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01.09.2014

16:46 Uhr

Kapazitätsmärkte

Hilfe für Kraftwerke ist umstritten

VonKlaus Stratmann

Die Branche sorgt sich um die Zuverlässigkeit der Stromversorgung. Kraftwerks-Betreiber sollen dafür honoriert werden, Stromreserven bereitzuhalten. Doch Kritiker warnen vor den Kosten.

Kohle-Kraftwerke: Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, werden sie gebraucht. dpa

Kohle-Kraftwerke: Wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, werden sie gebraucht.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) hat schon vor Wochen klargemacht, ein "Hartz IV für alte Kohlekraftwerke" werde es mit ihm nicht geben. Auch in der Wirtschaft mehren sich Stimmen, die vor Rettungsmaßnahmen für Kraftwerke warnen. Die Anlagenbetreiber sind alarmiert. Sie befürchten, dass ihre Vorschläge zum Erhalt von Kraftwerken nicht umgesetzt werden.

Seit Jahren weisen die Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken auf ihre Probleme hin: Mit dem rasant wachsenden Anteil von Wind- und Sonnenstrom sinkt die Auslastung ihrer Anlagen stetig. Wenn an manchen Tagen Wind- und Sonnenstrom die Strombörse fluten, fallen die Strompreise ins Bodenlose. Es wäre viel zu teuer, Kohle oder Gas zu verfeuern. Also bleiben die Kraftwerke aus. Die Unternehmen schreiben rote Zahlen und können die Kosten für ihre Investitionen nicht mehr reinholen. Der Bundesnetzagentur liegen 49 Anträge auf Kraftwerksstilllegungen vor.

Doch ohne die Gas- und Kohlekraftwerke geht es nicht. Denn wenn die Sonne nicht scheint und der Wind nicht weht, müssen sie parat stehen und die Stromversorgung sicherstellen. Daher soll die Politik dabei helfen, die Kraftwerke zu erhalten. Das Zauberwort heißt "Kapazitätsmärkte": Die Betreiber sollen dafür honoriert werden, Kraftwerkskapazitäten bereitzuhalten. Die erforderlichen Kapazitäten sollen auktioniert werden. Wer sie zum niedrigsten Preis bereithält, soll den Zuschlag bekommen. Kann ein Betreiber die Kapazitätszusagen nicht einhalten, drohen empfindliche Strafzahlungen.

Wie hoch darf die EEG-Umlage Ihrer Meinung nach maximal liegen?

Doch die Skepsis wächst. Kritiker sehen die Gefahr, dass die Kapazitätsmarkt-Lösung als Rettungsschirm missbraucht wird. Aus Sicht von Fritz Brickwedde ist die Sache daher eindeutig: "Die Forderungen nach Kapazitätsmärkten lehnen wir klar ab", sagt der Präsident des Bundesverbands Erneuerbare Energie (BEE). Er fürchtet jährlich wiederkehrende Milliardenbelastungen. Er spricht sich daher für eine kleine Lösung aus: Brickwedde propagiert eine "strategische Reserve".

Eine staatliche Stelle, etwa die Bundesnetzagentur, würde jährlich den Bedarf an Kraftwerken definieren, die für die Sicherstellung der Versorgung unerlässlich sind. Diese Anlagen würden dann bezuschusst. Brickwedde beziffert den jährlichen Kostenaufwand auf "140 bis 200 Millionen Euro". "Wir sollten vorsichtig sein, ehe wir Kraftwerksbetreibern Milliardenbeträge hinterherwerfen", warnt er. Brickwedde steht mit seiner Skepsis nicht allein da. Auch beim Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) und beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) gibt es erhebliche Vorbehalte.

Die Betreiber von Kohle- und Gaskraftwerken werden durch die Entwicklung vor erhebliche Herausforderungen gestellt. So kämpfen der Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) und der Verband der Kommunalen Unternehmen (VKU), in dem die Stadtwerke zusammengeschlossen sind, seit vergangenem Jahr für ihr gemeinsam entwickeltes Kapazitätsmarkt-Modell. Zwischenzeitlich hatte es so ausgesehen, als könnten sie sich durchsetzen, doch nun verschaffen sich die Kritiker Gehör.

Der Stimmungswandel versetzt den BDEW in Alarmbereitschaft. "Einige Vertreter der Industrieverbände scheinen die wachsende Dramatik auf dem Kraftwerksmarkt immer noch zu unterschätzen - und das, obwohl ihre Mitgliedsunternehmen auf eine jederzeit sichere Stromversorgung dringend angewiesen sind", sagte BDEW-Hauptgeschäftsführerin Hildegard Müller kürzlich.

Der BDEW verweist auf Studien, die das Bundeswirtschaftsministerium in Auftrag gegeben hat. Sie belegen aus Sicht des Verbands, dass sein Kapazitätsmarkt-Modell praktikabel und kostengünstig sei. Allerdings liefern die umfassenden Papiere, die das Ministerium Ende Juli vorstellte, auch den Gegnern Argumente. Wie sich Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) entscheiden wird, ist noch nicht absehbar.

Kommentare (4)

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Herr Rainer Feiden

01.09.2014, 17:28 Uhr

Ein doppeleter Kraftwerkspark, der kostet eben. Und das wird auf absehbare Zeit auch so bleiben. Dieses Natur- und Kostendebakel war absolut vorhersehbar. Und der Michl will das so, also soll er auch die Rechnung dafür bezahlen. Basta!

Herr Holger Narrog

01.09.2014, 20:47 Uhr

Die Stromerzeugung umweltschädlicher Windmühlen und Solaranlagen schwankt entsprechend der Launen des Wetters zwischen 0 und Nennleistung. Das bedeutet, die Maximallast inklusive einer Reserve, ca. 100.000MW Kapazität muss vorgehalten werden.
Abgesehen von den Brennstoffkosten fallen alle Kosten an als wenn diese Kraftwerke normal Strom produzieren. Die Reparaturen und steigen bei ständigem hoch- und herunterfahren an. Zusammen mit einem Ersatz von ca. 2500 MW liegen die jährlichen Kosten bei > 10 Mrd. €.
Da es keine himmlischen Konten gibt trägt die Gesellschaft am Ende immer die Kosten. Man kann diese den sehr häufig staatlichen, z.B. kommunalen Kraftwerksbetreibern belasten. Dann werden die Städte entsprechend mehr Radarfallen einrichten und Kita Gebühren erhöhen.
Man kann diese Kosten auch über die Stromrechnung bezahlen. Allerdings wäre das dann zu transparent und könnte die Wähler erzürnen.
Ideal wäre es wenn die Ökogläubigen und Unternehmen die von „Erneuerbaren Energien“ schwärmen diese Kosten tragen.

Frau Alina Alanka

02.09.2014, 12:01 Uhr

Die Politik möchte nicht zugeben und sich nicht darüber zur Verantwortung stellen, dass sie sich mit ihrer Gesetzgebung von geldgierigen Lobbyisten und Scharlatanen an der Nase führen lässt und versucht daher, jedes EEG-bedingt entstandene Problem mit einer weiteren "Problemlösung" zu kaschieren. Wobei die Schreiberlinge der ständig neu erforderlichen Problemlösungen wiederum in den Reihen der Lobbyisten zu finden sind. Die ursprünglich ethisch-moralisch-ökologisch gedachte Energieerzeugung wandelt sich in ein fiskalisch gesteuertes Haifischbecken. Es geht um Geld und nicht um Natur, Umwelt und Klimaschutz.

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