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10.12.2014

06:00 Uhr

Marco Lehmann-Waffenschmidt

„Innovationen gehen immer Visionen voraus“

Der Professor für angewandte Mikroökonomik an der TU Dresden betrachtet Visionen als notwendige Impulse für die technische und gesellschaftliche Entwicklung. Wahre Innovationen sind für ihn jene, die im Kopf geschehen.

Marco Lehmann-Waffenschmidt ist Professor für angewandte Mikroökonomik an der TU Dresden.

Marco Lehmann-Waffenschmidt ist Professor für angewandte Mikroökonomik an der TU Dresden.

Welche Innovation hat die Welt am nachhaltigsten verändert?
Hängt von der Perspektive und der Zeitepoche ab – ich tendiere dazu, geistigen Innovationen die Hauptrolle zuzusprechen: zum Beispiel die Bergpredigt, die Einsicht in das Funktionieren einer marktwirtschaftlich organisierten Gesellschaft (Adam Smith, zuvor Bernard Mandeville), die Aufklärung, die Menschenrechtsidee, Luthers Protestantismus usw.

Wer ist für die der größte Visionär?
Sicher nicht Leute wie Alexander der Große oder Napoleon – Egomanen, die ihre egoistischen Vorstellungen auf dem Rücken der Bevölkerung ausgelebt haben, die im Übrigen zu fast nichts Bleibendem geführt haben. Superlative sind immer problematisch, vielleicht am ehesten: Archimedes, Jesus von Nazareth oder Leonardo da Vinci.

In welchen Momenten kommen Ihnen die besten Ideen?
Lust auf Neues haben, konzentriert sein und nicht abgelenkt werden, von etwas überzeugt sein, das erst noch realisiert werden muss.

Sollte der, der Visionen hat, wirklich zum Arzt gehen?
Nein, eher die, die keine haben. Klar können „Visionen“ auch kontraproduktiv sein, wenn es sich um egozentrische, großspurig vorgetragene unrealistische Ideen (heiße Luft) handelt und Worten oder Ideen keine Taten folgen. Aber großen innovativen Schritten der Menschheit gingen wohl immer Visionen voraus.

Was macht die Arbeit an der Universität für Sie aus?
Selbstverantwortliches und -bestimmtes Arbeiten, sowohl im Lehrbereich als auch im Forschungsfeld, Aufforderung zu innovativem Denken und Arbeiten – allerdings ist die Windrichtung in der Hochschulpolitik sehr stark auf Anpassung und Konformität ausgerichtet! Es geht also aktuell in der Forschung eher um das Repetieren von bekannten und etablierten geistigen Inhalten als um wirklich Neues und Innovatives. Innovativ forschen bedeutet in meinem Fach, risikobereit zu sein, auf Forschungsgelder zu verzichten, weil die etablierte Mainstream-Forschung wirklich neuartige Ansätze nicht honoriert.

Von

jam

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