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27.08.2013

11:53 Uhr

Juwi-Chef Willenbacher

„Man will die teuerste Technologie vorantreiben“

VonKlaus Stratmann, Georg Weishaupt

Matthias Willenbacher, Gründer der Ökostrom-Gruppe Juwi, vertritt die radikale These, dass die komplette Umstellung der Energieversorgung auf erneuerbare Energien bis 2020 machbar ist - ohne teure Windparks im Meer.

Matthias Willenbacher von Juwi: Er hält die Milliardeninvestitionen in den Netzausbau für unnötig. Andreas Labes für Handelsblatt

Matthias Willenbacher von Juwi: Er hält die Milliardeninvestitionen in den Netzausbau für unnötig.

Im Konferenzraum des Juwi-Büros in Berlin-Mitte packt Matthias Willenbacher kurzerhand selbst an. Er hilft mit, die Pinnwand in den Flur zu tragen, damit der Fotograf zufrieden ist. Dann gießt er sich einen Pfefferminztee ein, denn Kaffee ist dem Gründer und Vorstand des großen Projektierers von Solar- und Windparks ein Gräuel. Als Kind wurde ihm davon mal übel, erzählt er vor dem Interview.

Herr Willenbacher, ist Bundeskanzlerin Angela Merkel noch gut auf Sie zu sprechen?
(lacht) Das kann ich nicht beurteilen. Warum?

Sie haben ihr schließlich "ein unmoralisches Angebot" gemacht.
Ich glaube, dass sie mein Buch "Mein unmoralisches Angebot an die Kanzlerin" noch nicht gelesen hat. Bisher gibt es von ihr jedenfalls nicht die geringste Reaktion.

Sie wollen den Anteil an Ihrem Unternehmen Juwi verschenken, wenn die Kanzlerin die Energiewende bis 2020 durchzieht. Ist das ernst gemeint?
Das ist sehr ernst gemeint. Denn ich möchte, dass die Energiewende in Deutschland gelingt. Derzeit ist bei uns doch der Tenor: Energiewende ja bitte, aber sie muss bezahlbar sein. Wenn man die Energiewende in Berlin wirklich wollte, würde man sich mehr um Lösungen kümmern. Stattdessen diskutiert die Bundesregierung, wie sie die Energiewende entschleunigen kann.

Überzeugungstäter

Der Unternehmer

Matthias Willenbacher wird am 14. Juli 1969 auf dem Schneebergerhof in der Pfalz geboren. Er macht später sein Diplom in Physik an der Uni Mainz. Im Jahr 1996 weiht er seine erste Windenergieanlage auf dem elterlichen Hof ein. Mit dem Agrarökonomen Fred Jung gründet er 1996 Juwi, einen Projektierer für erneuerbare Energien.

Das Unternehmen

Willenbacher und Jung machten aus einem Zwei-Mann-Büro bis heute eine internationale Unternehmensgruppe mit rund 1 700 Mitarbeitern. Im vergangenen Jahr erreichte die Juwi-Gruppe einen Umsatz von 1,1 Milliarden Euro. Sie plant und baut Solar- und Windparks sowie Bioenergie- und Wasserkraft-Anlagen.

Was meinen Sie konkret?
Man will ausgerechnet die teuerste Technologie, die Offshore-Windparks, mit aller Kraft vorantreiben. Sie erhalten zu Beginn die hohe Förderung von 19 Cent pro Kilowattstunde, ohne zu wissen, was irgendwann mal als realistischer Strompreis herauskommt.

Aber Windparks im Meer kommen doch auf viel mehr Volllaststunden als Windparks an Land. Sie produzieren also viel mehr Strom.
Das stimmt so nicht mehr. Die Technik hat sich weiterentwickelt. Es gibt heute schon Windanlagen an Land mit großen Rotorblättern, die 3500 bis 4000 Volllaststunden erreichen. Das heißt: Sie kommen schon nahe an die Leistung der Windmühlen im Meer heran. Sie sind aber deutlich billiger als Offshore-Anlagen. Damit ist auch der Strom deutlich billiger.

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Sie meinen also, wir könnten uns die milliardenschweren Investitionen in die Windparks im Meer sparen?
Ja, auf jeden Fall.

Kommentare (14)

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LJA

27.08.2013, 12:15 Uhr

Aber klar. Wenn der Wind nicht weht, dann springen Blockheizkraftwerke ein. Davon wird Herr Willenbacher aber eine MENGE brauchen, wenn damit die BMW-Fabriken betrieben werden sollen. Oder das Hamburger U-Bahn Netz. Oder die Medizinische Hochschule Hannover. Oder der Frankfurter Flughafen. Oder, oder, oder... Weiß der der Mann eigentlich, in welchen Kategorien hier gedacht werden muß ? Er geht vermutlich immer nur von seinem Geschäftsmodell aus, welches hauptsächlich auf Privathaushalte und Kleinbetriebe ausgerichtet ist.
Alls andere wird man dann bei Flaute wohl abschalten müssen. Tolle Idee.

HofmannM

27.08.2013, 12:31 Uhr

Dieser Matthias Willenbacher hat von Physik, Wirtschaft und Technik keine Ahnung! Dieser Mensch ist die größte Bedrohung für unsere energiebasierende Industrie Wohlstandsgesellschaft. Die sog. erneuerbaren Energien sind reiner Lug und Trug! Schaumschlägerei.
Wind und Sonne sind den Launen der Natur ausgeliefert. Eine konstante und damit wirtschftliche und zuverlässige kostengünstige Sromerzeugung ist damit nicht zu haben!
Darum haben die Vernunft und Verstand Menschen sich auch mit den Kraftwerken (Kohle, Gas und Uran) unabhängig von diesen unwirtschaftlichen Faktor (Wind,Sonne) der Launen der Natur gemacht. Mit Kohle haben wir noch Jahrhunderte einen preisgünstigen Energieträger, mit Gas noch einige tausend Jahre und mit Uran/Thorium noch für etliche Hundertausend Jahre! Das ist FAKT!
Schaffte endlich das perfide und asoziale EEG ab! Danke!

Account gelöscht!

27.08.2013, 12:36 Uhr

Selten so einen Blödsinn im Gesamten gelesen.

Die Energiewende laut diesem Herrn fußt also zu einem wesentlichen Teil auf Effizienzverbesserungen bei den onshore Windanlagen. Dann sollte dieser Herr aber auch erwähnen, dass eine 3 mal so hohe Ausbeute auch eine 3 mal so hohe Größe bedingt. Ersetzen sie erstmal alle Windkraftanlagen an Land durch sehr viel größere und schauen mal, wie lange das dauert. Wir können noch nicht mal eine Leitung von Nord nach Süd bauen ohne jahrzehntelange Klagen der Anwohner.

Weiterhin hat der Herr auch nicht erwähnt, dass "Investitionen" in die Gebäudesanierung von den Mietern mit dauerhaften Mieterhöhungen bezahlt werden müssen. Die Mieten explodieren jetzt schon, wie wird das denn erst werden, wenn die Vermieter in den nächsten 7 Jahren 400 mrd Euro in die Wohnungen investieren müssen ?!

Leider schönt der Herr die ganze Angelegenheit aufs Äusserste ohne auch nur im Ansatz auf die Schwierigkeiten "seines" Weges einzugehen.

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