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07.04.2014

11:06 Uhr

Lobbygruppen

Die Industrie kommt bei der Energiewende gut davon

VonEberhard Brandes

Die Reihe der Wohltaten für die Industrie endet nicht mit der Befreiung von der EEG-Umlage. Die Regierung dürfe nicht zurückschrecken, schlagkräftige Lobbygruppen in ihre Schranken zu weisen, so der WWF-Geschäftsführer.

Die Befreiung von der EEG-Umlage ist nur eine der finanziellen Wohltaten für die Industrie. dpa

Die Befreiung von der EEG-Umlage ist nur eine der finanziellen Wohltaten für die Industrie.

Die Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die von allen gesellschaftlichen Gruppen getragen und unterstützt werden muss. Fehlgeleitete Subventionen untergraben die Akzeptanz dieses Generationenprojekts. Die Menschen verstehen nicht, dass sich große Unternehmen mit Rückendeckung der Bundeskanzlerin und des Wirtschaftsministers aus der Verantwortung stehlen und durch üppige Ausnahmeregelungen Extragewinne einstreichen.

Doch anstatt gegenzusteuern, will die Große Koalition die Privilegien für die Industrie offenbar zementieren. Jüngstes Beispiel: der jetzt bekannt gewordene EU-Entwurf für Energie- und Umweltbeihilfen in Europa. Eigentlich wollte die EU die deutschen Industrieprivilegien auf ein vernünftiges Maß beschneiden; der aktuell bekannte Entwurf schreibt jedoch den Status quo fest und weist in die falsche Richtung. Nach ersten Analysen dürfte der Beitrag der Industrie zur Energiewende eher noch schrumpfen.

Eberhard Brandes: Der Autor ist Vorstand des World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland. Dirk Lässig/WWF

Eberhard Brandes: Der Autor ist Vorstand des World Wide Fund For Nature (WWF) Deutschland.

Die Kanzlerin hat in ihrer Regierungserklärung Ende März betont, dass eine wettbewerbsfähige europäische Industrie auch ambitionierten Klimaschutz bedeutet. Richtig wäre es deshalb, die Industriebranchen und Unternehmen, die weder im internationalen Wettbewerb stehen noch energieintensiv sind, auch am Umbau des Energiesystems finanziell zu beteiligen. Die Privilegien sind exorbitant.

Laut Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle werden im Jahr 2014 rund 2100 Unternehmen weitgehend von der Finanzierung des Ausbaus der erneuerbaren Energien, also von der EEG-Umlage, befreit. Das sind rund 400 Unternehmen mehr als im Vorjahr. Für Sektoren, die durch höhere Strompreise von Wettbewerbsnachteilen bedroht sind wie die Zement-, Stahl- und Aluminiumindustrie, sind die Vergünstigungen sinnvoll. Für viele andere wie Getränkeabfüller und Schokofabriken sind sie es nicht.

Für die Befreiung von der EEG-Umlage sollte als Grundlage die Strompreiskompensationsliste des europäischen Emissionshandelssystems gelten. Sie umfasst lediglich 15 Branchen, die im internationalen Wettbewerb stehen.

Kommentare (10)

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07.04.2014, 11:54 Uhr

Was fuer eine ideologische Verblendung. Deutschland wird nie einen ueberhoehten Preis fuer Strom durchsetzen koennen. Man wird ohne totale Abschottung im Industrie-Bereich bis tief in das Landesinnere scheitern.

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07.04.2014, 12:35 Uhr

2013 kamen 19% des Stroms aus Wind, Sonne und Biogas.
Quelle: http://www.handelsblatt.com/unternehmen/industrie/energieproduktion-wo-der-strom-in-deutschland-herkommt/9296120.html
Das aktuelle EEG-Entgelt beträgt 6,24 Cent auf jede, auch die konventionell hergestellten, Kilowattstunden. Eine KWh Biostrom kostet also 6,24 /19*100 =32,8 Cent. Und das ohne Strom- und Mwst., Netzentgelte, Speichertechnologien usw.
An wind- oder sonnenstarken Tagen wird der Strom dann zu 2 oder 3 Cent an der Strombörse „entsorgt“. Dieser Börsenpreis signalisiert den echten Wert des Ökostroms. Die Differenz zwischen den echten Herstellungskosten des Ökostroms und dem Börsenpreis wird dann gerne als "Wertschöpfung" bezeichnet. Diese Bezeichnung ist auch grundsätzlich richtig, nur dass die "Werte" von anderen "abgeschöpft" werden und andere dann den Vorteil haben und nicht der einfache, zahlende Bürger, dem man gerne anderes weismachen möchte.

Zu den "Abschöpfern" gehört u.a. auch die Industrie, die zwar von den niedrigen Börsenstrompreisen profitiert, sich aber an der Finanzierung des Energiewendewahnsinns nicht beteiligen will. Was man dann wieder nachvollziehen kann, handelt es sich bei den EE-Erzeugungsanlagen doch volkswirtschaftlich betrachtet um totale Fehlinvestitionen. Oder wie lässt sich erklären, dass diese Technologien trotz nahezu 20% Marktanteil immer noch von der Regierung nicht als marktreif betrachtet werden, sieht man sich doch aktuell genötigt, sie weiter mit Subventionen zu fördern, für die der Bürger zwangsweise aufkommen muss? Wenn die „Erneuerbaren“ bei einem Marktanteil von einem Fünftel nicht wettbewerbsfähig sein können, dann werden sie es wohl nie. Es ist aber nicht zu erwarten, dass die Verantwortlichen hieraus die richtigen Schlüsse ziehen. Dafür haben wir uns von Markt und Wettbewerb scheinbar zu sehr entfernt.


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07.04.2014, 13:01 Uhr

Zitat : Die Energiewende ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die von allen gesellschaftlichen Gruppen getragen und unterstützt werden muss.

Nein, die Energiewende ist eine Utopie und eine Illusion zugleich. Sie dient rein der zusätzlichen Abzocke des Bürgers und Verbrauchers !

Die Privathaushalte verbrauchen 25 % des erzeugten Stromes im Lande und zahlen 50 % der EEG-Abgaben !

Ausserdem wird mittels dieser Energiewende nur von einem Übel in das andere gewendet, sonst nichts !

Der Raubbau an deutschen Landschaften, der unsinnige Aufbau einer unnützen, doppelten Stromversorgung Deutschlands muss gestoppt werden !

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