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27.08.2013

06:00 Uhr

Kriegsgefahr in Syrien

An wie vielen Fronten ist die Nato schon im Einsatz? 

Die Lage in Syrien spitzt sich nach dem Angriff mit Giftgas immer weiter zu. Das Szenario eines Nato-Einsatzes scheint nicht unwahrscheinlich. An wie vielen Orten das Bündnis schon aktiv ist.

Streitkräfte in Afghanistan: Unter Nato-Führung sind hier etwa 95.000 Soldaten im Einsatz. ap

Streitkräfte in Afghanistan: Unter Nato-Führung sind hier etwa 95.000 Soldaten im Einsatz.

Derzeit ist die Nato an fünf Fronten aktiv. Doch der Konflikt in Syrien wird immer mehr zum Thema. So sagte ein Sprecher von Bundeskanzlerin Angela Merkel, der Angriff der syrischen Regierung auf Aufständische mit Giftgas dürfe nicht folgenlos bleiben. In der Syrien-Krise ist die Nato auch schon in Stellung gegangen: Etwa 400 Soldaten schützen mit Patriot-Raketen die türkische Grenze.

Der größte Einsatz des Bündnisses findet seit 2003 in Afghanistan statt, wo es unter Uno-Mandat rund 95.000 Soldaten aus 48 Nationen führt. Im Kampf gegen die Taliban kamen dem unabhängigen Dienst icasualties.org zufolge seither mehr als 3300 ausländische Soldaten ums Leben, davon 54 deutsche. In dem seit 1999 laufenden Einsatz im Kosovo, wo noch rund 5400 alliierte Soldaten stationiert sind, fielen Medienberichten zufolge 170 Soldaten, darunter 26 Bundeswehrangehörige.

Die Haltung der großen Mächte im Syrienkonflikt

USA

Ein völlig außer Kontrolle geratenes Regime in Damaskus, das Giftgas einsetzt, wäre nicht nur eine besondere Bedrohung für den engen Verbündeten Israel. Es würde auch die Gefahr erhöhen, dass Chemiewaffen in die Hände des Terrornetzwerks Al-Kaida oder anderer militanter Kräfte gelangen. Das zu verhindern, liegt ganz klar im direkten Interesse der USA. Generell ist die Eindämmung von Massenvernichtungswaffen ein Hauptanliegen von Präsident Barack Obama. Einem syrischen Giftgasangriff tatenlos zuzusehen, würde seine Glaubwürdigkeit international aufs Spiel setzen.

Russland

Mit dem Regime in Damaskus unterhält Moskau seit Sowjetzeiten enge Kontakte. Die Geheimdienste arbeiten zusammen, zudem ist Syrien ein treuer Waffenkunde Russlands. Immer wieder betont der Kreml, dass das Riesenreich sich grundsätzlich nicht in die Belange anderer Staaten einmische. Die Syrer müssten den Konflikt allein lösen. Die UN-Vetomacht lehnt ein militärisches Engagement aber auch ab, um wirtschaftliche und geostrategische Vorteile in der Region nicht aufs Spiel zu setzen. So unterhält Russland im syrischen Hafen Tartus seine einzige Marinebasis im Mittelmeer.

China

Peking beruft sich im Syrienkonflikt immer wieder auf das Prinzip der Nichteinmischung und hat sich lediglich allgemein gegen den Einsatz von Chemiewaffen ausgesprochen. Unter internationalem Druck teilte das Außenministerium am Freitag mit, dass es auf einen reibungslosen Einsatz der UN-Inspekteure hoffe. „Die derzeitige Situation unterstreicht die Bedeutung und Dringlichkeit einer politischen Lösung für das Syrien-Problem“, sagte ein Sprecher.

Frankreich

Die Regierung von Präsident François Hollande gilt seit langem als offensiver Unterstützer der syrischen Opposition. Schon früh setzte sich Paris für eine Anerkennung der Oppositionskoalition durch den Westen ein. Gemeinsam mit London stellte Paris auch das Waffenembargo der Europäischen Union infrage. Nach den jüngsten Giftgas-Vorwürfen hat Frankreich rasch eine „Reaktion der Stärke“ gegen das Regime in Damaskus gefordert. Dabei ließ die Regierung kaum Zweifel daran, dass dies eine militärische Aktion sein sollte.

