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29.07.2013

06:00 Uhr

Klaus Töpfer

„Mister Nachhaltigkeit“ feiert Geburtstag

Ruhe strahlt Klaus Töpfer nicht aus, auch nicht mit 75. Aber seine Rastlosigkeit hat ein Ziel: Die Menschen sollen bei allem, was sie heute tun, die Konsequenzen für ihre Enkel bedenken.

Klaus Töpfer: Die Gesellschaft muss Nachhaltigkeit als Ziel akzeptieren. dpa

Klaus Töpfer: Die Gesellschaft muss Nachhaltigkeit als Ziel akzeptieren.

DüsseldorfEin verregneter Sommerabend in Düsseldorf. Leicht verspätet und ein wenig gehetzt betritt Klaus Töpfer den Vortragssaal der NRW-Akademie der Wissenschaften. Das hochkarätige Publikum will von ihm hören, ob Nachhaltigkeit eine politische Chance hat. Aber erst einmal sagt Töpfer etwas zum Thema Nachhaltigkeit in seinem persönlichen Leben: „Ich habe mir unterwegs gesagt: Du wirst in diesem Jahr 75. So viel Nervenanspannung wie eine Reise von Berlin nach Düsseldorf in diesen Zeiten mutest du dir nicht mehr zu.“

Glauben wird es ihm kaum jemand. Seine Tage sind durchgetaktet, das dürfte sich auch nach seinem Geburtstag am 29. Juli nicht ändern. Den Vortrag in Düsseldorf beginnt er leicht außer Atem, aber nach zwei, drei Sätzen ist das vorbei. Da kommt er zu seinem zentralen Thema, das er so rastlos unter die Leute bringt: „Wir sind in dem Maße nachhaltig, wie wir auch die mittel- und langfristigen Konsequenzen unseres heutigen Handelns mit betrachten.“

Früher wurde Töpfer bei solchen Anlässen gerne als „Mister Umwelt“ vorgestellt, heute als „Mister Nachhaltigkeit“. Dieser Wandel der Bezeichnungen sagt viel über die Entwicklung, die Töpfer genommen hat. Von 1987 bis 1994 war er Bundesumweltminister, von 1998 bis 2006 leitete er das Umweltprogramm der Vereinten Nationen UNEP. Als UNEP-Direktor lebte er in der kenianischen Hauptstadt Nairobi, und das Leben der Menschen dort hat ihn tief beeindruckt.

Spätestens seit dieser Zeit redet er über Umweltschutz nicht mehr, ohne zugleich auf den Kampf gegen die Armut einzugehen. Armut ist Gift für die Umwelt, und Umweltschutz sichert die Lebensqualität kommender Generationen - das ist sein Credo: „Im Jahr 2050 wird meine jüngste Enkelin 38 Jahre alt sein. Dann wird sie sich mit neun Milliarden Menschen darüber zu unterhalten haben, wie man ein friedliches Leben ohne große Wohlstandsunterschiede haben kann.“

Kommentare (4)

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vandale

29.07.2013, 10:35 Uhr

Herr Töpfer hat als Umweltminister viel Schaden zu Lasten der Gesellschaft angerichtet.

Er hat den Grünen Punkt mit dem Oekokult der Mülltrennung initiert. Mehrere Mrd. € werden über die Produktpreise dem Verbraucher genommen. Dazu müssen sich die Verbraucher in Deutschland mit diversen Mülltonnen versehen.

Er hat teure Nachrüstungen für Kernkraftwerke, die Stromgewinnung mit den niedrigsten Risiken initiiert.

Vandale

Account gelöscht!

29.07.2013, 11:53 Uhr

Zum Geburtstag gratuliere ich Klaus Töpfer auch, aus Respekt und weil es die guten Umgangsformen gebieten. Dennoch müssen wir sogleich auf sein Lieblingsthema „Nachhaltigkeit“ kommen, weil Töpfer hier auf einen Zug aufgesprungen ist, der mit Sicherheit nicht in die von Töpfer angestrebte Richtung geht: Die Bekämpfung der Armut. Besonders deutlich wird dies in einem Gespräch mit Ranga Yogeshwar als er von seinen zweimaligen Treffen mit dem König von Bhutan berichtet und dessen angestrebten Glücksindex, oder Bruttoglücksprodukts, oder wie auch immer man das nennen will.

Indikatoren wie dieser sind aber gänzlich ungeeignet, etwas darüber auszusagen welche wirtschaftliche Entscheidungen sinnvoll sind oder nicht. Hier wird deutlich, dass eine angestrebte Nachhaltigkeit nur über fragwürdige Begründungen mit der Bekämpfung der Armut in Verbindung gebracht werden kann. Ein Widerspruch den Töpfer geflissentlich ausblendet. Letztlich ist es deshalb nur konsequent wenn eine Transformation der Gesellschaft im Sinne WBGU gefordert wird, dieses aber wiederum nur schwerlich mit einer freiheitlichen Gesellschaft machbar ist. Siehe dazu auch meinen Bericht von der Enquete „Wachstum“

http://glitzerwasser.blogspot.com/2013/03/enquete-nachhaltigkeit-und-willkur.html

O.K.

29.07.2013, 19:22 Uhr

Vandale, Herr Töpfer hat den "grünen" Punkt nicht initiiert.
Er hat bewusst - so sagte er damals - eine Folterkammer ins Gesetz geschrieben.
Dass die Grünen so dämlich sind, diese auszupacken, ist nicht ihm anzulasten.
Dass der "grüne" Punkt "funktioniert" liegt - und da haben Sie Recht - daran, dass er "Erwerbsmodell" bestimmter Kreise ist, deshalb wird er nicht abgeschafft, genauso wie der ÖR-Rundfunk.
Das ist das Problem mit dem Umkraut im Garten unserer Demokratie, man wird es nicht los, wenn es einmal gesät wurde.

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