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19.03.2014

06:00 Uhr

Lufthansa-Chef Christoph Franz

„Visionen können Berge versetzen“

Die Digitalisierung des Lebens hat für ihn die Welt am nachhaltigsten verändert: Der scheidende Lufthansa-Chef Christoph Franz über neue Technologien, faire Chancen und richtige Personalentscheidungen.

Noch Lufthansa-Chef Christoph Franz: Interessante Menschen bringen ihn auf die besten Ideen. Reuters

Noch Lufthansa-Chef Christoph Franz: Interessante Menschen bringen ihn auf die besten Ideen.

Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?
Die Antwort ist nicht leicht. Aber wenn ich in der heutigen Epoche über die signifikanteste Innovation nachdenke, ist es sicher die Digitalisierung unseres Lebens. Sie hat den sofortigen Zugriff auf Informationen, den ständigen Austausch zwischen Menschen, eine unglaubliche Beschleunigung des Geschäftslebens und eine vollständige Veränderung zahlreicher Geschäftsmodelle bewirkt.

Das ist nicht alles vorteilhaft, wenn ich daran denke, wie schwer es für junge Menschen ist, hier die richtige Balance zwischen dem realen und dem virtuellen Leben zu finden. Wenn ich mir aber auf der anderen Seite vor Augen führe, welche Services und Erleichterungen wir dadurch unseren Kunden bieten können, ist das schon beeindruckend - von online Buchungen über online Check-ins, über Preistransparenz bis zu internetbasiertem Inflight Entertainment. Hier stehen wir erst am Anfang der Entwicklung.

Die Karriere des Christoph Franz

Studium

Christoph Franz promoviert als Wirtschaftsingenieur an der Technischen Hochschule Darmstadt. Während seines Studiums absolviert Franz Auslandssemester im französischen Lyon und in Berkeley, USA. Franz war außerdem Stipendiat der Studienstiftung des deutschen Volkes.

Quelle: Munzinger Online

Lufthansa bis 1994

Franz startet seine Karriere in seinem Geburtsort Frankfurt am Main. Bei der Deutschen Lufthansa beginnt er in der strategischen Konzernplanung und arbeitet unter anderem am Aufbau des Ferienfliegers Sun Express. Zudem steigt er auf Wunsch des damaligen Lufthansa-Chefs Jürgen Weber in das „Turnaround-Team“ ein. Das Team soll neue Strategien für die kriselnde Lufthansa entwerfen.

Deutsche Bahn bis 2003

Christoph Franz wechselt im April 1994 in die Geschäftsbereichsleitung Fernverkehr der Deutschen Bahn. Dort ist er für die Abteilungen Finanzen und Controlling tätig, ehe er drei Jahre später die Leitung der Konzernentwicklung übernimmt. Unter dem damaligen Vorstandschef Hartmut Mehdorn steigt Franz im Herbst 1999 in den Konzernvorstand auf. Franz übernimmt das Ressort DB Reise & Touristik. Wenige Monate später teilt ihm Mehdorn noch die Verantwortung für den Nahverkehr zu, sodass Franz die Leitung des kompletten Personenverkehrs der Bahn ausführt. Im Mai 2003 tritt Franz bei der Bahn von seinen Ämtern zurück. Grund ist ein Streit über die Einführung eines neuen Preissystems.

Unternehmensberater

Für ein Jahr lang tritt Franz als Berater für Unternehmen auf.

Swiss bis 2009

Nach zwei Monaten als Vorstandsmitglied bei der Fluggesellschaft Swiss wird Christoph Franz im Juni 2004 zum Chef des Unternehmens ernannt. In seiner neuen Rolle forciert Franz Schritt für Schritt die Aufnahme der kriselnden Swiss in eine Airline-Allianz. Gleichzeitig führte Franz Kürzungen durch – unter anderem bei der Flotte und im Personalwesen. Zu Beginn des Jahres 2005 nimmt er Gespräche mit der Lufthansa auf. Die deutsche Fluggesellschaft erklärt im März desselben Jahres eine schrittweise Übernahme der Swiss. Die Schweizer Airline wird als eigenständige Lufthansa-Tochter in deren Star Alliance aufgenommen. Die Lufthansa investiert 310 Millionen Euro bis zur vollständigen Konsolidierung in die Swiss und übernimmt 380 Millionen Euro Schulden.

