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01.12.2014

10:07 Uhr

Klimagipfel

Alleingang zwecklos

VonSilke Kersting

Die Reduzierung der Kohleverstromung in Deutschland hätte wenig Sinn. Denn Deutschland würde, so fürchten Wissenschaftler, dann mehr Kohlestrom importieren und so die Emissionen in Europa erhöhen.

Kohle-Ausstieg: Deutschland ist zu nationalem Alleingang bereit. dpa

Kohle-Ausstieg: Deutschland ist zu nationalem Alleingang bereit.

BerlinDer Zeitpunkt ist gut gewählt: Wenn am Mittwoch das Bundeskabinett das Aktionsprogramm Klimaschutz 2020 beschließt, sitzt die internationale Klimadiplomatie in der peruanischen Hauptstadt Lima zusammen, um über weitere Möglichkeiten zur Minderung von Treibhausgasemissionen zu beraten. Und Umweltministerin Barbara Hendricks kann nach ihrer Ankunft auf dem Weltklimagipfel Deutschlands Vorreiterrolle beim Klimaschutz rühmen.

Zusammen mit Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel trägt die SPD-Ministerin den größten Teil der Verantwortung dafür, dass Deutschland seine selbst gesteckten Klimaschutzziele erreicht. Die sind im internationalen Vergleich ambitioniert. Allerdings reichen die bisherigen Maßnahmen nicht aus, um die CO2-Emissionen bis 2020 wie geplant um 40 Prozent unter das Niveau von 1990 zu drücken.

Auch vor nationalen Alleingängen schreckt die Regierung möglicherweise nicht zurück - die der europäischen und damit auch globalen Klimabilanz nicht viel nutzen: So ist eine Idee, das Volumen der CO2-Emissionen in der Stromproduktion zu reduzieren, und zwar in der Kohleverstromung. So könnten die Betreiber fossiler Kraftwerke per Gesetz dazu verpflichtet werden, innerhalb von fünf Jahren mindestens 22 Millionen Tonnen Kohlendioxid einzusparen.

„Es bedarf einer europäischen Lösung"

Schlechte Idee, meint Ottmar Edenhofer, Chefökonom des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Man wolle in Deutschland zeigen, dass ein Verzicht auf Kernenergie nicht zu steigenden Emissionen führen müsse. Das sei grundsätzlich gut, nur: "Das Problem ist, dass ein deutscher Kohleausstieg die Emissionen zwar in Deutschland, aber nicht in Europa senken würde." Letztendlich würde Deutschland dann mehr Kohlestrom importieren. "Es genügt eben nicht, die Energiewende nur national zu denken. Es bedarf einer europäischen Lösung."

Rückendeckung für eine Drosselung der Kohleverstromung kommt von Ex-Bundesumweltminister Klaus Töpfer, heute Exekutivdirektor des Potsdamer Nachhaltigkeitsinstituts IASS. "Das deutsche Klimaziel, 40 Prozent der Treibhausgase bis 2020 im Vergleich zu 1990 zu reduzieren, ist extrem wichtig - und mitentscheidend dafür wird sein, ob Gabriel es schafft, mit den Energieunternehmen einen Konsens herbeizuführen", sagt er. "Wir müssen die Emissionen aus dem Energiesektor weiter verlässlich reduzieren."

Wissenschaftler fordern Reform des Emissionshandels

Es gehe dabei nicht zwingend um eine Abschaltung von Kraftwerken, aber um die Rückführung der klimaschädlichen Treibhausgase. "Wie die Unternehmen das hinkriegen, ist ihre Sache. Aber wenn die ältesten und umweltbelastendsten Kraftwerke abgeschaltet würden, wäre das die sinnvollste Lösung."

Die Reform des europäischen Emissionshandels hat dagegen für Edenhofer erste Priorität. "Die großen Überschussmengen an Zertifikaten auf dem Markt sorgen dafür, dass die Preise im Keller sind - und es gibt kein Signal, dass diese Überschussmengen beseitigt würden." Solle der europäische Emissionshandel Wirkung haben, müsse ein steigender Mindestpreis eingeführt werden. Die Investoren hätten dann wieder einen Anreiz, in emissionsarme Techniken zu investieren. Sobald der Minimumpreis unterschritten würde, müsste die EU-Kommission intervenieren und Zertifikate vom Markt nehmen.

"Ein starkes Preissignal auf dem Emissionsmarkt würde dazu führen, dass die Betreiber von Kohlekraftwerken entscheiden müssten, ob sich ihre Kraftwerke noch lohnen oder ob sie über kurz oder lang aussteigen müssten", so Edenhofer. "Europa sollte sich zu einer Reform durchringen und der Welt zeigen, wie so ein Emissionshandel einigermaßen sinnvoll funktionieren kann."

Kommentare (4)

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Herr walter danielis

01.12.2014, 11:47 Uhr

Kein Land der Welt wird uns diese Tollheit nachmachen. Der Einfluß unsere Aktivitäten auf das Weltklima ist nahe null.

Account gelöscht!

01.12.2014, 14:47 Uhr

Nachdem Gerlich/Tscheuschner im Jahre 2009 die These von einer durch "Treibhausgase" induzierten Erderwärmung im Rahmen der theoretischen Physik wissenschaftlich widerlegt hatten, haben im Jahre 2011 Kramm und Dlugi diese These im Rahmen einer akribischen atmosphärenphysikalischen Studie verworfen.

Kramm/Dlugi findet man hier:

http://dx.doi.org/10.4236/ns.2011.312124

Ich zitiere mal den letzten Absatz:

"Based on our findings, we conclude that 1) the so-
called atmospheric greenhouse effect cannot be proved
by the statistical description of fortuitous weather events
that took place in past climate periods, 2) the description
by AMS and WMO has to be discarded because of
physical reasons, 3) energy-flux budgets for the Earth-
atmosphere system do not provide tangible evidence that
the atmospheric greenhouse effect does exist. Because of
this lack of tangible evidence it is time to acknowledge
that the atmospheric greenhouse effect and especially its
climatic impact are based on meritless conjectures."

Man kann sich die Studie kostenlos herunterladen. Sie ist nicht etwa einfach nur plausibel und überzeugend, sondern schlicht und einfach richtig.

Herr Erich Schmitz

02.12.2014, 11:28 Uhr

Den Kommentaren von Danielis und Vogels entnehme ich, dass vieles was Politik und z.T. Wissenschaft an Panikmache in Sachen Klimaveränderung, verursacht durch CO2 und insbesondere Kohlekraftwerke, verbreitet, auf seine Stichhaltigkeit überprüft werden muss. Genauso schlimm ist aber, wenn ein Chefökonom fordert, den CO2 Preis und die Menge regulatorisch festzulegen bzw. zu intervenieren, wenn das von ihm gewünschte Ergebnis oder Preis nicht eintritt. Das hat weder etwas mit Markt noch mit Wirtschaft zu tun, sondern ist blanke Staatsbevormundung der Wirtschaft.

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