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21.10.2014

14:56 Uhr

Klimagipfel

Kampf um Energieeffizienz

VonThomas Ludwig

Der EU-Gipfel am Donnerstag soll europäische Klimaziele fortschreiben. Doch einige Mitgliedstaaten bremsen. Vor allem Großbritannien stellt sich quer. Namhafte Unternehmen fordern mehr Ehrgeiz.

RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem: Der CO2-Ausstoß der EU soll um 40 Prozent sinken. Reuters

RWE-Braunkohlekraftwerk Niederaußem: Der CO2-Ausstoß der EU soll um 40 Prozent sinken.

BrüsselDie EU-Staaten tun sich schwer, die Abhängigkeit von russischen Gasimporten zu reduzieren. Bei ihrem Gipfeltreffen am Donnerstag werden die Staats- und Regierungschefs ambitionierten und verpflichtenden Vorgaben zur Einsparung von Energie wohl einen Riegel vorschieben. "Auf EU-Ebene wird ein indikatives Ziel von 30 Prozent zur Verbesserung der Energieeffizienz bis 2030 festgelegt", heißt es in der Schlusserklärung, deren Entwurf dem Handelsblatt vorliegt. Diplomaten schließen nicht aus, dass die Zahl noch niedriger ausfällt: Großbritannien lehnt ein Effizienzziel rundheraus ab, und auch Polen und andere Staaten Osteuropas bremsen.

Angesichts der Ukraine-Krise betont die EU seit Monaten, sich in punkto Versorgung unabhängiger vom Ausland machen zu wollen. Energieeinsparung gilt dabei als probates Mittel. Die Kommission hat vorgerechnet, mit einem Effizienzziel von 40 Prozent könne die EU ihre Gasimporte um rund 40 Prozent und ihre Ölimporte um 19 Prozent gegenüber 2010 senken; mit dem Ziel von 30 Prozent seien es lediglich 22 und 16 Prozent.

Zahlreiche Unternehmen werben nun in einem Brief an EU-Ratspräsident Herman van Rompuy für eine Einigung auf ein verbindliches Energieeffizienzziel von 40 Prozent; mit dabei sind General Electric, Knauf Insulation, Philips, Rockwool sowie Schneider Electric, Siemens und Velux. Mit jedem Prozentpunkt Effizienzsteigerung könne die Abhängigkeit der EU von Gasimporten um 2,6 Prozent sinken, heißt es in dem Brief.

Der Druck auf die 28 Staaten, Ende der Woche zu einer Einigung für die Zeit nach 2020 zu kommen, ist groß. Nur so kann die EU beim Weltklimagipfel 2015 in Paris glaubwürdig für international verbindliche Klimaschutzziele eintreten.

Laut Gipfelerklärung will die EU den Ausstoß des klimaschädlichen Treibhausgases CO2 gegenüber dem Vergleichsjahr 1990 um 40 Prozent bis 2030 senken. Zudem will die EU vorschreiben, den Anteil erneuerbarer Energien am Gesamtverbrauch im selben Zeitraum auf 27 Prozent zu erhöhen. Die energieintensive Industrie sieht die europaweiten Vorgaben skeptisch. Umweltverbände mahnen indes mehr Ehrgeiz an. Das Ziel, den globalen Temperaturanstieg auf zwei Grad Celsius zu beschränken, sei mit den zu erwartenden Klimabeschlüssen nicht zu erreichen.

Mit den Zielen für 2030 schreibt die EU ihre 2008 gefassten Ziele für 2020 fort. Der Beschluss damals: 20 Prozent weniger Treibhausgasemissionen (Basisjahr 1990), 20 Prozent Energieversorgung aus erneuerbaren Quellen sowie eine 20-prozentige Steigerung der Energieeffizienz bis 2020. Auf dem Weg dorthin sind die EU-Staaten gut vorangekommen.

Bis 2013 sind die Treibhausgasemissionen um gut 20 Prozent zurückgegangen. Der Anteil der erneuerbaren Energien erreichte bis 2012 den Wert von 14,1 Prozent. Ungünstiger sieht es bei der Steigerung der Energieeffizienz aus. Hier bleiben die meisten Mitgliedstaaten hinter den Zielen zurück, Brüssel geht aber davon aus, dass bis 2020 eine Effizienzsteigerung von 18 bis 19 Prozent möglich sein wird. Eine besondere Rolle zur Erreichung der Klimaziele soll auch künftig der Handel mit Zertifikaten zum Ausstoß des Treibhausgases CO2 spielen. Ein Überangebot hatte die Preise drastisch sinken lassen. Von 2021 an will die EU die Verschmutzungsrechte jährlich um 2,2 Prozent verknappen. Bislang sind es 1,74 Prozent. Weniger wohlhabende Staaten sollen vom Emissionshandel gesondert profitieren, um sie zu ermuntern, stärker in nachhaltige Technologien und in die Modernisierung von Kohlekraft zu investieren. Diplomaten sprechen von einer "neuen Art der Solidarität", die akzeptiere, dass Kohlekraft auf absehbare Zeit noch eine große Rolle in Europa spielen werde. Viele osteuropäische Staaten setzen auf Kohlekraft.

Kommentare (1)

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Herr Holger Narrog

21.10.2014, 18:46 Uhr

in dem Artikel hat man die "Klimaziele" und Energieunabhängigkeit wild durcheinandergequirlt.

Grundsätzlich handelt es sich beim "CO2 Klimawandel" um eine wissenschaftlich sehr dürftige ökoreligiöse Weltuntergangssaga die mit Ausnahmen nur mehr in Westeuropa sehr populär ist. Die Trennlinie verläuft an der aktuellen Grenze zu Polen. In Osteuropa ist man diverse Propagandaschwindeleien gewöhnt und kämpft um die eigenen Ziele, Unabhängigkeit von Russland und wirtschaftlichen Wohlstand.

In Westeuropa sind einige Staaten dabei aus der modernen, zukunftsträchtigen Kernenergie auszusteigen. Dadurch werden die CO2 Emissionen und die Abhängigkeit von russischen Energieimporten erhöht. Der Konflikt der Ökosagas Dämonischer Atomstrahlen vs. einer CO2 Klimahölle wird im Artikel unterschlagen.

Mit umweltschädlichen Windmühlen und Solaranlagen wird lediglich ein wetterabhängiger und damit wertloser Zufallsstrom erzeugt. Gaskraftwerke bieten sich an um die Stromnetze stabil zu halten. Insofern stehen diese sogenannten "Erneuerbaren Energien" im Konflikt mit dem Ziel der Unabhängigkeit von Russland. Die CO2 Emissionen werden gleichfalls nicht, oder nur unwesentlich reduziert.

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