Großbritannien

Wie kaum ein anderes Land macht Großbritannien Druck für ein militärisches Eingreifen in Syrien. Außenminister William Hague sagt offen, dafür sei ein einhelliges Votum des Weltsicherheitsrates nicht mehr notwendig. Londons offensive Haltung hat wohl auch innenpolitische Gründe. Premierminister David Cameron will ähnlich wie 2011 in Libyen zeigen, dass sein Land trotz klammer Kassen und erheblicher Kürzungen auch bei den Militärausgaben noch handlungsfähig ist. Das Eingreifen Tony Blairs im Irak aufgrund lückenhafter Informationen über Chemiewaffen bei Saddam Hussein klingt aber noch bitter nach. Auch der politische Erfolg des Libyen-Bombardements steht infrage.

Deutschland

Berlin gehört bislang zu den strikten Gegnern eines internationalen Militäreinsatzes in Syrien - zu groß die Sorge vor einem Flächenbrand in der gesamten Region, zu schlecht die Erfahrungen nach dem Krieg in Libyen, zu klein das Vertrauen in die zerstrittene Opposition. Stattdessen hofft die Bundesregierung darauf, Russland doch noch davon überzeugen zu können, Assad fallen zu lassen. Mittlerweile keimt allerdings die Sorge, dass man - wie vor zweieinhalb Jahren beim Libyen-Einsatz - wieder einmal im Abseits stehen könnte. Das will Berlin auf jeden Fall verhindern.

Zudem wirkt die Nato beim Kampf gegen Terroristen im Mittelmeer und am Horn von Afrika mit. Beim Einsatz gegen das Regime in Libyen 2011 beteiligte sich die Nato an einer Überwachung des Luftraums. Am letzten Irak-Krieg war das Bündnis nicht direkt beteiligt.

Kommentare (6)

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pendler

27.08.2013, 06:59 Uhr

>>>> Etwa 400 Soldaten schützen mit Patriot-Raketen die türkische Grenze.

was soll denn der quatsch?

Ich denke Assat bekämpft die syrischen Terroristen im Inland, der soll damit gemeint sein, dass die syrischen Terroristen eigentlich aus der Türkei kommen und von dort aus das Assat-Regiem angreifen?

Warum sonst wohl muss man die Türkei schützen?

Account gelöscht!

27.08.2013, 07:02 Uhr

Ja, das ist schlimm, wenn man bedenkt, daß die NATO ursprünglich einmal als VERTEIDIGUNGSBÜNDNIS gegründet wurde!!!!

Deutschland bzw. die Bundeswehr hat außerhalb dieses Verteidigungs-Mandates (und vielleicht noch UNO-Einsätze) im Ausland nichts zu suchen!!!

ALLES ANDERE IST EIN ANGRIFFSKRIEG!
Und die Beteiligten gehören sofort verhaftet und vor Gericht!

Account gelöscht!

27.08.2013, 07:11 Uhr

@pendler

Das ist die andere Möglichkeit einen Angriffskrieg zu beginnen, wenn das mit dem Giftgas-False-Flag nicht klappt.
In dem Fall beginnt das schwache kleine Syrien, das kaum mit ein paar Islamisten und ausländischen Söldner zurechtkommt, nämlich einen Grenzkrieg mit der hochgerüsteten Türkei, indem ein paar Granaten hinübergeschossen werden - und dann ruft die Türkei um Nato-Hilfe und der Natoverteidigungsfall ist da (er ist eigentlich seit Afghanistan schon aktiviert).
In diesem Fall dann "dürfen" alle, auch unsere Bundeswehr fleißig LOSBOMBEN und die US-Administration hat ihren Krieg!

Natürlich ist dies - unter dem Schleier des False-Flag-Beschusses - dann IMMER NOCH ein ANGRIFFSKRIEG, ansonsten wäre auch Hitlers Angriff auf Polen ein Verteidigungsfall gewesen.

Und natürlich gehören die Verantwortlichen daher IMMER NOCH VOR GERICHT!!!

Jedem mit eine Restquantum an gesundem Menschenverstand dürfte klar sein, daß das Assad-Regime von sich aus auf keine der beiden Arten Selbstmord begeht. Er wäre sonst STROHDUMM - und das ist er nicht.

-> es ist geradezu beleidigend für wie DUMM uns mittlerweile "unsere" Regierungen und "unsere" Systemmedien halten, daß sie mit solchen Geschichten meinen durchzukommen. Oder es ist ihnen schlichtweg egal was wir denken. SIE MÜSSEN GESTOPPT werden und möglich vor Gericht gestellt.

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