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06.01.2014

16:17 Uhr

INDUSTRIE

Der Trend zum eigenen Kraftwerk

VonKlaus Stratmann

Unternehmen wie Bayer oder BASF produzieren ihren Strom längst selbst. Doch nun will die große Koalition die Privilegien der Eigenproduktion einschränken.

Stromproduktion: Energieintensive Unternehmen betreiben längst eigene Kraftwerke. dpa

Stromproduktion: Energieintensive Unternehmen betreiben längst eigene Kraftwerke.

Das eigene Kraftwerk auf dem Werksgelände ist in vielen energieintensiven Branchen seit Jahrzehnten üblich. Große Chemieunternehmen wie Bayer oder BASF betreiben ganze Kraftwerksparks. Aber auch in der Papierindustrie ist die Eigenproduktion von Strom an der Tagesordnung. Der Trend hat mittlerweile selbst Lebensmitteldiscounter und Autohersteller erfasst. Allerdings könnte er schon bald ein jähes Ende finden: Die Große Koalition will die Privilegien der Eigenproduktion einschränken.

Die Stromproduktion selbst in die Hand zu nehmen - das verspricht Sicherheit und niedrige Kosten. 27 Prozent der vom Deutschen Industrie- und Handelskammertag befragten Industrieunternehmen gaben kürzlich an, sie errichteten gerade eine eigene Stromerzeugungsanlage oder hätten dies bereits getan. 21 Prozent planen entsprechende Schritte. In einem gemeinsamen Monitoringbericht von Wirtschafts- und Umweltministerium, der sich allerdings auf Zahlen aus dem Jahr 2011 bezieht, heißt es, 8,5 Prozent des in Deutschland verbrauchten Stroms stammten aus Eigenproduktion. In den vergangenen Jahren dürfte sich dieser Wert nach Einschätzung von Fachleuten noch deutlich erhöht haben.

Wie hoch darf die EEG-Umlage Ihrer Meinung nach maximal liegen?

Der Einstieg in die eigene Stromproduktion ist lohnend, weil die Politik dafür Anreize geschaffen hat: Der hausgemachte Strom ist von der Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) und von den Netzentgelten befreit. Und weil die EEG-Umlage kontinuierlich steigt, hat diese Ausnahmeregelung in den vergangenen Jahren viel bewegt.

Doch jetzt will Schwarz-Rot dieses Privileg stark beschneiden. Man setze sich dafür ein, "dass im Grundsatz die gesamte Eigenstromerzeugung an der EEG-Umlage beteiligt wird", heißt es im Koalitionsvertrag von CDU, CSU und SPD. Für kleine Anlagen soll es eine Bagatellgrenze geben, für bereits bestehende Eigenerzeugung gewährt Schwarz-Rot Vertrauensschutz.

Kommentare (3)

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Account gelöscht!

06.01.2014, 17:33 Uhr

"Die Kopplung von Stromproduktion und Abwärmenutzung führt zu Wirkungsgraden, die sich mit konventionellen Kraftwerken nicht erreichen lassen."
Ggenau deshalb boomen zur Zeit Minikraftwerke in Privathäusern. Um diesen Trend im Keim zu ersticken, die Marktmacht der Energieriesen zu sichern nun dieser Vorstoß!
Mit der Stromerzeugung von Unternehmen hat das Ganze wenig zu tun, man will die Kleinerzeuger zerstören.

blosseinbuerger

06.01.2014, 17:45 Uhr

Warum soll ein Betrieb, der seinen Strom selbst erzeugt und ihn nicht aus dem Netz bezieht EEG Umlage und Netzentgelte zahlen? Es gibt nur einen Grund - die Politik ist nicht willens, das EEG zu ändern. Es profitieren zu viele und es geht um sehr viel Geld. Schon heute zahlen die kleinen Leute für die Profite der Okö-Abkassierer. CDU, CSU, SPD und Grüne sorgen für ihr Klientel - natürlich im Namen der Umwelt - und für die nicht versiegenden Profite der Anlagenbetreiber und Investoren. Ein Jobwunder wurde versprochen, tatsächlich wandert die Ökoindustrie aus, denn in China sind die Profite noch viel höher. Den Menschen hier bleiben die Kosten, der Jobverlust in der Energieerzeugenden Industrie, dem Maschinenbau und vielen Dienstleistern. Demnächst dürfte dann die Grundstoffindustrie wegen der ständig steigenden Kosten folgen. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik gab es eine so brutale Umverteilung von unten nach oben. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik gab es ein so industriefeindliche Regierung wie diese. Noch nie in der Geschichte der Bundesrepublik gab eine so rücksichtlosen Angriff auf den Lebensstandard der kleine Leute.

Account gelöscht!

06.01.2014, 20:29 Uhr

Die Politik dieser Regierung ist mir rätselhaft. Keine Regierung der Welt kann doch daran interessiert sein, die Wirtschaftskraft des eigenen Staates zu zerstören. Genau das aber tut unsere Regierung.

Für viele energieintensive Betriebe ist angesichts der wegen der Energiewende ständig steigenden Strompreise in Deutschland die Eigenstromerzeugung eine Frage des Überlebens. Wenn diese Betriebe jetzt noch in die EEG-Abzocke einbezogen werden, werden sie entweder das Land verlassen oder in die Insolvenz gehen.

Die Regierung zerstört mutwillig die Substanz der deutschen industriellen Kraft. Es ist, als ob ein Fußballspieler immer wieder und in voller Absicht den Ball ins eigene Tor schießt.

Der Fußballer würde vom Trainer umgehend aus dem Verkehr gezogen. Unsere Regierung aber bleibt im Amt.

Ebenso rätselhaft ist die Haltung unserer Indstrie. Warum läuft sie nicht Sturm gegen die Energiewende? Warum ist sie in wahrer Nibelungentreue bis zum eigenen Untergang bereit, die Regierung Merkel zu stützen? Wann fängt sie endlich an, alternative Parteien ins Gespräch zu bringen?

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