht einlässt, verwundert somit und wirft infolge dessen die Frage auf, ob die IG Metall die Lage der Dinge in der sozialen Welt verstanden hat.

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