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12.08.2013

14:14 Uhr

Industrie und Kunden in Sorge

Regierung erleidet Schiffbruch mit ihrer Energiepolitik

VonDana Heide, Stefan Kaufmann

Laut zwei am Montag veröffentlichten Umfragen sind sich Wirtschaft und Verbraucher einig: Ein Großteil findet, dass die Energiepolitik der Bundesregierung Murks ist. Vor allem eine Entwicklung bereitet Sorge.

dpa

DüsseldorfKurz vor der Bundestagswahl im September sind diese Umfrageergebnisse wohl das letzte, was die selbst ernannte Energiewende-Partei CDU gebrauchen kann. Das Meinungsforschungsinstitut Forsa und der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) haben Wirtschaft und Verbraucher nach ihrer Meinung gefragt. Und die stimmen mehrheitlich überein: Das Management der Energiewende ist stark verbesserungswürdig.

Das ist bitter für Kanzlerin Angela Merkel (CDU): Gilt der Umbau der Stromversorgung in Deutschland doch inzwischen vor allem als ihr Projekt. Sie war es, die den radikalen Schwenk nach der Atomkatastrophe von Fukushima im Frühjahr 2011 durchsetzte.

Im Juli und August diesen Jahres befragte das Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW) nun im Auftrag des BDI 734 Entscheider aus Industrie sowie industrienahen Dienstleistungen per Online-Fragebogen. Gut die Hälfte der befragten Unternehmen (50,4 Prozent) erteilte der Energiepolitik der Regierung die Noten „mangelhaft“ oder „ungenügend“. Nicht viel besser sieht es bei den privaten Haushalten aus: Im Juni befragte Forsa im Auftrag der Verbraucherzentrale Bundesverband 1.227 Privatpersonen ab 14 Jahren. 48 Prozent von ihnen sind mit der Umsetzung der Energiewende nicht zufrieden.

Den Umbau der Stromerzeugung in Deutschland an sich stellen die Umfrageteilnehmer aber nicht in Frage. 82 Prozent finden die Ziele der Energiewende richtig.

Wenn sie Nachteile der Energiewende nennen sollen, führen 52 Prozent der Befragten steigende Preise an. Tatsächlich ist der Durchschnitts-Strompreis für Haushaltskunden laut Daten des Bundesverbandes der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) seit dem Jahr 2000 kontinuierlich gestiegen: Während eine Kilowattstunde (kWh) Strom vor 13 Jahren inklusive Steuern und Abgaben durchschnittlich noch knapp 14 Cent für einen Drei-Personen-Haushalt kostete, müssen Verbraucher in diesem Jahr mit fast 29 Cent nahezu das Doppelte pro kWh zahlen.

Fragen und Antworten zur Förderung der erneuerbaren Energien

Was ist die EEG-Umlage?

Rund 45 Prozent des Strompreises machen bereits Steuern, Abgaben und Umlagen aus - im Fokus steht besonders die sogenannte EEG-Umlage. Im Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sind für Wind- und Solarparks, Biogasanlagen und Wasserkraftwerke auf 20 Jahre garantierte feste Vergütungssätze festgelegt. Daher ist mit einem raschen Sinken der Förderkosten vorerst nicht zu rechnen.

Wie werden die Vergütungssätze berechnet?

Gezahlt wird die Differenz zwischen dem garantierten Vergütungssatz für den Hersteller und dem tatsächlich am Markt erzielten Preis. Die Verwalter des Umlage-Kontos, die Übertragungsnetzbetreiber, berechnen angesichts der Anlagenzahl und von Erfahrungswerten beim Wetter die möglichen Fördersummen und geben immer zum 15. Oktober eine Umlage für das kommende Jahr an. Verrechnen sie sich, wird das mit der nächsten Umlage korrigiert.

Was ist das Quotenmodell?

Beim Quotenmodell müssen Energieversorger einen bestimmten Anteil des Stroms aus erneuerbaren Quellen liefern - notfalls durch Zukauf von Ökostrom bei Betreibern von Wind- oder Solarparks. Wie sie das anstellen ist nebensächlich, Hauptsache sie erfüllen die Quote. Wenn sie die Quote nicht erfüllen, müssen sie Strafe zahlen. Bisher haben etwa Großbritannien und Schweden das Quotenmodell umgesetzt.

Noch ein bisschen schlimmer sieht es aus in der Industrie: Während Unternehmen laut Daten des BDEW im Jahr 2000 noch etwas mehr als 6 Cent pro Kilowattstunde Strom inklusive Steuern und Abgaben zahlten, kostet sie heute fast 15 Cent.

Als Beginn der Energiewende gilt jedoch das Jahr 2011 – seitdem ist der Strompreis für die Wirtschaft von 14,04 Cent auf heute 14,87 Cent pro Kilowattstunde gestiegen. Ähnlich sieht es bei den Verbrauchern aus: Bei ihnen stieg der Strompreis seit 2011 um zwölf Prozent.

Kommentare (41)

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Account gelöscht!

12.08.2013, 14:27 Uhr

Kommen Sie mal in den Hunsrück und sehen sich die Folgen der Energiewende an: in einer der schönsten Mittelgebirgslandschaften, die man sich denken kann, zwirbeln mittlerweile an die 200 Windradungetüme. Von meinem Wohnzimmerfesnter kann ich über 40 dieser nutzlosen Ungheuer bestaunen. Da geraten die steigenden Strompreise zur Nebensache, wenn der Wert der eigenen Immobilie pulverisiert wird. Und dabei wollen die Mainzer Politiker nochmal die selbe Anzahl in die Gegend stellen. Der einzelne Bürger ist machtlos! Wenn das ganze wenigstens etwas nutzten würde. Aber da man die Energie nicht speichern kann, laufen doch "Schattenkraftwerke" nebenher.
Für mich ist jedenfalls klar: von den etablierten Parteien ist für mich keine mehr wählbar. Es geht denen nur um denm Erhalt der eigenenen Macht und um das Erheben von Steuern (die es so vorher nicht gab.) Der Bürger spielt keine Rolle und soll zahlen. Und sonst gar nichts.

Optimist

12.08.2013, 14:58 Uhr

Das Problem für unsere Volksvertrter wird sein, daß es bald nichts mehr zu besteuern gibt, da wir aj jetzt bereist feststellen das die Infrastruktur, die Energie und Arbeitskraft unbezahlbar ist. Keine Ökonomie bedeutet keine Steuereinnahmen (Gewerbe- Mehrwert- Einkommen- und verdeckte Steuern). Die Immobilienpreise werden sagenhaft fallen und das Value. Dann muss Herr Trittin in Griechenland betteln gehen, damit er was aufs Konto bekommt. Die etablierten haben Deutschland abgewirtschaftet. Das Volk ist ihnen sch.... egal. Wählt AFD

Matthes

12.08.2013, 15:09 Uhr

Rundum-Schelte?
Warum nur für die Energiepolitik? Die sicher berechtigt ist. Aber die Europa-Politik, unsere Sozialpolitik, die Regulierung des Bankwesens, da liegt sehr viel brach! Nur Themen einsammeln reicht nun mal nicht, wenn man keine Straegie und keine Lösungskompetenz zeigt! Bisher war der Bürger ja machtlos, jetzt hat er aber eine Alternative!

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