Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.07.2013

14:01 Uhr

Kein Dunkeldeutschland

Dank Netzausbau die Blackoutgefahr im Griff

Zwei Jahre nach dem Beschluss zum Atomausstieg gerät eines aus dem Blick: Trotz so mancher bangen Stunde gelingt es bisher, das Stromnetz stabil zu halten. Aber die Blackout-Gefahr bleibt bestehen.

Angst vor dem Strom-Blackout: Netztechniker kämpfen mit ganz neuen Belastungsproben. dpa

Angst vor dem Strom-Blackout: Netztechniker kämpfen mit ganz neuen Belastungsproben.

BerlinDie Liste mit dem roten Hinweis „Angespannte Netzsituation“ ist ziemlich lang. Allein 60 kritische Vorkommnisse führt der ost- und norddeutsche Übertragungsnetzbetreiber 50Hertz seit Neujahr auf. Er steuert die Stromversorgung von 18 Millionen Menschen. Ebenso wie bei Tennet, Amprion und TransnetBW sind es die Netztechniker, die mit ganz neuen Belastungsproben fertig werden müssen. Es ist ein bisschen wie mit einem Schiff, das durch recht unbekannte See fährt - bisher sind die meisten gefährlichen Klippen erkannt worden.

Wenige Tage nach dem Bundestagsvotum für einen Atomausstieg bis 2022 malte der damalige RWE-Chef Jürgen Großmann im Juli 2011 vor Aktionären ein dramatisches Szenario von Dunkeldeutschland. „Um einen bundesdeutschen Blackout zu vermeiden, kann es notwendig sein, einzelne Regionen in Süddeutschland, etwa in der Größe des Großraums Stuttgart, dunkel zu schalten“, sagte er. Zwei Jahre später ist das Abschalten ganzer Regionen ausgeblieben.

Die nackten Zahlen sehen keine dramatische Veränderung durch die je nach Wetter stark schwankende Wind- und Solarstromeinspeisung. Gemäß des international gängigen SAIDI-Index (System Average Interruption Duration) hatten Verbraucher 2011 insgesamt während 15,31 Minuten keinen Strom - dies lag laut Bundesnetzagentur klar unter dem Mittelwert von 17,44 Minuten für die Zeit von 2006 bis 2010. Für 2012 wird der Index laut einer Sprecherin erst im Herbst veröffentlicht.

Ein Beispiel zeigt aber, welche Herausforderungen es gibt, sobald Wetterprognosen daneben liegen oder Leitungen ausfallen. So kam es am 25. und 26. März dieses Jahres zu einer sehr angespannten Situation im Netz der Stromautobahnen. Über Stunden war der sichere Betrieb nicht mehr gewährleistet, betont die Netzagentur in ihrem neuen Bericht zur Lage von Oktober bis März. Das n1-Kriterium, wonach für den Ausfall einer Leitung eine Absicherung bereitstehen muss, konnte auf den 380-Kilovolt-Trassen von Remptendorf (Thüringen) nach Redwitz (Bayern) und Mecklar nach Dipperz (Hessen) nicht mehr erfüllt werden.

Kommentare (3)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

09.07.2013, 18:04 Uhr

Also, wir als private Stromverbraucher,

wir zahlen für Photovoltaik, weil die nicht wirtschaftlich ist

wir zahlen für Windenergie, weil die nicht wirtschaftlich ist

wir zahlen für Biogas, weil das nicht wirtschaftlich ist

wir zahlen für Gaskraftwerke, weil die nicht mehr wirtschaftlich sind, aber wegen der schwankenden Erzeugung der erneuerbaren Energien gebraucht werden,

wir zahlen aus demselben Grund für zusätzliche Stromnetze.

Dabei ist der Schutz der Umwelt nicht vorangekommen, weil Kohlekraftwerke verstärkt laufen.

ABER: wir haben unserer Angst vor dem Atom Rechnung getragen, die andere Länder nicht teilen. Vielleicht sollten wir unsere Angst überprüfen, ob sie wirklich rational ist!

Account gelöscht!

10.07.2013, 17:35 Uhr

Der Bericht suggeriert, dass mit dem Netzausbau von Norden nach Süden das Kernkraftwerk Grafenrheinfeld durch den Windstrom aus dem Norden ersetzt werden könne. Man müsste ja nur noch die Stromautobahnbrücke über den Thüringer Wald bauen. Aber was ist, wenn in Offshore und weiten Teilen Norddeutschlands Flaute herrscht? Woher kommt dann der Strom über die Rennsteig-Leitung?

Account gelöscht!

16.07.2013, 10:43 Uhr

Das Blackout-Gespenst … Schöner Artikel, der noch mal an die unbegründete Panikmache der konventionellen Energieproduzenten vor „Blackouts“ erinnert. Aber was der Artikel nicht berücksichtigt, sind die Alternativen zu den hier vorgeschlagenen Alternativen. Virtuelle Kraftwerke bieten ein vernünftiges Potential die Netzschwankungen, die durch die Erneuerbaren entstehen, selbst wiederum durch die Erneuerbaren auszugleichen. Das Frauenhofer-Institut probiert sich derzeit selbst an solchen virtuellen Kraftwerken, in denen einzelne Anlagen miteinander vernetzt sind. http://www.fraunhofer.de/de/presse/presseinformationen/2013/Maerz/das-virtuelle-kraftwerk.html
Das scheint aber keine Zukunftsmusik zu sein, denn Anbieter von virtuellen Kraftwerken scheint es schon zu geben: http://www.next-kraftwerke.de/virtuelles-kraftwerk-next-pool/solar

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×