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25.04.2014

12:33 Uhr

Kampf gegen Malaria

Kein Grund zum Feiern

Die Tropenseuche Malaria gehört zu den gefährlichsten Infektionskrankheiten der Erde. Betroffen sind vor allem Kleinkinder in Afrika. Uganda kämpft seit Jahren dafür, die Bevölkerung mit Moskitonetzen und Insektiziden zu versorgen. Und macht Fortschritte.

Übertragungsgefahr Mücke: Insektizide und behandelte Moskito-Netze werden in Uganda im Kampf gegen Malaria verteilt. dpa

Übertragungsgefahr Mücke: Insektizide und behandelte Moskito-Netze werden in Uganda im Kampf gegen Malaria verteilt.

Kampala„Maria“ sollte das kleine Mädchen heißen. Vincent Matabaaro (34) steckte mitten in den Vorbereitungen für die Taufe seiner Tochter, als das Schicksal in Form einer tödlichen Krankheit zuschlug: Malaria. Das erst drei Monate alte Baby aus Uganda starb wenige Tage vor der festlichen Namensgebung. „Ich werde diesen Tag nie vergessen“, sagt der Vater traurig. „Sie hatte schreckliche Fieberkrämpfe, und wir sind mit ihr zum Krankenhaus geeilt. Aber es war schon zu spät.“

Dem von der Anopheles-Mücke übertragenen Parasiten fallen in dem ostafrikanischen Land jedes Jahr Zehntausende Menschen zum Opfer. Bei den meisten handelt es sich um Kinder unter fünf Jahren. Dem Gesundheitsministerium in der Hauptstadt Kampala zufolge leiden 98 Prozent aller Patienten unter der äußerst gefährlichen Form Malaria tropica die durch den Erreger Plasmodium falciparum ausgelöst wird.

Welt-Malaria-Tag

Übertragung

Die lebensbedrohliche Infektionskrankheit Malaria wird durch den Stich der Anopheles-Mücke übertragen.

Sterberate

Nach Angaben der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich mehr als 600.000 Menschen an der Tropenkrankheit. Rund 90 Prozent davon sind Kinder unter fünf Jahren in Afrika.

Heilung

Malaria kann geheilt werden, viele Erkrankte sterben aber wegen mangelnder medizinischer Versorgung. Laut WHO gab es 2010 rund 219 Millionen Malaria-Erkrankungen.

Kampagne

Zum Welt-Malaria-Tag 2011 wurde die Kampagne „Roll Back Malaria“ propagiert. Sie zielt darauf ab, die Zahl der Malariatoten bis 2015 auf Null zu drücken.

Am 25. April begeht die Internationale Gemeinschaft den Weltmalariatag. Aber Grund zum Feiern gibt es nicht: Nach Schätzungen der Weltgesundheitsorganisation WHO gibt es auch heute noch alljährlich 200 Millionen Fälle von Malaria - 80 Prozent davon treten in Afrika südlich der Sahara auf. Uganda ist eines der am schlimmsten betroffenen Länder, aber in den vergangenen Jahren wurden dank massiver Investitionen in die Malaria-Prophylaxe auch Fortschritte verzeichnet.

Die Gelder stammen unter anderem vom Globalen Fonds zur Bekämpfung von Aids, Tuberkulose und Malaria, von der WHO und von der amerikanischen Malariainitiative des Präsidenten. Mithilfe des Nationalen Programms für Malaria-Kontrolle (NMCP) wurden in Uganda in den vergangenen neun Jahren Millionen von mit Insektiziden behandelten Moskito-Netzen verteilt.

Zudem wurden vor allem in stark betroffenen Regionen im Norden und im Süden Häuser und Hütten mit Insektiziden ausgesprüht und Medikamente zugänglich gemacht. Mittlerweile hätten etwa die Moskitonetze 71 Prozent der Bevölkerung erreicht. Bis 2016 sollen es nach den Plänen der Regierung 85 Prozent sein. Zudem ließen die Behörden gratis ein von der WHO empfohlenes Medikament zur Behandlung verteilen.

„Malaria kommt in Uganda immer noch sehr häufig vor - allein im vergangenen Jahr mussten wir 16 Millionen Fälle behandeln“, sagt NMCP-Mitarbeiter Myers Lugemwa. „Aber in den vergangenen drei Jahren hat sich die Zahl der Menschen, die an Malaria sterben, halbiert.“ Die genauen Zahlen würden derzeit von Experten zusammengestellt, fügte er hinzu.

Miriam Nannyunja, die für die WHO in der Abteilung Krankheitsvorsorge arbeitet, beziffert die derzeitige Zahl der jährlichen Malaria-Opfer in Uganda auf 40 000. Vor wenigen Jahren seien es noch 100.000 Todesfälle gewesen, sagt die Expertin. „Malaria ist immer noch ein Problem in Uganda, und wir haben nie behauptet, es sei nicht ernst.“ Aber die Bemühungen, die Krankheit einzudämmen, seien in fast allen Fällen erfolgreich gewesen.

„Die verbesserte Situation ist nicht nur mit dem Zugang zu Medikamenten zu erklären“, betont der Arzt Francis Mayanja von der Green Cottage Clinic, die 20 Kilometer von Kampala entfernt an einer Schnellstraße liegt. „Die Lebensumstände der Bevölkerung haben sich stark verbessert, nicht nur was die allgemeine Wirtschaftslage betrifft, sondern auch bezüglich des Transportwesens.“ Bis vor wenigen Jahren hätten Kranke kaum eine Möglichkeit gehabt, noch rechtzeitig eine Klinik zu erreichen. Es fehlte an Geld und Infrastruktur. Das habe sich grundlegend geändert.

Täglich kommen 30 Patienten in Mayanjas Klinik, die unter malariaähnlichen Symptomen wie Fieber und Schüttelfrost leiden. „Aber nur noch 20 Prozent der untersuchten Blutproben zeigen tatsächlich Malaria-Parasiten - vor einigen Jahren waren es noch 40 Prozent“, sagt der Experte.

Derweil lässt die Regierung in ihren Bemühungen nicht nach, die Seuche auszumerzen. Das nationale Programme NMCP sieht vor, dass schon bald 80 Prozent aller Ugander „regelmäßig mindestens eine Art der Malaria-Prophylaxe verwenden sollen“. Getreu dem diesjährigen Motto des Weltmalariatages: „In die Zukunft investieren - Malaria besiegen“.

Von

dpa

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