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03.03.2014

06:00 Uhr

Kostspielige Energiewende

Wo ist der Strom noch teurer als in Deutschland?

Die deutsche Energiewende ist teuer – und einen Großteil der Kosten muss der Verbraucher über die Stromrechnung tragen. Das Resultat: Nur ein Volk in Europa zahlt mehr für die Kilowattstunde.

Belastung für die Verbraucher: Die deutsche Energiewende wird zu einem großen Teil über die Stromrechnung finanziert.

Belastung für die Verbraucher: Die deutsche Energiewende wird zu einem großen Teil über die Stromrechnung finanziert.

Die deutsche Energiewende ist nicht nur ein ehrgeiziges Projekt, sondern auch ein ausgesprochen teures. Mehrere hundert Milliarden Euro wird der Umstieg von Atom und Kohle auf Wind und Sonne am Ende kosten.

Und einen Großteil dieser Kosten tragen die Verbraucher: Über die Stromrechnung wird die so genannte EEG-Umlage eingesammelt, die den Produzenten von grünem Strom zugute kommt. 2013 waren das 20 Milliarden Euro. Zum Vergleich: Das ist mehr, als die deutschen Unternehmen an Körperschaftsteuer zahlen.

Entsprechend steigen auch die Strompreise. Nach Daten der EU–Statistikbehörde Eurostat bezahlten die deutschen Haushalte 2013 im Schnitt 29 Cent je Kilowattstunde. Fast ein Fünftel davon entfielen auf die EEG-Umlage. Und dann gibt es ja noch Mehrwert- und Stromsteuer und andere Abgaben. Insgesamt summieren sich die Steuern, Umlagen und Abgaben auf knapp die Hälfte des Strompreises.

Abgesehen von den Dänen, die sogar schon glatt 30 Euro-Cent pro Kilowattstunde blechen müssen, zahlt kein Volk in Europa mehr für Strom. Im EU-Schnitt liegt der Preis für Privatleute bei 20 Cent je Kilowattstunde.

Fast das gleiche Bild gibt es beim Strompreis, den die deutsche Industrie laut Eurostat im Schnitt zahlen muss: Mit 19 Cent ist der zwar kleiner als für Privatkunden. Aber auch hier gehört er zu den höchsten in Europa. Genau genommen zahlen Industriefirmen nur in Dänemark, Zypern, Italien und Malta mehr.

Am billigsten ist Strom in Bosnien-Herzegowina: Hier zahlen Privathaushalte nur acht Cent pro Kilowattstunde. Allerdings sind die Deutschen – was die Wirtschaftsleistung angeht – auch neunmal reicher als die Bosnier. Doch auch in Frankreich (15 Cent), Großbritannien (17) oder den Niederlanden (20) sind die Preise deutlich kleiner als bei uns. Und hier ist der Lebensstandard vergleichbar zu unserem.

Allerdings gibt es in diesen Ländern auch nicht so viel grünen Strom wie in Deutschland. Während in Deutschland im Jahr 2011 bereits 21 Prozent des Stroms umweltfreundlich hergestellt wurden, war dieser Anteil in Frankreich (17), den Niederlanden (10) und Großbritannien (9) noch deutlich kleiner. Auf dem ersten Platz – zumindest unter jenen Ländern, die nicht mit großen Bergen und Wasserkraftwerken gesegnet sind - lag auch hier Dänemark, mit einem Ökostromanteil von 36 Prozent.

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Von

juf

Kommentare (29)

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03.03.2014, 08:43 Uhr

Der Strompreis in Deutschland nahm schon lange vor dem starken Ausbau der erneuerbaren Energien einen Spitzenplatz in Europa ein. Gut in Erinnerung ist noch der Ausspruch des damaligen RWE-Chefs Großmann, Strom sein noch zu billig. Wird der Umstieg auf Erneuerbare Energien wirklich etwas kosten, oder werden im Endeffekt nur andere Töpfe angezapft. Hier sollten die externen Kosten bei der konventionellen Stromerzeugung nicht vernachlässigt werden. Dem Bundesbürger kann es schließlich egal sein, ob er die Kosten über den Strompreis, die Steuern oder die Sozialabgaben begleicht.

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03.03.2014, 08:43 Uhr

Der Strompreis in Deutschland nahm schon lange vor dem starken Ausbau der erneuerbaren Energien einen Spitzenplatz in Europa ein. Gut in Erinnerung ist noch der Ausspruch des damaligen RWE-Chefs Großmann, Strom sein noch zu billig. Wird der Umstieg auf Erneuerbare Energien wirklich etwas kosten, oder werden im Endeffekt nur andere Töpfe angezapft. Hier sollten die externen Kosten bei der konventionellen Stromerzeugung nicht vernachlässigt werden. Dem Bundesbürger kann es schließlich egal sein, ob er die Kosten über den Strompreis, die Steuern oder die Sozialabgaben begleicht.

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03.03.2014, 09:06 Uhr

Was ist eigentlich daran Umweltfreundlich, wenn man in Deutschland die Landschaft mit Industrieanlagen (Windmühlen, Faulgasanlagen und Solarparks) zupflastert!?
Jedes Kraftwerk (Kohle, Gas und Uran) ist da umweltfreundlicher!
Und als Industrieland, mit dem die deutsche Gesellschaft ja Ihren Wohlstand erst aufbauen konnte, hat Deutschland durch die Energiewende/EEG massiven Schaden erlitten.
Wirtschaftliche, Technisch und aus Naturschutzgründen ist diese Energiewende/EEG ein Desaster für die deutsche/europäische Volkswirtschaft!

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