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08.01.2014

10:23 Uhr

Landärztemangel

In der Zeitschleife

VonPeter Thelen

Der Gesundheitsminister ist neu. Doch seine Rezepte sind die alten. Und die haben schon zuvor unter Philipp Rösler nicht wirklich funktioniert.

Drohender Ärztemangel auf dem Land: Der neue Gesundheitsminister Hermann Gröhe steht vor denselben Problemen wie zuvor Philipp Rösler. dpa

Drohender Ärztemangel auf dem Land: Der neue Gesundheitsminister Hermann Gröhe steht vor denselben Problemen wie zuvor Philipp Rösler.

Und täglich grüßt das Murmeltier. In der Filmkomödie von 1993 wacht Bill Murray in der Rolle eines zynischen Fernsehmoderators jeden Morgen aufs Neue in einer US-amerikanischen Kleinstadt auf, um den Tag des Murmeltiers zu kommentieren. Er verzweifelt von Tag zu Tag mehr.

In einer ähnlichen Zeitschleife gefangen kann sich fühlen, wer dem neuen Gesundheitsminister Hermann Gröhe zuhört. In seinem ersten Interview verspricht der ehemalige CDU-Generalsekretär, energisch den drohenden Ärztemangel auf dem Land zu bekämpfen. Er wolle mit den Wissenschaftsministern der Länder reden, ob nicht der Zugang zum Medizinstudium für Leute erleichtert werden könnte, die sich verpflichten, erst einmal eine Landpraxis zu übernehmen.

Der Autor ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin. Pablo Castagnola

Peter Thelen

Der Autor ist Handelsblatt-Korrespondent in Berlin.

Nahezu dasselbe hat vor vier Jahren schon einmal einer verkündet: Philipp Rösler. Der erste FDP-Bundesgesundheitsminister wollte die Länder sogar zu einer Landarztquote an den Unis für die Medizinstudenten bewegen, die sich dazu verpflichten, ihre ersten fünf Jahre als Kassenarzt auf dem Land zuzubringen. Für sie sollte der Numerus clausus wegfallen. Jetzt schon wieder dasselbe?

Das fühlt sich in der Tat an, als wäre schon wieder Murmeltiertag. Denn immerhin hat Rösler seit damals die ärztliche Bedarfsplanung in seinem Versorgungsstrukturgesetz völlig neu geordnet, eine Reihe von Honorarvergünstigungen für Landärzte eingeführt und der KBV aufgegeben, mit den Krankenkassen eine bessere Förderung der Ausbildung zum Allgemeinmediziner zu vereinbaren.

Was ist Ihrer Meinung nach der größte gesundheitliche Risikofaktor?

Die Wahrheit ist leider, dass die so vollmundig als Lösung des Problems des drohenden Ärztemangels annoncierte Gesetzgebung den versprochenen Erfolg nicht gebracht hat. Das Nebeneinander von ärztlicher Überversorgung in den Ballungszentren und dem Ärztemangel auf dem Land ist nach wie vor Realität. Als wären nicht vier Jahre vergangen, grüßt immer noch das Landarztproblem.

Das Murmeltier wurde Bill Murray im Film los, als er seinen zynischen Charakter geläutert und sich in Rita verliebt hatte. Ganz so einfach wird das für Gröhe mit dem Landärztemangel nicht werden. Da müssen noch ganz dicke Bretter gebohrt werden.

Kommentare (2)

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tonne6

08.01.2014, 12:30 Uhr

Der "Mangel" an Landärzten bei gleichzeitiger "Überversorgung" der Städte ist eine Sprechblase der Politik.
Selbst der einsamste Bauerhof ist im dicht besiedelten Deutschland keine 60 min. von der nächsten Kreisstadt entfernt. Im sicher nicht ländlichem Ruhrgebiet ist die Nachbesetzung von Kassenarztsitzen ebenfallls schwierig. Ursache hierfür ist die Schlechtzahlung der GKV. Wir sehen heute die Anpassung der tatsächlichen Versorgung an das tatsächlich gezahlte Arzthonorar. Will oder kann man die GKV-Honorare nicht auf ein angemessenes Niveau heben, nützt eine bevorzugte Vergabe von Studienplätzen an zukünftige Kassenärzte nur dann, wenn gleichzeitig das Zuzahlungsverbot in der GKV komplett entfällt. Das preiswerte Leben auf dem Lande würde dann durch Zuzahlungen bei der med. Versorgung kompensiert. Der Markt würde sehr schnell eine angemessene Versorgung herstellen, jedoch um den politischen Preis nun beim Wähler nicht mehr mit "Alles für Alle für Nichts" punkten zu können.

Leser1928

08.01.2014, 14:51 Uhr

Das ist alles Blödsinn. Die Realität sieht völlig anders aus. Es sollte nicht heißen, Ärztemangel auf dem Land, sondern nur Ärztemangel. Ich warte hier in der Stadt(>500.000 Einwohner) fast 6 Monate für eine Vorsorgeuntersuchung beim Allgemeinarzt. Beim Zahnarzt sind es nur 3-4Wochen. Wo ist denn jetzt die Überversorgung in der Stadt???

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