Lufthansa bis 2013 – Teil 1

Christoph Franz wechselt im Juni 2009 als stellvertretender Chef in den Vorstand der Deutschen Lufthansa. Bereits nach einem Monat kündigt Franz in einem Brief an die Mitarbeiter Einsparungen von einer Milliarde Euro an. Ende September 2010 ernennt der Lufthansa-Aufsichtsrat Franz als Nachfolger des Vorstandschefs Wolfgang Mayrhuber, der den Konzern verlässt.

Lufthansa bis 2013 – Teil 2

Zum Jahreswechsel 2011/12 macht Franz Pläne über ein neues Sparprogramm öffentlich. Bis 2014 will die Fluggesellschaft 1,5 Milliarden Euro einsparen. Im April 2012 wird bekannt, dass die Summe besonders durch die Kürzung von Personalkosten wieder eingespielt werden soll. Im Mai beschließt Lufthansa unter anderem den Abbau von 3500 Stellen, im September die Einführung einer neuen Billigmarke. Die Pläne konkretisieren sich im Dezember, als Franz bekannt gibt, dass es ein neues Produkt- und Marketingkonzept für die Tochter Germanwings geben wird. Im Januar 2013 geht Germanwings erstmals mit neuem Aussehen an den Start: ein neues Logo sowie eine mehrstufige Economy-Klasse. Lufthansa sieht vor, dass künftig ein Drittel der Flotte für Germanwings fliegen soll.

Roche

Der Pharmakonzern Roche bestätigt Christoph Franz am 5. März 2013 in seinem Amt als Verwaltungsratsmitglied, das er bereits seit 2011 ausübt. Im September 2013 wird bekannt, dass Franz Ende April 2014 bei der Lufthansa ausscheidet. Im März 2014 wird der Manager bei Roche zum Verwaltungsratspräsidenten gewählt.

Wer ist für die der größte Visionär?
Sicher erwarten Sie nun, dass ich Steve Jobs nenne - er hat sicher den Stein ins Wasser geworfen.

Jetzt aber ist es wichtig, die neuen Technologien für die Lösung der großen Herausforderungen unserer Welt zu nutzen. So haben Menschen in Entwicklungsländern heute ganz andere Geschäfts- und Verdienstmöglichkeiten als früher durch die Nutzung von Smartphones. Oder die Möglichkeit über digitale Informationen Menschen auch dann medizinisch zu diagnostizieren und zu therapieren, wenn kein Arzt in erreichbarer Nähe ist.

Das finde ich wichtig und auch hier stehen wir hoffentlich erst am Anfang. Jeder, der hier neue erfolgreiche Ideen entwickelt ist für mich ein Visionär für eine Welt mit faireren Chancen.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Immer noch dann, wenn ich mich mit interessanten Menschen unterhalte, die offen sind, eine relevante Meinung haben und sich engagieren. Ich möchte immer wissen, was andere denken, bevor ich wichtige Entscheidungen treffe. Mir geht es um den Wettbewerb der besten Ideen.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Natürlich nicht - stellen Sie sich mal vor, die Brüder Wright hätten nicht die Vision vom Fliegens gehabt. Glauben Sie nicht, dass die Menschen die damals mit ihnen lebten, manchmal dachten, dass sie besser einen Arzt aufsuchen sollten. Und heute fliegen wir mit großen komfortablen Flugzeugen rund um die Welt. Das hätte sich damals niemand vorstellen können. Visionen können Berge versetzen.

Auf welchen Einfall sind Sie persönlich besonders stolz?
Ich bin sehr stolz auf richtige Personalentscheidungen, die ich in meiner beruflichen Laufbahn getroffen habe. Viele dieser Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen haben ihr Unternehmen wirklich nach vorne gebracht.

Und privat bin ich stolz darauf, mit meiner Frau eine so große Familie zu haben.

Von

td

Kommentare (2)

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Account gelöscht!

19.03.2014, 18:21 Uhr


Wenn man das LH Personal sowie die gewinnbringenden Business- und Vielflieger befragt, dann ist Herr Franz gescheitert. Diese Leute weinen ihm keine einzige Träne nach.

Account gelöscht!

19.03.2014, 18:24 Uhr

Herr Franz hat weder das Charisma seiner Vorgänger, und hier meine ich insbesondere Herrn Weber, noch hat er es verstanden das jahrzehntelang zwischen LH-Personal und Kunden mühsam aufgebaute "WIR"-Gefühl für die Umstrukturierungen zu nutzen.
.
Herr Franz hat mit vielen unbedachten Maßnahmen die Kundenbindungen zerstört.

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