Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

04.06.2014

15:25 Uhr

Solaranlage in Deutschland: „Das Marktdesign passt nicht mehr für konventionelle Kraftwerke“, schimpft RWE-Chef Peter Terium. dpa

Solaranlage in Deutschland: „Das Marktdesign passt nicht mehr für konventionelle Kraftwerke“, schimpft RWE-Chef Peter Terium.

Es kommt nicht nur darauf an, was jemand sagt, sondern natürlich auch darauf, wer es sagt. Die Prognose, die die internationale Energieagentur (IEA) für Europas Strommarkt abgegeben hat, ist nicht nur düster, sie kommt auch von einer Stelle, die über den Vorwurf der Parteilichkeit erhaben ist.

Wenn Eon-Chef Teyssen oder RWE-Chef Terium die Situation auf dem Strommarkt beklagen, ist natürlich Skepsis angebracht. Die beiden mögen sich ehrlich um die Versorgungssicherheit sorgen, aber natürlich verfolgen sie vor allem die Interessen ihrer Aktionäre. Und die energiepolitische Diskussion in Deutschland ist nach wie vor geprägt von ideologischen Kämpfen um Wind, Sonne, Kohle und Gas. Die IEA hat als OECD-Institution naturgemäß einen offenen und globalen Blick. Vor allem aber fußt die Prognose, Europa bekomme ein ernstes Problem mit der Versorgungssicherheit, auf realen Fakten.

Jürgen Flauger: Der Autor ist Unternehmensredakteur beim Handelsblatt. Frank Beer für Handelsblatt

Jürgen Flauger: Der Autor ist Unternehmensredakteur beim Handelsblatt.

Zum einen ist es korrekt, dass Europa enorme Investitionen tätigen muss, um die Sicherheit der Stromversorgung weiter zu gewährleisten. Der politisch gewollte Ausbau von Wind- und Solarstrom zieht eben auch einen Ausbau der Stromnetze nach sich. Gleichzeitig sind weiter Kohle- und Gaskraftwerke nötig, weil die Sonne nicht immer scheint und der Wind nicht immer weht. Die zwei Billionen Dollar, die die IEA bis 2035 veranschlagt, klingen gewaltig. Aber zur Erinnerung: Alleine für Deutschland hatte der damalige Umweltminister Peter Altmaier die Zahl von einer Billion vorgerechnet – Euro, wohlgemerkt.

Zum anderen ist es auch korrekt, dass die Rahmenbedingungen für die Investitionen nicht gegeben sind. Durch den politisch geförderten Ausbau der erneuerbaren Energien werden die Großhandelspreise so sehr gedrückt, dass die Versorger selbst neue Kraftwerke einmotten und neue Projekte auf absehbare Zeit nicht angehen werden. Auf den ersten Blick klingt das nach einer normalen Marktreaktion. Es gibt eben genug Strom und zu viele Kraftwerke.

Tatsächlich ist die Entwicklung aber fatal. Schon jetzt sind die Reservekapazitäten knapp bemessen. Vor allem aber müssen auch Kohle- und Gasanlagen flexibler und sauberer werden - speziell in Osteuropa genügen viele Anlagen aber nicht mehr den Anforderungen des Klimaschutzes.

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Account gelöscht!

04.06.2014, 17:36 Uhr

"Der politisch gewollte Ausbau von Wind- und Solarstrom zieht eben auch einen Ausbau der Stromnetze nach sich."

Wohl Probleme, einen nicht nur grammatikalisch, sondern auch sachlich korrekten Satz zu bilden?

Das muss doch wohl eher heißen:

"Der politisch gewollte Ausbau von Wind- und Solarstrom setzt eben auch einen Ausbau der Stromnetze voraus." So rum wird erst ein Schuh draus.

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×