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09.08.2013

12:38 Uhr

Jahrestag

Nagasaki gedenkt Opfern der Atombombe

Wo damals Zehntausende auf einen Schlag starben, läuten heute die Glocken. Vor 68 Jahren warf ein US-Bomber die Plutoniumbombe über der japanischen Stadt Nagasaki ab. Die Folgen wirken bis heute nach.

Bürger von Nagasaki Gedenken den Opfern der Atombombe vom 9. August 1945 in einer Kirche. dpa

Bürger von Nagasaki Gedenken den Opfern der Atombombe vom 9. August 1945 in einer Kirche.

Nagasaki/TokioDer Bürgermeister der japanischen Stadt Nagasaki hat am Gedenktag des Atombombenabwurfs vor 68 Jahren Kritik an der rechtskonservativen Regierung von Ministerpräsident Shinzo Abe geübt. Dass Abes Regierung eine kürzlich in Genf ausgehandelte internationale Erklärung zum Verzicht auf Atomwaffen nicht mitgetragen habe, sei ein Verrat an den Erwartungen der Weltgemeinschaft, sagte Tomihisa Taue in einer Rede zum Gedenken der Opfer des Atombombenabwurfs über seiner südjapanischen Stadt.

Die Zeremonie fand nahe der Stelle statt, an der am 9. August 1945 die „Fat Man“ getaufte Plutoniumbombe einschlug. Taue bot darüber hinaus Hilfe beim Wiederaufbau der von der Erdbeben- und Atomkatastrophe vor zwei Jahren verwüsteten Region Fukushima an.

Bei einer Sitzung des Vorbereitungsausschusses zur Überprüfung des Atomwaffensperrvertrags in Genf hatte die japanische Regierung ihre Zustimmung zu einer im April eine von 80 Staaten unterstützte Erklärung zur Unmenschlichkeit von Atomwaffen verweigert. Abe rechtfertigte dies mit der atomaren Bedrohung durch Nordkorea. Wie schon drei Tage zuvor in Hiroshima sagte der Regierungschef gleichwohl zu, sich für eine atomwaffenfreie Welt einzusetzen.

Die japanische Katastrophe in Zahlen

Das Erdbeben

Das Erdbeben mit der Stärke 9,0 ist das bisher schwerste in der Geschichte Japans. Es löste auch einen Tsunami aus. Mehr als 260 Küstenstädte wurden zum großen Teil zerstört.

Die Naturkatastrophe

Die Naturkatastrophe forderte rund 15 800 Tote und mehr als 3700 Vermisste.

Die zivilen Schäden

Die zivilen Schäden der Dreifach-Katastrophe belaufen sich insgesamt auf etwa 160 Milliarden Euro.

Länger unbewohnbar

Die Katastrophenregion um Fukushima ist auf Jahrzehnte oder noch länger unbewohnbar. Mehr als 100 000 Menschen mussten ihre Heimat verlassen, Tausende leben noch immer in Notunterkünften.

Radioaktiv verseuchtes Wasser

Über 10 000 Tonnen radioaktiv verseuchtes Wasser flossen in den Ozean. Es geriet 168-mal so viel Cäsium 137 in die Umwelt wie bei der Explosion der Hiroshima-Bombe.

Das Kraftwerk

Nach Angaben des Fukushima-Betreibers Tepco wird es noch bis zu 40 Jahren dauern, bis das Kraftwerk vollständig gesichert ist. Rund 20.000 Arbeiter halfen bislang, die Reaktoren unter Kontrolle zu bringen.

Um 11.02 Uhr Ortszeit, dem Zeitpunkt, als am 9. August 1945 die Atombombe über Nagasaki explodierte, legten die Bürger eine Schweigeminute ein und die Glocken der Stadt läuteten. Die Amerikaner hatten die Bombe drei Tage nach dem ersten Atombombeneinsatz über Hiroshima abgeworfen. Von den damals 350.000 Bewohnern Hiroshimas starben damals auf einen Schlag mehr als 70.000 Menschen. Bis Ende Dezember 1945 erhöhte sich die Zahl der Toten auf 140.000. In Nagasaki starben bis Dezember weitere 70.000 Menschen. Kurz nach dem Abwurf der Bomben kapitulierte Japan. Unter Historikern ist es aber seit langem umstritten, ob die Atombomben tatsächlich den Krieg abkürzten und damit weitere Tote bei der später im Jahr geplanten Invasion Japans verhinderten, oder ob Japan nicht ohnehin kapituliert hätte.

Kommentare (2)

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vandale

09.08.2013, 14:01 Uhr

Das Handelsblatt geht in einer ökologischen Atomstrahlenbegeisterung sehr grosszügig mit den Zahlen um.
Unverständlich ist auch der Bezug zu den Reaktorunfällen von Fukushima. Das ist vergleichbar wenn die Bombenangriffe des WK II mit dem Absturz eines Zivilflugzeugs verglichen werden.

Hiroshima, Todesopfer 68.000, Verletzte 76000, Nagasaki, Todesopfer 38.000, Verletzte 21.000* Dies inkludiert die Opfer die in den Folgemonaten starben. In den folgenden Jahrzehnten starben statistisch gesehen 350 Menschen mehr an Krebs, davon 80 an Leukämie, als dies ohne die Atombombenabwürfe zu erwarten gewesen wäre.

Ein Atombombenabwurf über Berlin hätte je nach Wetterlage** eine 3 - 4 stellige Anzahl Opfer zur Folge gehabt. Gründe: Sehr hohe Bevölkerungsdichte in Hiroshima 22000 Menschen/Km2, Berlin 2 - 6000, die Innenstadt war mit Menschen überfüllt, die Menschen waren leicht gekleidet, die Häuser leicht gebaut, sonniges Wetter.

Vandale

*Die Wirkungen von Kernwaffen, Deutsche Bearbeitung Hermann Leutz, Herausgeber Samuel Glasstone, basierend auf Ausarbeitungen des US Verteidigungsministeriums, Carl
Heymanns Verlag KG, 1964. S. 524, S538.

Weitere potentielle Quellen: USSBS Documents

** Bei Nebel und Regen wird die Druck- und Hitzewelle und auch die Gammastrahlung stark gedämpft.

vandale

09.08.2013, 14:51 Uhr

Korrektur:
... und auch die Gammastrahlung stark gedämpft...Korrekt ist, dass Wasser ein guter Neutronen und Gammastrahlenabsorber ist.

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