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26.11.2013

11:13 Uhr

Kommentar

Energiewende – Heldentum wird nicht belohnt

VonWolfgang Reuter

Die Energiewende wird für Deutschland noch viel teurer, wenn das Freihandelsabkommen mit den USA Wirklichkeit wird. Denn wenn die wirtschaftlichen Schutzwälle fallen, droht mit ihr der Verlust der Wettbewerbsfähigkeit.

A2 nördlich von Hannover: Deutschland fährt mit der Energiewende auf eine Sackgasse zu. dpa

A2 nördlich von Hannover: Deutschland fährt mit der Energiewende auf eine Sackgasse zu.

Rational und ökonomisch betrachtet ist die deutsche Energiewende ein Desaster - und zwar in mehrfacher Hinsicht: Der Großhandels-Strompreis ist binnen gut zwei Jahren kontinuierlich um mehr als 50 Prozent gefallen, die Stromrechnungen der Bürger wie auch der Industrie sind jedoch rasant gestiegen. Schuld an der absurden Situation sind die hohen Subventionen für die Wind- und Solarenergie. Für uns Deutsche mag das in Ordnung gehen, schließlich glauben wir, damit das Klima und folglich die Welt zu retten.

Das Dumme ist nur, dass wir mit der Energiewende nichts und niemanden retten. Im Gegenteil: Der deutsche Ökostrom hat den europäischen Markt für CO2-Verschmutzungszertifikate zusammenbrechen lassen. Überall auf dem Kontinent lohnt es sich nun, die ältesten und dreckigsten Braunkohleschleudern am Netz zu lassen und die entsprechende Strafe zu zahlen. Es kostet ja so gut wie nichts.

Wolfgang Reuter ist Leiter des Ressorts Unternehmen & Märkte. Frank Beer für Handelsblatt

Wolfgang Reuter ist Leiter des Ressorts Unternehmen & Märkte.

Die paradoxe Situation ist entstanden, weil ein Land, nämlich Deutschland, in einer Freihandelszone, nämlich der Europäischen Union, aus den üblichen Standards und Normen ausgeschert ist und einen Alleingang unternommen hat - mit höheren Standards. Dass dies nicht funktionieren kann, merken die Unternehmen immer deutlicher.

Denn anderswo wird der Strom billiger - und zwar längst nicht nur in der EU. Gerade in Amerika sorgt der Boom an Schiefergas und -öl für einen regelrechten Verfall der Energiekosten. Rudolf Staudigl, Chef der Wacker Chemie AG, stellt nüchtern fest, dass allein die Abgaben auf Elektrizität in Deutschland höher sind als der Strompreis in Amerika. Deshalb baut Wacker nun in den USA ein Werk für 1,1 Milliarden Euro. Und der Konzern ist nicht allein.

Für viele energieintensive Unternehmen steht Amerika ganz oben auf der Liste der Länder, in denen sie neue Fabriken errichten und mehr produzieren wollen. Das liegt nicht nur an den günstigeren Energiekosten, sondern auch an den niedrigeren Löhnen sowie der staatlichen Förderung, die Firmen bekommen, wenn sie sich in den südlichen Staaten ansiedeln. Und künftig wird der Standort Amerika noch attraktiver - schließlich strebt die EU mit Nordamerika eine Freihandelszone an.

Kommentare (17)

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vandale

26.11.2013, 11:58 Uhr

Erfrischend ist die Bezeichnung des Deutschen Amoklaufs als "Heldentum".

Wenn ein Staat seine in einem Industriestaat existentielle Stromversorgung nach den Visionen einer seltsamen, irgendwo in der vorindustriellen Zeit begründeten (Oeko)Religion ausrichtet, ist dies meines Erachtens nicht mit dem militärischen Heldentum der Vergangenheit vergleichbar.

Vandale

Die sehr erfolgreiche Saga "Dämonischer Atomstrahlen" verzichtet bewusst auf einen "wissenschaftlichen" Hintergrund. Journalisten und Politker phantasieren von "Verstrahlungen" und "radioaktiven Verseuchungen", Begriffen die es im naturwissenschaftlichen Strahlenschutz genauso wenig gibt wie "Erneuerbare Energien" in der Physik.

Die Oekosaga einer CO2 Klimahölle prophezeit, nachdem die ersehnte Klimaerwärmung ausbleibt, Erdbeben und Stürme aufgrund der Erzürnung des Klimagotts.

Transparenz

26.11.2013, 12:16 Uhr

Schade - wieder Lobbyismus pur - empfehle das Buch Kampf um Strom von Claudia Kempfert einmal zu lesen. Hier werden die auch im vorliegenden Artikel angeführten Argumente sorgfältig diskutiert und widerlegt. Es wäre von Vorteil wenn auch diese Seite im Handelsblatt Gehör finden würde.

Spectateur

26.11.2013, 12:17 Uhr

26.11.2013, 12:14 Uhr
Ihr Kommentar:
Wenn eine einzige Frau um der Angst des persönlichen Machtverlustes willen, das Land, welches zu regieren sie vorgibt - es jedoch seit nahezu einem Jahr faktisch eingestellt hat -, sehenden Auges in die absehbare Katastrophe namens Energiewende schickt, dann gehört sie gefeuert, sooner the better.
Dem Admiral einer historischen Seeschlacht, der seine eigene Flotte im Angesicht des Feindes versenken ließ, wuchsen in der Heimat keine Meriten. Im Gegenteil, er wurde wegen Feigheit vor dem Feind vielmehr schon bei den Karthagern enthauptet.
Anders bei Frau A. Merkel hingegen. Sie kann in ihrem Größenwendewahn offensichtlich jede Schlacht um Energie oder EURO&pa verlieren und erhält hierfür 42 Prozent Zustimmung. Ein Volk, das sie wieder und wieder wählt, muss dümmer sein als jedes andere auf Erden? Oder gibt es andere Gründe, als den eigenen, kollektiven Untergang erneut zu wählen? Ist dies ein deutsches Phänomen? Merkel und CDU, die pure Lust am Untergang, mit der SPD als Sensenmann auf dem Soziussitz? Was macht den Merkelwahn so erotisch?

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