Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

09.12.2013

15:49 Uhr

Konzernumbau

EADS legt Sparpläne vor

Tausende Stellen sind bei EADS in Gefahr. Die Airbus-Mutter will im Rüstungsgeschäft massiv sparen. Montag werden die Pläne den Arbeitnehmervertretern vorgelegt. Für viele Mitarbeiter werden es triste Feiertage.

EADS-Logo am Standort Friedrichshafen: Bis zu 20 Prozent aller Stellen sollen angeblich wegfallen. dpa

EADS-Logo am Standort Friedrichshafen: Bis zu 20 Prozent aller Stellen sollen angeblich wegfallen.

MünchenTausende Beschäftigte des Luft- und Raumfahrtkonzern EADS in Deutschland bangen um ihre Stellen: Die Unternehmensführung wollte am Montag in München die Belegschaft über den geplanten Konzernumbau informieren, der vor allem in der Rüstungssparte in Bayern viele Arbeitsplätze kosten könnte. Medienberichten zufolge soll es aber keine betriebsbedingten Kündigungen geben.

EADS-Chef Tom Enders hatte harte Einschnitte in der Rüstungssparte bereits angekündigt, die Abteilung leidet unter den Budgetzwängen und somit Auftragsrückgängen der einzelnen Staaten. Zudem will sich EADS neu strukturieren und ab Januar drei Sparten unter dem Namen Airbus führen: Den zivilen Flugzeugbauer Airbus, den Hubschrauberhersteller Airbus Helicopters (bisher Eurocopter) und die Rüstungs- und Raumfahrsparte Airbus Defence and Space, in der Airbus Military, die Raumfahrtabteilung Astrium und der Rüstungsbereich Cassidian zusammengelegt werden.

Die Einschnitte sollen nun vor allem Cassidian treffen. Der Bereich hat große Standorte im oberbayerischen Unterschleißheim und in Manching, wo die Endmontage des Eurofighters erfolgt. Das Werk in Unterschleißheim könnte sogar ganz geschlossen werden. Ottobrunn bei München soll Zentrale des künftigen Airbus Defence and Space werden. An der Spitze wird ein Deutscher stehen, der bisherige Cassidian-Chef Bernhard Gerwert.

Insgesamt sollten 5000 bis 6000 Stellen abgebaut werden, meldete die französische Zeitung „Le Figaro“ am Montag. Betriebsbedingte Kündigungen seien nicht vorgesehen. Die Stellen sollten vielmehr wegfallen, indem Beschäftigte freiwillig ausscheiden oder den Arbeitsplatz innerhalb des Unternehmens wechseln. Frei werdende Stellen sollten nicht wieder besetzt, befristete Verträge und Verträge von Leiharbeitern nicht verlängert werden.

Die Beschäftigten des Konzerns hatten im Vorfeld der für den Abend erwarteten Bekanntgabe der genauen Kürzungspläne einen Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen verlangt. An einem Aktionstag beteiligten sich Ende November über 20.000 der insgesamt 50.000 Beschäftigten in Deutschland.

EADS-Chef Enders war vorgeworfen worden, er habe nur die Aktienmärkte bei seinem Streben nach Rentabilität des Unternehmens im Blick. Nach der Information für die Betriebsräte des Gesamtkonzerns am Montag in München wollen am Dienstag die europäischen EADS-Betriebsräte getrennt nach Branchen beraten. Am Mittwoch und Donnerstag wollen Konzernvertreter in London mit ihren Aktionären zusammentreffen.

Der deutsche Konzernchef hatte die Einschnitte im Rüstungsbereich für unvermeidlich erklärt. Angesichts der Euro-Krise und der Überschuldung vieler europäischer Staaten würden nirgends die Verteidigungshaushalte hochgefahren, sagte er Ende November. Allein in Deutschland habe EADS in den vergangenen Jahren mehrere Milliarden Euro Auftragsvolumen verloren: „Wir können das nicht einfach locker abfedern oder die betroffenen Standorte und Kapazitäten für andere Aufgaben umwidmen.“

Enders bereitet die Umstrukturierung von EADS seit dem Scheitern der Fusion mit dem britischen Rüstungskonzern BAE Systems im vergangenen Jahr vor. Vor allem die Bundesregierung hatte den geplanten Zusammenschluss blockiert. Durch eine neue Aktionärsstruktur wurde inzwischen der Einfluss der Regierungen Deutschlands, Frankreichs und Spaniens auf EADS zurückgedrängt. Enders hatte als sein Ziel ausgegeben, dass der Konzern unabhängig von politischer Einflussnahme seine Entscheidungen treffen müsse.

Von

afp

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×