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04.07.2014

16:02 Uhr

Kindliche Entwicklung

Früh investieren

Die frühen Erfahrungen zeichnen den Weg für die Entwicklung von Kindern vor, vieles ist später kaum oder gar nicht aufholbar. Wissenschaftler fordern daher mehr in die frühkindliche Betreuungsangebote zu investieren.

BerlinFührende Wissenschaftsakademien haben dazu aufgerufen, die frühkindliche Bildung in Deutschland zu verbessern. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina, die Deutsche Akademie der Technikwissenschaften und die Union der deutschen Akademien der Wissenschaften forderten am Donnerstag in Berlin langfristige Investitionen in frühkindliche Bildungs- und Betreuungsangebote. Die Akademien begründeten dies in ihrer Stellungnahme „Frühkindliche Sozialisation“ damit, dass Erfahrungen im frühen Kindesalter den weiteren Entwicklungsweg eines Menschen nachhaltig beeinflussen.

„In der frühen Kindheit gibt es Zeitfenster, in denen zwingend bestimmte Lern- und Umwelterfahrungen gemacht werden müssen“, erklärte der Neuropsychologe Frank Rösler als Sprecher der Arbeitsgruppe „Frühkindliche Sozialisation“. Fehlten diese Erfahrungen, bleibe die Entwicklung unvollständig. „Manche Verhaltensweisen können dann später gar nicht mehr oder nur noch eingeschränkt erworben werden“, warnte Rösler.

Die Wissenschaftler hoben unter anderem die Bedeutung des frühen Kindesalters für das Lernen einer Sprache hervor. „Sofern Kinder in Familien aufwachsen, in denen Deutsch nicht als Muttersprache gesprochen wird, sollte Deutsch über Muttersprachler so früh wie möglich, also spätestens im Kindergarten, verfügbar gemacht werden“, heißt es in der Stellungnahme. Auch das Erlernen von Zweitsprachen sollte so früh wie möglich beginnen.

Die Akademien verwiesen aber auch auf die Bedeutung der frühen Kindheit für „den Erwerb sozialer Kompetenz oder geistiger Voraussetzungen für den späteren schulischen Wissenserwerb“. Sie plädierten dafür, insbesondere die Förderung von Kindern aus einem „weniger förderlichen Familienumfeld" zu verbessern. Es gelte, „rechtzeitig einen Förderbedarf zu erkennen, damit Betreuungsangebote nicht erst nach Abschluss wichtiger Entwicklungsphasen gemacht werden - und damit nicht mehr oder weniger gut greifen“.

Die Wissenschaftler mahnten zugleich, die enge Wechselwirkung zwischen Erbanlagen und Umwelt bei der Entwicklung eines Kindes zu beachten. Das Intelligenzniveau eines Menschen sei nicht von Geburt an „unveränderlich festgeschrieben“, vielmehr hätten „negative und positive Umwelteinflüsse einen bedeutsamen Einfluss auf die Entfaltung der genetischen Veranlagung eines Menschen“. Gleichzeitig setzten diese Veranlagungen aber auch Grenzen.

An der Stellungnahme „Frühkindliche Sozialisation“ waren Forscher aus den Fächern Psychologie und Neurobiologie, Linguistik, Pädagogik, Soziologie und Ökonomie beteiligt.

Von

afp

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