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26.02.2014

06:00 Uhr

Joachim Wambsganß

Scheitern darf kein Makel sein

Der Professor für Astrophysik zählt zu den weltweit führenden Experten für Exoplaneten, also Planeten außerhalb unseres Sonnensystems. Er findet, dass die Deutschen öfter etwas Neues ausprobieren sollten.

Welche Innovation hat Ihrer Meinung nach die Welt am nachhaltigsten verändert?
Das Rad, der Buchdruck und der Computer beziehungsweise das Internet.

Wer ist für Sie der größte Visionär?
Es gibt in der Geschichte der Menschheit eine ganze Reihe von Personen, die ich ob ihrer Visionen, ihrer Zuversicht und ihres Mutes bewundere. Dazu gehören einerseits die Religionsstifter Jesus, Mohammed und Buddha. Andererseits Wohltäter der Menschheit, wie Albert Schweizer, Mahatma Gandhi oder Mutter Teresa. Aber auch vor künstlerischen und technischen Visionen habe ich größten Respekt: Da fallen mir Leonardo da Vinci, Stanley Kubrick und Steve Jobs ein.

Joachim Wambsganß

Zentrum für Astronomie

Der 53-Jährige ist Professor an der Fakultät für Physik und Astronomie der Universität Heidelberg und Direktor des dortigen Zentrums für Astronomie sowie des Astronomischen Rechen-Instituts.

Internationale Anerkennung

Der Astrophysiker beschäftigt sich unter anderem mit der Suche nach extrasolaren Planeten und gilt dort als einer der führenden Experten weltweit. Außerdem ist Wambsganß Mitglied zahlreicher wissenschaftlicher Vereinigungen, unter anderem der American Astronomical Society und der Deutschen Physikalischen Gesellschaft.

Engagement

Der Wissenschaftler beschäftigt sich neben seiner Tätigkeit an der Universität Heidelberg mit dem Thema „eScience“, also der Möglichkeit, öffentlich geförderte wissenschaftliche Daten und Publikationen Interessierten leicht und kostenlos zugänglich zu machen.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Wenn ich einen schwierigen Umstand oder ein kniffliges Problem lange mit mir herum trage, dann kommen mir gute Ideen zur Lösung oft in eher entspannten Situationen. Es scheint mir, als ob nach intensiven gedanklichen Bemühungen das Unterbewusstsein dann weiterarbeitet und oft das Dilemma auf ungewöhnliche Art löst. Das passiert mir manchmal beim Duschen oder Joggen, aber gelegentlich auch beim Genießen einer Oper oder beim Bügeln.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Helmut Schmidt ist ja ein sehr kluger Mensch, vor dem ich großen Respekt habe. Aber er hat natürlich auch immer schnell (verbal) geschossen. Und bei dieser Aussage kann ich ihm nicht zustimmen. In unserem europäischen oder spezifisch deutschen Umfeld wird es fast immer lieber gesehen, „systemkonform“ die Dinge so zu erledigen, wie sie schon immer gemacht wurden, anstatt „visionär“ nach neuen Lösungen zu suchen.

Natürlich stellen sich die meisten neuen Ideen, Änderungsvorschläge und Visionen am Ende als schlechter heraus als das Bisherige (darüber wird nur selten berichtet). Aber manches ist eben auch tatsächlich besser als das Herkömmliche. Und da in den USA diese Kultur des Ausprobierens viel eher belohnt und unterstützt wird (und auch „Scheitern“ viel weniger ein Makel ist ...) als bei uns, kommen in unserer Zeit die meisten richtig innovativen Verbesserungen und neuen Geschäftsmodelle und guten Ideen und Visionen noch immer aus Nordamerika. In Deutschland kopieren wir oft nur die Aspekte, die sich in den USA bereits bewährt und durchgesetzt haben. Damit sind wir meist „auf der sicheren Seite“, aber eben auch „hintendran“. Von daher ist eine Kultur, die Neues toleriert oder gar unterstützt, mittel- und langfristig immer im Vorteil: Ich wünschte mir, dass wir das in Deutschland auch langsam lernten und ermöglichten!

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Wann rechnen Sie damit, dass die Suche nach einem erdähnlichen Planeten erfolgreich sein wird?
Vor 20 Jahren wussten wir nicht, ob überhaupt ein einziger der Sterne, an denen wir uns am Nachthimmel erfreuen können, von Planeten umkreist wird wie unsere Sonne. Inzwischen ist die Suche nach extrasolaren Planeten und ihre Untersuchung zu einem der heißesten Forschungsgebiete der Astronomie geworden. In einer Nature-Veröffentlichung haben wir vor zwei Jahren gezeigt, das jeder Stern in unserer Milchstraße im Schnitt mindestens einen Planeten hat. Die meisten bisher entdeckten Planeten sind größer und massereicher als die Erde. Es ist aber nur eine Frage der Zeit, bis wir erdähnliche Planeten finden werden.

Allerdings hängt es auch in bisschen davon ab, wie wir eine „zweite Erde“ definieren: Gibt es eine zweite Stadt wie Frankfurt? Gibt es eine zweite Zeitung wie das Handelsblatt? Gibt es einen zweiten Handballverein wie den VfL Gummersbach? Sicherlich existieren in keinem dieser Fälle exakte Kopien. Genauso wenig wird es einen identischen Zwilling der Erde geben. Ich bin aber sehr zuversichtlich, dass ich es noch erleben werde, wie wir Spuren von Leben auf einem erdähnlichen Planeten um einen Nachbarstern entdecken werden.

Von

tt

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