Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

18.11.2014

15:35 Uhr

Klimaziele

Aus für zehn Kohlekraftwerke könnte Strompreis erhöhen

Deutschland kann sein Klimaziel nach Überzeugung von Experten nur durch die Abschaltung alter Kohlemeiler einhalten. Für die Verbraucher könnte das teuer werden.

Wasserdampf aus den Kühltürmen eines Braunkohlekraftwerks: Rund zehn Kraftwerke könnten stillgelegt werden. dpa

Wasserdampf aus den Kühltürmen eines Braunkohlekraftwerks: Rund zehn Kraftwerke könnten stillgelegt werden.

BerlinDie wegen der gefährdeten Klimaschutzziele diskutierte Stilllegung von rund zehn Kohlekraftwerken könnte zu einem leichten Anstieg des Strompreises führen. Im Stromeinkauf an der Energiebörse würde sich der Preis um 1,70 bis etwa fünf Euro je Megawattstunde erhöhen, ergeben der Deutschen Presse-Agentur vorliegende Berechnungen von zwei wichtigen Energieversorgern. Was dies für die deutschen Haushalte bedeuten würde, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Die Kilowattstunde könnte etwas teurer werden.

Durch steigende Börsenstrompreise würden Erzeuger mit anderen Kraftwerken zwar mehr als bei den derzeitigen Überkapazitäten verdienen. Aber Verhandlungen über freiwillige Abschaltungen blieben bisher ohne Erfolg. Denn wegen eines hohen Stromexports lässt sich mit Kohlekraftwerken derzeit gutes Geld verdienen. Zusammen mit dem Bundeswirtschaftsministerium wurde das Szenario einer Stilllegung von rund zehn Braun- und Steinkohlekraftwerken mit einer Gesamtleistung von 10.000 Megawatt durchgespielt.

Zugleich wird in den Berechnungen betont, dass wegen der schrittweisen Abschaltung von Atomkraftwerken bis 2020 dann 7000 Megawatt gesicherte Leistung fehlen können. Andererseits könnten sich somit auch Neuinvestitionen in CO2-ärmere Anlagen lohnen.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) will nicht zwangsweise einschreiten, etwa über CO2-Grenzwerte für die klimaschädlichsten Anlagen. Dennoch hält er offiziell daran fest, dass das Ziel von 40 Prozent weniger Treibhausgasemissionen bis 2020 noch zu schaffen ist. Der klimapolitische Sprecher der SPD-Fraktion, Frank Schwabe, forderte, das Ziel gesetzlich zu verankern. So würde der Druck wachsen, es bis 2020 zu schaffen.

Grünen-Fraktionsvize Oliver Krischer mahnte, „das dreckigste Dutzend der ältesten und ineffizientesten Kohlekraftwerke muss aus dem Markt genommen werden“. Dann hätten auch klimafreundlichere Gaskraftwerke wieder bessere Chancen - sie stehen derzeit oft still, weil ihr Betrieb teurer ist.

Nordrhein-Westfalens Ministerpräsidentin Hannelore Kraft (SPD) plädierte dagegen erneut für den Erhalt von Kohlekraftwerken. Ihre Landesregierung stehe dazu, „dass es in NRW für die nächsten Jahrzehnte noch Kohlekraftwerke geben wird“, sagte Kraft dem „Handelsblatt“ (Dienstag). „Wir können nicht gleichzeitig aus der Atomkraft und der Kohlekraft aussteigen.“

Von

dpa

Kommentare (6)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

18.11.2014, 17:13 Uhr

Politiker, die sich populistisch nach ein paar Möchtegern-Propheten richten, weil sie damit Stimmen abzufischen hoffen, fügen über kurz oder lang den Menschen im Lande stets schwere Schäden zu.

Das liegt daran, daß andere Länder diese trügerischen Irrwege nicht beschreiten - und daher deren Wirtschaften im Verhältnis immer besser werden (können).

So wird es teuer, dann noch teurer, dann muß subventioniert werden auf Kosten der Wähler, dann ist das Geld alle.

Neu drucken geht nicht, denn es fehlt die eigene Währung. Der Euro ist für alle seine Mitglieder eine national nicht manipulierbare Fremdwährung.

So schafften es unsere genialen Politiker mit Euro, EEG etc. Land, Leute und Wirtschaft an die Wand zu fahren.

Nur den Knall hört man erst später, jedenfalls die, welche nicht Augen hatten zu sehen und keinen Mund zu reden.

Herr Holger Narrog

18.11.2014, 19:49 Uhr

Die durch die Ökoreligion angepriesene Stromerzeugung aus Wind und Sonne schwankt entsprechend den Tageszeiten und den Launen des Wetters von 0 - nahezu Nennleistung. Solange man eine bedarfsgerechte Stromversorgung zu benötigen meint wird man nicht umhin kommen den kompletten Strombedarf in Form moderner Grosskraftwerke in kalter, warmer und heisser Bereitschaft vorzuhalten, bzw. den grössten Teil der Zeit zu nutzen.

Als Faustformel kann man davon ausgehen, dass Steinkohle etwa doppelt soviel kostet wie Braunkohle und Erdgas wiederum doppelt soviel wie Steinkohle. Kernbrennstoff kostet wiederum die Hälfte von Braunkohle.

Eine Stilllegung von Kohlekraftwerken erhöht den Gaseinsatz und damit die Brennstoffkosten der Stromversorgung.

Herr Marcel Europaeer

18.11.2014, 20:39 Uhr

Wenn sich der Strompreis in Einkauf erhöht, sinkt die EEG-Umlage. Das gleicht sich nahezu aus.

Natürlich sollten wir die dreckigsten Kohlekraftwerke so schnell wie möglich runterfahren. Es ist doch paradox, dass relativ saubere Gaskraftwerke eingemottet sind und Dreckschleudern am Netz bleiben.

Wie will man eine solche Politik den Bürgern vermitteln, die mit Energiewende weniger Luftverschmutzung und weniger Ausstoß von klimaschädlichen Gasen verbinden? Kein umweltbewusster Wähler in Deutschland versteht das.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×