Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

10.03.2014

18:07 Uhr

Kernkraft

Nur der Ausstieg ist sicher

VonChristian von Hirschhausen

Drei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima bleibt die Frage: Wie bekommen wir in kurzer Zeit sichere Zwischen- und Endlager für den Atommüll. Und: Wer bezahlt sie?

Deutscher Atomausstieg: Die Endlagerfrage ist bis heute ungelöst. Reuters, Sascha Rheker

Deutscher Atomausstieg: Die Endlagerfrage ist bis heute ungelöst.

Der Besuch von Bundesumweltministerin Barbara Hendricks im lecken Atomzwischenlager Asse ging weitgehend ohne mediales Echo über die Bühne. Wo aber sind die besorgten Analysten, die die angeblich überbordenden Kosten der Erneuerbaren beklagen und das Ende des Wirtschaftsstandorts/Industrielandes Deutschland an die Wand malen, wenn es um die eigentlichen Kosten und Fehlentwicklungen der Energiepolitik der letzten Jahrzehnte geht? Die Rede ist von der unrentablen Atomkraft und der ungelösten Endlagerung.

Fest steht: Der Atomausstieg kann in aller Ruhe fortgesetzt werden, wie es in der 13. Novelle des Atomgesetzes im Sommer 2011 beschlossen wurde: Spätestens im Dezember 2015 wird das Atomkraftwerk Grafenrheinfeld geschlossen, bis 2022 folgen dann die anderen. Die Schließung von Grafenrheinfeld mit ca. 1,3 Gigawatt (GW) Kapazität ist im deutschen Maßstab "Peanuts". Doch auch für die Zeit nach dem Atomausstieg Mitte der 2020er-Jahre ist keine Beeinträchtigung der Versorgungssicherheit zu befürchten.

Christian von Hirschhausen ist Forschungsdirektor am DIW Berlin und Professor für Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik an der TU Berlin. Pressefoto

Christian von Hirschhausen ist Forschungsdirektor am DIW Berlin und Professor für Wirtschafts- und Infrastrukturpolitik an der TU Berlin.

Selbst in extremen Wetterlagen sind die dem Bundesbedarfsplan zugrunde liegenden Kraftwerkskapazitäten ausreichend, um ganz Deutschland sicher mit Strom zu versorgen. Dafür bedarf es auch der zwei Stromautobahnen nicht, mit denen eine Direktanbindung Süddeutschlands mit den Braunkohleregionen im Rheinland und Mitteldeutschland bewerkstelligt werden soll. Diese Maßnahme würde eine Zementierung der Braunkohlenutzung in den nächsten 50 Jahren bedeuten. Die deutschen Klimaziele könnten dann nicht nur für 2020, sondern auch für 2050 abgeschrieben werden.

Angesichts von ca. 20 GW an Kraftwerksneubauten seit 2000 - dies übersteigt die Erzeugungsleistung aller abzuschaltenden AKWs - erscheint die Dramatik aus gesamtwirtschaftlicher Sicht überzogen. Das deutsche Stromsystem ist sicher und wird es auch nach dem Atomausstieg sein.

Der eigentliche Skandal aber liegt in der weit verbreiteten Vernachlässigung der Kosten der Atomkraft sowie der bis heute ungelösten Endlagerfrage. Der Steuerzahler hat die Atomkraft über viele Jahrzehnte subventioniert, um sie trotz hoher technischer Risiken, die bis heute keine Versicherung zu tragen bereit ist, am Leben zu halten. Dazu gehören Subventionen für Infrastrukturausbau und Forschung und Entwicklung sowie Haftungsübernahmen und Endlagerungskosten. Doch von Letzteren ist noch nicht einmal die Höhe bekannt.

Dabei ist die bizarre Situation der maroden Asse, in der über Jahrzehnte hinweg der drohende Einsturz verhindert und der Atommüll aufwendig geborgen wird, nur die Spitze des Eisbergs. Noch gefährlicher ist die ungelöste langfristige Lagerung der hochradioaktiven Brennelemente aus den Meilern. Die deutsche Energiepolitik der letzten Jahrzehnte war nicht in der Lage, diese Frage ernsthaft anzugehen, wie bis zum heutigen Tag kein anderes Land weltweit. Drei Jahre nach der Atomkatastrophe von Fukushima aber sollte uns die Frage umtreiben: Wie bekommen wir in kurzer Zeit sichere Zwischen- und Endlager für den Atommüll. Und: Wer bezahlt sie?

Kommentare (15)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

10.03.2014, 18:41 Uhr

Respekt, einer der besten Artikel seit langem!

Was fehlt, sind hier die Kommentare der ewiggestrigen AKW-Fans!

Auch die Klarstellung des Zwecks der Stromtrassen wurde gut herausgearbeitet. Hoffentlich lesen das die Kritiker der EE; mit denen haben die Trassen nämlich nichts zu tun!

Account gelöscht!

10.03.2014, 19:21 Uhr

Es handelt sich um einen sachlich gesehen peinlichen Ökowohlfühlartikel. Der Autor sucht wohl Fr. K. nachzueifern, die ohne jegliche BWL Kenntnisse, aufgrund ihrer politisch korrekten Einstellung zur Professorin ernannt wurde.
Bereits in den 50er Jahren hat man sich auch mit der Entsorgung nuklearer Abfälle beschäftigt. Ziel der Deutschen Entwicklungen war es nukleare Abfälle zu vermeiden. Die Wiederaufbereitung/Nutzung radioaktiver Abfälle hatte Priorität. So entwickelte man die Wiederaufbereitung bis zur technischen Reife.
In den 60er Jahren untersuchte man zahlreiche Optionen zur Endlagerung chemotoxischer und radioatoxischer Abfälle und kam zu dem Entschluss, dass die Deutschen Salzstöcke weltweit eine der optimalsten Endlager für diese Abfälle darstellen. Man testete die Endlagerung Leicht- und Mittelradioaktiver Abfälle sehr erfolgreich in Asse. In der DDR wurde Morsleben erschlossen. Gorleben versprach weltweit vielleicht die sicherste Unterbringung hochradioaktiver Abfälle.
Ca. 200000to chemotoxischer Abfälle inkl. PCB haltiger Transformatoren umweltschädlicher Windmühlen, Arsen- und Cadmiumhaltiger Solarschrott werden seit Jahren ohne mediales Aufsehen in der UTD Herfa- Neurode.
In den 90er Jahren wurde in D die „Ungelöste Endlagerfrage“ erfunden. Diese hat sich zur erfolgreichsten Ökolegende in D entwickelt. Morsleben wurde gechlossen, Asse wird ohne sachliche Gründe skandalisiert, Gorleben wurde gegen ein ergebnisfreies „Suchgesetz“ eingetauscht. Selbst die Zwischenlagerung soll jetzt um Kosten und Risiken zu maximieren in mehrere Zwischenlager verteilt. Die jahrzehntelange oberflächennahe Zwischenlagerung maximiert Kosten und Risiken.

Account gelöscht!

10.03.2014, 19:25 Uhr

Nun Fredi...ich finde in dem Artikel nichts Neues. Meines Erachtens ist es eine Aufzählung der üblichen ökologischen Glaubenssätze.

Reicht Ihnen das zum ökologischen Wohlbefinden?

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×