Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

01.10.2014

06:00 Uhr

Kai Hudetz

Kämpfen, bevor es zu spät ist!

Der traditionelle Handel muss die digitalen Herausforderungen konsequent angehen, solange er noch Rückenwind hat, findet der Handelsexperte. Stecken die Unternehmen bereits in der Krise, ist es häufig schon zu spät.

Kai Hudetz ist seit August 2009 Geschäftsführer der IFH Institut für Handelsforschung GmbH, Köln und des dort angesiedelten ECC.

Kai Hudetz ist seit August 2009 Geschäftsführer der IFH Institut für Handelsforschung GmbH, Köln und des dort angesiedelten ECC.

Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?

Eine schwierige Frage gleich zu Beginn. Trotz der vielen fundamentalen Innovationen von der Dampfmaschine bis zu Elektrizität in Haushalten ist das für mich ganz klar das Internet. Das Internet hat nicht nur die Art und Weise, wie wir ein- und verkaufen verändert – womit ich mich ja sehr intensiv beschäftige – sondern nahezu alle Lebensbereiche des Menschen durchdrungen. Egal, ob ein Restaurant, ein neuer Tennisschläger oder ein neuer Partner gesucht wird, das Internet ist häufig das Mittel der Wahl. Egal, ob wir uns über Börsenkurse, Wetter, Krisenregionen oder Fußball informieren, wir nutzen das Internet. Information, Kommunikation und die Vernetzung der Menschen untereinander hat sich durch das Web nachhaltig verändert. Diese Liste ließe sich beliebig fortsetzen.

Für wie innovativ halten Sie Ihr Unternehmen?

Wer ist für Sie der größte Visionär?

Natürlich kommt man nicht umhin, Steve Jobs und Jeff Bezos zu nennen. Im Handelsbereich waren auch die Aldi-Brüder oder Otto Beisheim große Visionäre. Für mich persönlich steht aber Leonardo da Vinci ganz vorne. Er hat Ende des 15. Jahrhunderts eine funktionsfähige Luftschraube skizziert, rund 450 Jahre, bevor die ersten flugtüchtigen Hubschrauber entwickelt wurden. Wenn man sich die mittelalterliche Welt des Leonardo da Vinci vorstellt, kommt es einem unglaublich vor, eine solche Vision zu entwickeln, zumal ihm die notwendigen Materialien zur Verwirklichung fehlten.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?

Ideen brauchen Freiraum, um zu entstehen und etwas Zeit, um zu reifen. Das ist bei mir beispielsweise der Fall, wenn ich am späten Abend von einer Vortragsveranstaltung nach Hause fahre. Ein paar Stunden alleine im Auto, mit etwas Musik im Hintergrund, da kommt einem schon die eine oder andere gute Idee.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?

Nein, wo wären wir denn ohne Visionen? Dem Ende der Rassentrennung wie auch der europäischen Einheit gingen Visionen voraus, die Vordenker Jahre beziehungsweise Jahrzehnte zuvor hatten. Gleiches gilt im Technologiebereich für das Automobil genauso wie für das Smartphone. Viele Visionen lassen sich vermutlich nie realisieren, manche – wie Leonardo da Vincis Luftschraube – erst sehr, sehr viel später. Richtig ist aber, dass eine Vision erst mit der Realisierung wertvoll wird. Die Umsetzung ist ebenso entscheidend wie die Vision selbst.

Welche Innovation fehlt in Ihrer Branche?

Die E-Commerce-Branche ist ja sehr innovativ, wir sehen sehr viele Innovationen, die durch Start-Up-Unternehmen getrieben werden, denken wir beispielsweise an Spotify, MyTaxi oder airbnb oder im Online-Handel an MisterSpex oder MyMuesli. Auch Amazon ist trotz seiner nun immerhin schon 20jährigen Historie noch sehr innovativ. Die großen stationären Handelsunternehmen mit ihrer jahrzehntelangen Historie tun sich da häufig schwerer. Ich würde mir wünschen, dass traditionelle Handelsunternehmen die Herausforderung der Digitalisierung mit all ihren Facetten konsequent und innovativ angehen, solange sie wirtschaftlich erfolgreich sind. Wir beobachten leider, dass sich viele Händler erst dann den neuen Herausforderungen widmen, wenn sie schon in der Krise stecken –häufig leider zu spät.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×