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20.10.2014

11:21 Uhr

Kommentar

Fracking entwickeln

VonMichael Glos

Ein Totalverbot der Technologie darf es nicht geben. Forschung muss möglich sein, meint der ehemalige Bundeswirtschaftsminister Michael Glos.

Fracking-Anlage in Kalifornien, USA: In Deutschland sollte die Fördertechnologie zumindest getestet werden. AFP

Fracking-Anlage in Kalifornien, USA: In Deutschland sollte die Fördertechnologie zumindest getestet werden.

Die Angst geht um in Deutschland - die Angst vor Fracking und dessen Folgen für Böden und Grundwasser. Um die Förderung heimischer Erdgasvorkommen mittels Fracking zu verhindern, haben sich im ganzen Land Initiativen dagegen gegründet - die Umweltminister der Bundesländer wollen das Bergrecht ändern und das Wasserrecht verschärfen, und das Umweltbundesamt spricht sich ganz unverhohlen für ein Verbot aus.

Das Wasserrecht soll unsere Versorgung mit gesundem Trinkwasser sichern. Zu Recht gilt dort der "Besorgnisgrundsatz", also auch potenzielle Risiken möglichst zu vermeiden. Fakt ist aber auch, dass es sich beim Fracking keineswegs um eine neue Technologie und schon gar nicht um eine Risikotechnologie handelt. Seit mehr als 50 Jahren wird in Deutschland gefrackt, überwiegend zur Erdgasförderung und ohne jegliche Schäden am Grundwasser.

Unbestreitbar ist auch, dass Energie eine wesentliche Grundlage unseres Wohlstands ist. Die Grundlast der Elektrizitätsversorgung wird auch in Zukunft noch fossile Energien benötigen. Der Einsatz erneuerbarer Energien zu 100 Prozent ist schlicht illusorisch. Einen wesentlichen Beitrag für eine stabile und möglichst günstige Energieversorgung leistet das Erdgas. Seine CO2-Bilanz ist weit besser als die von Kohle und Erdöl. Die Bedeutung von Erdgas wird im Zuge des Ausstiegs aus der Kernenergie und der Reduzierung der Kohleverstromung weiter wachsen, unabhängig vom Ausbau der erneuerbaren Energien.

Deutschland ist auch bei Gas Importeur - vor allem aus Russland. Die Abhängigkeit Deutschlands - und Europas - von solchen Erdgasimporten nimmt stetig zu. Gleichzeitig sinkt seit Jahren die inländische Erdgasproduktion. Dabei enthalten die einheimischen Erdgasvorkommen hinsichtlich der Versorgungssicherheit und damit der wirtschaftlichen Leistungsfähigkeit Deutschlands ein großes Potenzial, wenn sie denn genutzt werden dürften. Die Erschließung der heimischen Erdgasvorkommen würde die Energiekosten für die Unternehmen stabil halten und so ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit unterstützen. Die Verbraucher würden von stabilen und erschwinglichen Strom- und Heizkosten profitieren.

Im Sinne einer verantwortungsvollen Nutzung der heimischen Erdgasvorkommen gilt es, durch gezielte Forschung und Entwicklung die Fracking-Technologie umweltorientiert weiterzuentwickeln. Es ist gut, dass die Regierungsparteien im Koalitionsvertrag vereinbart haben, Forschung zum Fracking zu ermöglichen, um die noch ungeklärten Auswirkungen auf Mensch, Natur und Umwelt wissenschaftlich zu ermitteln.

Die Bedenken sollten ernst genommen werden, und es spricht vieles dafür, den großflächigen Einsatz der Fracking-Technologie im Schiefergasbereich zunächst zurückzustellen. Um mit der Erschließung möglicherweise entstehende Risiken aber überhaupt einschätzen zu können, bedarf es geeigneter Möglichkeiten zur Erprobung dieser Fördertechnologie. Die jüngsten gesetzgeberischen Initiativen wecken jedoch erhebliche Zweifel, ob es nicht doch eher um ein Totalverbot der Technologie geht, da die Vielzahl vorgesehener Regelungen eine Erprobung unter wissenschaftlicher Begleitung nahezu unmöglich macht.

Kommentare (1)

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Herr Riesener Jr.

20.10.2014, 13:06 Uhr

Artikel "Die Angst geht um in Deutschland...", bzw. "Ein Gespenst...", genauer gesagt viele Gespenster.

Die meist grünen Gespenster-Erzähler haben es sehr einfach, weil sie zwar gewinnen aber scheinbar nicht verlieren können: 1) Kommt z.B. kein Fracking, können sie immer sagen: "WIR haben dieses Unheil verhindert." 2) Kommt Fracking und es passiert tatsächlich etwas, wird das Ereignis aufgebauscht und die Grünen können sagen: "Seht Ihr, hättet Ihr mal auf uns gehört!" 3) Wenn Fracking kommt und es passiert nichts, wird auch nicht darüber berichtet und es gerät in Vergessenheit.

Daher: Danke Herr Glos für Ihren Kommentar!

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