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29.01.2014

10:13 Uhr

Kaputt im Job

Rekord bei Frühverrentungen

Druck, Stress, Mobbing – Zehntausende Arbeitnehmer leiden unter dem Job so stark, dass sie ausscheiden müssen. Immer mehr gehen in Frührente wegen psychischer Krankheiten. Die Geschichte einer Misere.

Stress, Mobbing, Überlastung – die häufigsten Gründe für Frühverrentung. dpa

Stress, Mobbing, Überlastung – die häufigsten Gründe für Frühverrentung.

Fast 40 Jahre hatte Werner T. als Koch, Küchenchef und Ausbilder gearbeitet. Dann war seine Kraft am Ende. „Da waren viele Sachen, die da zusammengekommen sind, Druck, Mobbing“, sagte der damals 59-Jährige in einer NDR-Reportage. Nach einigen Wochen in einem Reha-Zentrum der Deutschen Rentenversicherung musste er wieder an seinen Arbeitsplatz und brach zusammen. Kaputt im Job – 75.000 Menschen kamen zuletzt pro Jahr wegen Depressionen und anderer psychischer Krankheiten in Deutschland in Frührente, mehr als je zuvor. Das Durchschnittsalter: 49 Jahre.

Bei Werner T. folgte zunächst ein längerer Psychiatrieaufenthalt. Auch danach blieb er arbeitsunfähig – dann unterschrieb er den Antrag auf Erwerbsminderungsrente. „Es war ein Schritt zu sagen: Ich geb' jetzt auf.“

Schicksale dieser Art häufen sich. Zwischen 2000 und 2006 gab es jährlich noch rund 50.000 Frühverrentungen wegen psychischer Leiden, seither klettern die Zahlen. Ist es eine unabänderliche Entwicklung – wegen des Stresses in der Arbeitswelt, ständiger Erreichbarkeit, Konkurrenzdruck?

Kommentare (5)

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Prophet

29.01.2014, 11:24 Uhr

Das wundert mich nicht und die Lage wird auch noch viel schlimmer. Wir leben in einem System, welches den Menschen auf seine wirtschaftliche Tätigkeit reduziert. Die tägliche Arbeit wird als der totale Mittelpunkt vorgegeben. Dabei ist der Mensch ein vielschichtiges Wesen, mit zahlreichen Bedürfnissen, für die aber kein Platz mehr in der knappen freizeit ist.
Wir sind nicht auf der Welt, um einer wirtschaftlichen Tätigkeit nachzugehen. Wir sind hier, um uns selber zu verwirklichen. Diese Selbstverwirklichung findet aber für die Mehrheit nicht im Job statt.
Wir arbeiten den ganzen Tag aber wir haben keine sozialen Kontakte, keine Familie, keine Kinder und für die eigenen Interessen haben wir keine Zeit. Der Einzelne möchte so nicht leben, er merkt, dass da etwas falsch läuft aber er muss bei diesem Wahnsinn mitmachen. Davon wird man sehr krank und zwar nicht nur psychisch.
Es muss da dringend etwas geändert werden. Der Job darf nicht mehr die zentrale Rolle spielen und mann muss auch mit viel weniger Arbeit seine grundlegenden Bedürfnisse, wie Wohnung, Nahrung, Kleidung und Hobby erfüllen können.
Wenn da nicht recht kurzfristig ein Umdenken stattfindet, wird die Gesellschaft ihr blaues Wunder erleben. Niemand hält dieses Arbeitsleben weit über das fünfzigste Lebensjahr hinaus durch. Man kann nur hoffen, dass man überhaupt noch so lange lebt.

Michl

29.01.2014, 12:00 Uhr

Es gibt bestimmt Menschen, auf welche die Krankheitsbilder passen. Sind diese Menschen dann aber zu keiner Arbeit mehr fähig? Neben den wirklich Kranken wird hier auch viel auf Kosten der Allgemeinheit simuliert!
Besonders leicht gemacht wird es den Beamten, die bekanntlich Privatpatienten sind. Welcher Psychotherapeut verzichtet schon gerne auf eine eierlegende Wollmilchsau? Schließlich dreht sich alles nur ums Geld, auch bei den Ärzten. Und wer ist schon psychisch perfekt? Jeder hat eine Macke, jeder ist im (Freizeit-)Stress, jeder steht im Konkurrenzdruck und jeder hat zu viel um die Ohren. Das ist nun mal Teil unseres Leistungssystems. Da läßt sich als Therapeut doch bei jedem ein burn-out oder starke psychische Belastung diagnostizieren! Wer würde bei dieser Diagnose auch schon Nein sagen? Dann wäre er ja nicht im Stress! Der Therapeut hat damit im Idealfall einen zahlungskräftigen Privatpatienten als "Stammkunden", dem er dann immer nur bestätigen muß, wie sehr er doch im Stress steht. Der Privatpatient kann nach einiger Zeit, in der er natürlich vom Therapeuten extreme Stresssituationen attestiert bekommt, eine Frühverrentung, sprich Dienstunfähigkeit mit Frühpensionierung beantragen. Eine win-win-Situation für Therapeut und den verbeamteten (Privat)Patient!

smithie653307034@arcor.de

29.01.2014, 17:23 Uhr

Ist auch kein Wunder, so wie wir auch mit anderen Menschen in gewissen Berufen umgehen. Ständig fordern wir ganztägige Erreichbarkeit, gönnen nichtmal Mittagspausen oder Urlaub anderen Menschen und erwarten schnellste Erledigung unserer Anliegen (sie man in den meisten Fällen selbst klären könne). Kein Wunder, dass man da irgendwann krank wird, wenn einem nichtmal mehr die Luft zum Atmen gelassen wird.

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