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22.01.2014

10:52 Uhr

Krankenhausreport

19.000 Tote durch Behandlungsfehler

Verkehrte Medikamente, verhakte Magensonden, falsche Blutkonserven – in Deutschlands Krankenhäusern läuft viel schief wie der Krankenhausreport belegt.

Risikofaktor Krankenhaus: 19.000 Todesfälle waren die Folge von Klinikfehlern. dpa

Risikofaktor Krankenhaus: 19.000 Todesfälle waren die Folge von Klinikfehlern.

BerlinIn deutschen Krankenhäusern sterben jährlich 19.000 Menschen durch medizinisches Versagen. Das sind fünfmal so viele Tote wie im Straßenverkehr, wo jährlich 3300 bis 3500 Menschen ihr Leben lassen. Nachzulesen ist dies im aktuellen Krankenhausreport des Wissenschaftlichen Instituts der Ortskrankenkassen.

Die Erhebungen und Schätzungen, auf denen die Zahlen beruhen, liegen zwar zum Teil schon einige Jahre zurück, wie die Krankenhäuser auch umgehend monierten. „Trotzdem spiegeln sie die internationale Studienlage und sind valide,“ sagte Max Geraedts, Leiter des Instituts für Gesundheitssystemforschung an der Universität Witten/Herdecke.

Die drastischen Zahlen beruhen zwar auf schon einige Jahre alten Schätzungen. Doch tatsächlich läuft regelmäßig allerhand schief, wie aktuelle Beispiele zeigen:

Eine ältere Patientin sollte in einer Klinik in Nordrhein-Westfalen eine Blutkonserve bekommen. Doch ein Arzt verwechselte nach Ablauf seiner regulären Arbeitszeit zwei Patienten – und die Transfusion stand am Ende am falschen Bett. Die Dame bekam kurzerhand eine Blutkonserve mit einer verkehrten Blutgruppe.

In Berlin sollte einem Baby eine Magensonde herausgezogen werden. Doch die Sonde verhakte sich. Obwohl die Sonde laut Hersteller sieben Tage lang verwendet werden kann, hatte sich das Kunststoffmaterial nach sechs Tagen verhärtet. Das Kind musste unter Beruhigungsmittel gestellt und die Sonde aufwendig entfernt werden.

Möglichkeiten für Patienten: Wenn Ärzte pfuschen

Möglichkeiten für Patienten

Wenn Ärzte pfuschen

Wenn die Heilung nicht so komplikationslos wie erhofft erfolgt, geht mancher Kranker auf die Barrikaden.

Auch Fehlerberichte dieser Art können das Vertrauen in den Krankenhausbetrieb erschüttern: Eine für eine Patientin höchst wichtige Gewebeprobe kam erst nach sieben Tage beim Labor an. Einem Patienten mit einem Bruch in einer Zehe des linken Fußes wurde die entsprechende rechte Zehe verbunden.

Ein älterer Mann, der eine Schulterprothese bekommen sollte, wurde zwar narkotisiert; doch dann stellten die Ärzte fest, dass das Implantat nicht bereitlag. Zufällig war auf einer Station noch eines auf Lager. Und immer wieder werden falsche oder falsch dosierte Medikamente verabreicht, etwa weil die Kennzeichnung für den hektischen Stationsalltag nicht klar genug ist.

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