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17.02.2014

16:38 Uhr

Kinderlähmung

Polio-Gefahr aus Pakistan

Kinderlähmung gilt als nahezu ausgerottet. Doch in Pakistan verbreitet sich die Krankheit wieder – weil Terroristen Propaganda gegen Impfteams betreiben und sie mit Selbstmordanschlägen sogar töten.

Ein afghanischer Helfer verabreicht einem Kind den Polio-Impfstoff. Im Nachbarland in Pakistan verbreitet sich Kinderlähmung wieder vermehrt. dpa

Ein afghanischer Helfer verabreicht einem Kind den Polio-Impfstoff. Im Nachbarland in Pakistan verbreitet sich Kinderlähmung wieder vermehrt.

PeshawarVor wenigen Wochen noch zog sich die elf Monate alte Shaista selbst nach oben und machte giggelnd die ersten wackeligen Schritte an der Hand ihrer Mutter. Dann traf sie das Polio-Virus. Jetzt knicken die Beine unter dem kleinen Körper weg. Ihre Mutter weint viel. Sie sorgt sich, was aus ihrer Tochter werden soll. „Das ist sehr schwierig für eine arme Familie. Sie wird ihr ganzes Leben von uns abhängig bleiben“, sagt sie.

Shaista ist einer von fünf Polio-Fällen, die im Januar in Pakistan aufgetreten sind. Im vergangenen Jahr verzeichnete das Land 92 Fälle, mit weitem Abstand mehr als in Nigeria und Afghanistan, den beiden anderen Ländern, in denen die Krankheit laut Weltgesundheitsorganisation WHO noch endemisch ist, also dauerhaft gehäuft auftritt.

Und von Pakistan breitet sich das Virus mittlerweile auch auf Länder aus, die zuletzt frei von Polio waren, und gefährdet die Gesundheit von Menschen und den Erfolg der milliardenschweren weltweiten Impfkampagnen. Die Gegend um Peshawar sei „das größte Reservoir des Polio-Virus der Welt“, heißt es von der WHO.

Shaista und ihre Eltern wohnen in der Nordwestprovinz in einem Lehmhaus mit zwei Räumen, das sie sich mit zehn anderen Verwandten, einigen Ziegen und einem halben Dutzend Hühner teilen. In der Gegend kommt es immer wieder zu Angriffen auf Mitglieder von Impfteams. Selbstmordattentäter sprengen Polizeifahrzeuge in die Luft, die zum Schutz der Gesundheitsmitarbeiter abgestellt sind. Während einer zweitägigen Immunisierungskampagne in diesem Monat stellte die Regierung 5000 Polizisten ab, um die Teams zu schützen.

Neue Polio-Fälle mit dem Virenstrang aus Pakistan wurden unter anderem in Syrien und Ägypten sowie im Gazastreifen festgestellt, alles zuvor poliofreie Regionen, wie Ban Khalid al-Dhayi sagt, die Sprecherin des Kinderhilfswerks der Vereinten Nationen (Unicef) für Pakistan. In Afghanistan wurden demnach zwölf der 13 Kinderlähmungsfälle von dem pakistanischen Virenstrang ausgelöst.

In Indien blickt man mit großer Sorge auf das Nachbarland. Seit drei Jahren ist das Land mit seinen 1,2 Milliarden Einwohnern poliofrei, das soll auch so bleiben. Deswegen müssen pakistanische Besucher bei der Einreise einen Impfnachweis vorzeigen.

Kommentare (1)

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17.02.2014, 19:50 Uhr

Da braucht man nicht auf die Angst von Indien hinweisen. Auch zu uns kommen Pakistani, Afghanen, Nigerianer, etc. und importieren das Poliovirus. Dasselbe gilt für Syrien! Man kann abwarten bis die ersten Fälle bei Deutschen auftreten. Aber wir sind ja ein Einwanderland. Freut euch auf schon lange unbekannte Krankheiten.

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