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17.12.2014

16:29 Uhr

Klimawandel

Kampf den Klimakillern

VonIngo Narat

Großinvestoren starten eine gemeinsame Initiative gegen den Klimawandel: Sie sortieren die Anteile an Firmen aus, die zu viel Treibhausgase produzieren. 100 Milliarden Dollar fließen in die Strategie, nach der vor allem Pensionsfonds ihre Depots umbauen.

Schäden durch einen Taifun auf den Philippinen: Wetterextreme als Vorboten des Klimawandels? dpa

Schäden durch einen Taifun auf den Philippinen: Wetterextreme als Vorboten des Klimawandels?

FrankfurtAl Gore hatte seinen großen Auftritt. Auf der am Sonntag beendeten Klimakonferenz in Lima redete der Umweltaktivist und frühere US-Vizepräsident den Delegierten aus 195 Ländern ins Gewissen: „Die Natur spricht ein Machtwort: Wegen der klimabedingten Wetterextreme haben gerade erst die Philippinen gelitten.“ Er sieht eine Parallele zwischen der US-Finanzkrise, vor sieben Jahren ausgelöst durch toxische Hypothekendarlehen, und dem ebenso schädlichen Kohlendioxid.

Auch professionelle Kapitalanleger melden sich jetzt häufiger zu Wort. Sie gehen noch weiter als Al Gore, sehen sich direkt im eigenen Geschäft betroffen. Eine Vorreiterrolle hat Mats Andersson übernommen, der Chef des rund 32 Milliarden Euro großen schwedischen Pensionsfonds AP4 (siehe Interview). „Wir sind am Wendepunkt“, sagte er in Lima. „Immer mehr Investoren erkennen, dass ein Klimarisiko für die Gesellschaft auch ein Risiko für ihre Geldanlagen ist.“ Andersson stellt klar: „Es gibt eine Lösung: das Depot umbauen.“ In zwei Jahren will der Schwede sein gesamtes Aktienkapital in eine „klimasensible Strategie“ überführt, das heißt in den einzelnen Branchen die jeweils größten Klimakiller eliminiert haben.

Hinter dem neuen Trend steht ein komplexer Zusammenhang: Nach Meinung vieler Wissenschaftler erhöht der Mensch durch die Industrie und die Verbrennung fossiler Energieträger wie Öl und Kohle den Anteil von Kohlendioxid in der Luft. Dieses Gas mit der chemischen Formel CO2 behindert die Ableitung von Wärme in den Weltraum und heizt die Erdoberfläche auf, produziert einen Treibhauseffekt. Nach Ansicht von Experten verträgt der Globus im Vergleich zum vorindustriellen Zeitalter nur eine Erhöhung der Durchschnittstemperatur von zwei Grad, ohne dass es zu großen Klimaveränderungen kommt.

Nun greifen Investoren das Thema auf. Ein Signal war eine Initiative im Herbst. Zusammen gefunden haben sich die Vereinten Nationen (Uno), die große französische Anlagegesellschaft Amundi, der ebenfalls französische Pensionsfonds FRR, AP4 sowie das Carbon Disclosure Project (CDP), eine Non-Profit-Organisation zur Sammlung von Emissionsdaten der Unternehmen. Bis zum nächsten Jahr wollen die Beteiligten 100 Milliarden Dollar Kapital nach klimaschonenden Kriterien investiert haben.

„Die Initiativen der Investoren zielen erst einmal auf Indexanlagen“, sagt Frédéric Samama, bei Amundi mitverantwortlich für das Geschäft mit Großinvestoren. Der Mann aus Paris erklärt: „Das Ziel ist immer: möglichst große Senkung des Kohlendioxidausstoßes bei möglichst geringer Renditeabweichung vom Ursprungsindex.“ Hier hat sich auch der Indexanbieter MSCI eingeschaltet und berechnet seit September zwei CO2-minimierende Messlatten für europäische und globale Aktien, die schon existierende Indizes entsprechend abwandeln. Dabei werden in allen Branchen die relativ größten Verschmutzer aussortiert, ebenso die Unternehmen mit den größten fossilen Energiereserven im Verhältnis zu ihrem Börsenwert.

Das Geschäft bekommt Dynamik. „AP4 und FRR wollen jeweils eine Milliarde Dollar an unsere beiden Indizes binden“, sagt Thomas Kuh von MSCI in Boston. Die großen Vermögensverwalter Blackrock und State Street Global Advisors haben in den USA vergangene Woche entsprechende börsengehandelte Indexfonds aufgelegt. „Die Dynamik wird anhalten“, glaubt Kuh. Amundi plant für Europa in Kürze eigene Produkte. „Globale Vorreiter sind bisher die regierungsnahen Pensionsfonds“, sagt Karsten Löffler, Geschäftsführer von Allianz Climate Solutions. „Regierungen haben eine Agenda, und bei einigen steht das Thema Klimawandel und seine Bekämpfung weiter oben“, ergänzt er. Große öffentliche Pensionsfonds fehlen in Deutschland. Deshalb ist das Thema hierzulande kaum entdeckt, mit Ausnahme der Kirchen und einiger Stiftungen.

