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25.09.2014

09:45 Uhr

Klimaschutz

Die Mär vom grünen Jobwunder

VonSilke Kersting

Der Umweltschutz wird Teil des normalen Geschäfts, hat aber nur für einen mäßigen Zuwachs von Arbeitsplätzen gesorgt. Das zeigt eine Studie.

"Grüne" Produkte liegen im Trend: In der Autobranche werden sie zunehmend zum Teil des normalen Geschäfts. dpa

"Grüne" Produkte liegen im Trend: In der Autobranche werden sie zunehmend zum Teil des normalen Geschäfts.

Der lange als Jobkiller gebrandmarkte Umweltschutz hat sich zu einem wichtigen Faktor für den deutschen Arbeitsmarkt entwickelt. Klimawandel und Umweltauflagen treiben den Sektor seit Jahren. Allerdings: Die Erwartung, der Umweltschutz könne zu einem starken Jobmotor werden, hat sich bislang nicht erfüllt.

Das zeigt eine Studie des Umweltbundesamtes (UBA), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Dieser Studie zufolge ist die Zahl der im Umweltschutz beschäftigten Personen in den vergangenen Jahren zwar kontinuierlich gestiegen. Die letzte verfügbare Zahl wird mit knapp zwei Millionen für 2010 angegeben. "Wir sprechen hier also über fast fünf Prozent aller Erwerbstätigen", so UBA-Vizepräsident Thomas Holzmann. Das Plus lag jedoch lediglich bei 18.000 Arbeitsplätzen in zwei Jahren. Beschäftigungsrückgänge gab es bei umweltorientierten Dienstleistungen sowie erneuerbaren Energien.

Wirtschaftsforscher bestreiten nicht den positiven Effekt, den der Umweltschutz auf die Beschäftigung hat. "Allerdings werden durch verschärfte Umweltgesetze, steigende Umweltabgaben und Förderung erneuerbarer Energien auch Arbeitsplätze in anderen Bereichen verdrängt", sagt Johann Wackerbauer vom Münchener Ifo-Institut.

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"Die Schwierigkeit besteht darin, eine Branche abzugrenzen, die es eigentlich gar nicht gibt", argumentiert Hubertus Bardt vom IW Köln. "Unternehmen beschäftigen sich aber zunehmend mit Fragen der Umwelt - allerdings häufig nicht nur wegen der Umwelt per se, sondern auch, um Wettbewerbsvorteile zu erlangen."

Die Folge: Umweltbeeinflussende Fragen werden für immer mehr Arbeitsplätze über viele Branchen hinweg relevant - würden aber, so die Wirtschaftsforscher, quasi Teil des normalen Geschäfts. Wackerbauer nennt ein Beispiel aus der Kfz-Branche: "Entwickelt und verkauft werden sollen energieeffiziente Autos, damit die CO2-Grenzwerte eingehalten werden und die Kunden am Ende weniger Geld für Benzin ausgeben müssen.

Unabhängig von der Branche: Die Zukunftsaussichten sind eher positiv. "Weil die Umweltgesetze kontinuierlich verschärft werden und für immer mehr Menschen die Umwelt wichtiger wird, ist der Arbeitsplatzeffekt langfristig positiv", sagt Wackerbauer. Auch international sei noch Luft: Weltweit, so UBA-Vize Holzmann, steige der Bedarf an Umwelt- und Klimaschutztechnik sowie an Produkten, die umweltfreundlich und ressourcenschonend seien. "Der internationale Konkurrenzdruck wächst aber."

Kommentare (4)

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Herr Riesener Jr.

25.09.2014, 12:44 Uhr

Selbstverständlich vernichten Umweltauflagen in der Summe Arbeitsplätze, ganz einfach weil sie die Kosten erhöhen und damit Arbeitsplätze dorthin abwandern, wo die Umweltauflagen weniger kosten. (Es sei denn wir exportieren mit viel Gewinn mehr Umweltprodukte als wir importieren.)

Genauso selbstverständlich machen viele Umweltauflagen Sinn. Wer beispielsweise CO2 in die Luft bläst, sollte dafür bezahlen, und zwar soviel wie nötig ist, den Schaden wieder zu beseitigen. Außerdem muss ein Anreiz geschaffen werden, weniger Schaden anzurichten. Verbote sind meistens kontraproduktiv und sollten nur bei nicht mehr gutzumachenden Schäden angewendet werden. (Über ein langfristig angelegtes Rauchverbot sollte man z.B. unbedingt nachdenken.)

Es ist wichtig eine vernünftige Balance zwischen umweltschädigendem Verhalten und arbeitsplatzschädigenden Umweltauflagen zu halten.


Herr Friedhelm Franz

25.09.2014, 17:00 Uhr

Eine ungewollte Ausnahme: die Schimmelberater, weil durch den grünen Dämpfungsfimmel die Wohnungen luftdicht sein müssen (DIN 4108). Und früher lernten die Bauhandwerker in der Berufsschule, dass eine 4-köpfige Familie am Tag ca. 1,5 l Wasser ausatmet, die nun, dem grünen Fortschritt sei Dank, nicht mehr entweichen können. Deshalb zeigt Google mehrere Millionen Nennungen zum Thema Schimmelberatung, ein toller arbeitsmarktlicher Effekt. Ebenso dürfte die Zahl der Kammerjäger in die Höhe geschnellt sein, seit mit der braunen Tonne äußerst effektive Maden- und Rattenzuchtprogramme gestartet wurden.

Herr Rainer Feiden

25.09.2014, 18:01 Uhr

Meiner Meinung nach steht uns das grösste "grüne" Jobwunder erst noch in der Zukunft bevor. Nämlich an dem Punkt, an dem man erkennt, das Windkraftanlagen tendenziell nutzlos sind.

Derzeit stehen über 24.000 Windräder in Deutschland, 60.000 sollen es mal werden. Stellen Sie sich mal vor, wie lange man dann später damit beschäftigt ist, diese "nutzlosen Sakralbauten zur Befriedigung grüner Glaubensbekenntnisse" wieder abzubauen, zu verschrotten, die Fundamente und Leitungen zu entfernen, die Löcher wieder zu füllen, die Standorte zu renaturieren. Da bleibt dann allerhand zu tun. Ob man sich allerdings über diese Art der "Beschäftigung" freuen sollte, erscheint allerdings eher fraglich. Und ob dieser Arbeit ein volkswirtschaftlicher Nutzen gegenübersteht, auch.

PS: das mit den Sakralbauten habe ich von dem HW Sinn abgekupfert, sorry (aber wo er Recht hat....)

Quelle:

http://www.vernunftkraft.de/professor-hans-werner-sinn-windmuhlen-sind-nutzlose-sakralbauten/

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