Doch Löffler erkennt Veränderungen: „Auch bei uns steht auf der Investorenseite ein Paradigmenwechsel an; der überraschende Schritt von Eon zur Konzernspaltung mit dem Zweig erneuerbare Energien zeigt, welches Ausmaß das haben kann.“ Die Allianz will sich bei den Themen Klimaschutz, Nachhaltigkeit und Einflussnahme auf Firmen ebenfalls etwas anders aufstellen. „Ende nächsten Jahres wollen wir mit einem Pilotprojekt den ersten Schritt gemacht haben“, kündigt Löffler an. Das dürfte wegen der Eigenanlagen des Konzerns von 550 Milliarden Euro Gewicht haben.

Aus der Börsenbrille scheinen die Unternehmen mit großen Reserven an fossilen Energien extrem gefährdet. Eine Studie der britischen Denkfabrik Carbon Tracker und des Klimawissenschaftlers Nicolas Stern ergab: Bis zu 80 Prozent der Reserven an Öl, Kohle und Gas der börsennotierten Energiekonzerne können gar nicht verbrannt werden, ohne das Zweigradziel bei der Welttemperatur zu torpedieren. Die deutsche CDP-Vertreterin Susan Dreyer warnt daher: „Das haben die Anleger noch nicht auf dem Radarschirm.“ Manche Experten sprechen deshalb von einer CO2-Börsenblase. Wenn Investoren das erkennen sollten, sind die Folgen für die frühere Fondsmanagerin Dreyer klar: „Die Aktienkurse mancher Fördergesellschaften könnten dramatisch abstürzen.“

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Kommentare (3)

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Account gelöscht!

17.12.2014, 19:49 Uhr

Es muss heißen Kampf den Klimakatastrophen Predigern vom PIK (Schellnhuber und Konsorten).
Hört endlich auf mit diesen CO2-Klimaerwärmungslügen. Kein Mensch will, dass wir durch diese CO2 Vermeidungspolitik eine neue Eiszeit bekommen.
Warmzeiten waren schon IMMER GUTE ZEITEN für das Leben auf unseren Planeten.
Kaltzeiten sind IMMER SCHLECHTE ZEITEN für das Leben auf unseren Planeten.
Das sollte ihr CO2 Verteufelungsfanatiker endlich mal zur Kenntnis nehmen. Danke!

Herr Holger Narrog

17.12.2014, 20:05 Uhr

Der Artikel besteht aus kaum verständlichen ökoreligiösen Phrasen. Offensichtlich reicht eine ökologisch korrekte Einstellung um Artikel zu schreiben.

Grundsätzlich ist der ökologische Glaube an den "Klimawandel" in Westeuropa und einigen Teilen der USA populär, in den meisten Ländern interessiert man sich für diesen Glauben wenig, bzw. praktiziert andere Religionen. Beispielsweise ist das unterstützen ärmerer Mitmenschen in den arabischen Ländern populär, der Ökoglauben ist den Menschen dort völlig fremd.

In der Konsequenz sind Aktien von Kohleförderern, z.B. Glencore, Ölförderern, z.B. Shell, im Verhältnis zu den zusammengebrochenen Preisen ihrer Produkte und damit den revidierten Gewinnerwartungen, ziemlich teuer. Das bedeutet, die Anleger erwarten eine Erholung der Nachfrage und Preise.

Herr Rainer Feiden

18.12.2014, 11:20 Uhr

Genau! Man sollte verbindliche Political-Correctness- und Governance-Regeln für alle Finanzinstitutionen in der EU -ach was sag ich- GLOBAL einführen, bzw. den Handel mit Aktien und Anleihen von Versorgern und Öl- und Gaskonzernen am besten ganz verbieten....
Ironie off.

Was ich nicht verstehe ist die Meldung von heute im HB, dass die Bundesregierung jährlich 52 Milliarden Euro an Subventionen für "umweltschädliche Projekte" bereitstellt (z.B für Strompreiskompensationen für Grosskunden, Steinkohleförderung usw.).

Hauptsache scheint zu sein, dass über Subventionen umverteilt wird. Wofür das Geld fliesst, ist scheinbar schnuppe, getreu dem Fischerschen Zitat "Hauptsache die Deutschen haben es nicht (das Geld)".

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