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16.12.2014

10:28 Uhr

Masern und Mumps

Regierung will Eltern zur Impfberatung verpflichten

Viele Kinderkrankheiten sind bis heute nicht ausgerottet - auch weil manche Eltern ihre Kinder lieber nicht impfen lassen wollen. Die Regierung plant deshalb eine Pflichtberatung. Den Ärzten geht das nicht weit genug.

Spritze mit Masernimpfung: Immer weniger Eltern lassen ihre Kinder impfen. dpa

Spritze mit Masernimpfung: Immer weniger Eltern lassen ihre Kinder impfen.

Bevor Eltern ihr Kind in eine Kita schicken, sollen sie künftig eine verpflichtende Impfberatung absolvieren. Diese Regelung wurde nach Angaben des Gesundheitsministeriums kurzfristig in das umfassende Präventionsgesetz aufgenommen, das in der kommenden Woche das Kabinett passieren soll. Eine Ministeriumssprecherin bestätigte am Mittwoch entsprechende Informationen der „Hannoverschen Allgemeinen Zeitung“. Eine Impfpflicht sei aber nicht geplant.

Bei der Kita-Anmeldung sollen die Eltern in Zukunft einen Nachweis vorlegen, dass sie ärztlich über die notwendigen Impfungen beraten wurden. „Wir wollen damit die Eltern an die Impfempfehlungen erinnern und die Impfraten erhöhen“, erklärte die Sprecherin.

Trotz aller Aufklärungskampagnen ist es bislang nicht gelungen, Kinderkrankheiten wie Masern oder Mumps auszurotten. Kinderärzte sehen dies mit Sorge, zumal in Deutschland immer mehr Kleinkinder in Gemeinschaftseinrichtungen betreut werden. Gerade sie haben ein erhöhtes Risiko, an Spätfolgen wie der tödlichen Maserninfektion SSPE zu erkranken.

Der gesundheitspolitische Sprecher der Unions-Fraktion, Jens Spahn, unterstützt das Vorhaben von Gesundheitsminister Hermann Gröhe (beide CDU). Man müsse beim Eintritt in den Kindergarten „ein bisschen mehr Druck machen“, sagte Spahn dem Fernsehsender n-tv. Impfgegner zweifeln den Sinn von Impfungen grundsätzlich an. Spahn sieht darin „fast eine Form von Wohlstandsverwahrlosung“.

Auch der Berufsverband der Kinder- und Jugendärzte begrüßt die Regierungspläne. „Das ist ein erster Schritt in die richtige Richtung, um die Impfquoten in Deutschland zu erhöhen“, sagte Verbandspräsident Wolfram Hartmann. Der Verband fordert jedoch eine Impfpflicht für alle Kinder in öffentlichen Kitas und Schulen. Dies lehnt Spahn zum jetzigen Zeitpunkt ab: „Das ist ein sehr hartes Mittel.“

Von

dpa

Kommentare (8)

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Frau Ich Kritisch

16.12.2014, 11:19 Uhr

Wenn die Masernimpfung nur Vorteile hat, warum ist sie dann nicht so verpflichtend wie vor 50 Jahren die Schluckimpfung gegen Kinderlähmung?
Wenn sie es nicht ist, warum soll man Eltern zur Beratung verpflichten?
Warum zum Teufel sind Politiker heutzutage nicht mehr dazu in der Lage ihre Arbeit zu tun?
Ihre Arbeit ist es sich beraten zu lassen und dann zu entscheiden ob eine Impfung verpflichtend sein muss oder besser nur freiwillig bleibt weil die Risiken zu groß sind.

Ich habe die Nase voll von Politikern die keine Entscheidungen fällen. Sie werden dafür von uns bezahlt!

Ich brauche keine Politiker die mir sagen ich müsse mich entscheiden - das mach ich bei der Wahl.

Herr lutz sepke

16.12.2014, 12:14 Uhr

Bestimmt gibt es unter den Impfgegnern auch ideologisch motivierte Totalverweigerer. Ich kenne aber viel mehr Skeptiker, die Bauchschmerzen dabei haben, einem Neugeborenen ohne intaktes Immunsystem und funktionierende Magen-Darm-Flora einen Siebenfach-Impfstoff mit Krankheitserregern zukommen zu lassen.

Leider wird über den sinnvollen Zeitpunkt einer Impfung überhaupt nicht diskutiert. Viele Skeptiker haben gar kein Problem damit, ihr Kind mit sechs Jahren gegen Masern impfen zu lassen und ihre Jungs gegen Mumps und die Mädchen bei Eintritt in die Pubertät gegen Röteln.

Ich verstehe die Ärzteschaft, die möglichst früh impfen lassen möchte, weil zur U1- und U2-Untersuchung der beste Zugriff auch auf die Eltern besteht, die überfordert sind, sich später eigenständig mit dem Thema zu befassen. Die Eltern jedoch, die in der Lage sind, sich reflektiert mit dem für und Wieder und dem richtigen Zeitpunkt zu befassen, dürfen nicht in Sippenhaft genommen werden.

Das heißt, die Diskussion ist differenzierter zu führen, die etwas unbequeme Frage, Was-Wem-Wann zur Impfung empfohlen oder irgendwann vielleicht sogar erzwungen werden soll, muss immer beantwortet werden. Ja-Nein ist zuwenig.

Herr Norbert Rulands

16.12.2014, 15:07 Uhr

Solange der medizinisch-industrielle Komplex die Politik umklammert hält, werden wir auch in dieser Frage in der überwiegend sehr einseitigen Diskussion verharren und nicht die medizinisch-ethischen Fragen in den Vordergrund stellen, sondern die Alimentierung eines zutiefst korrupten Gesundheitswesens.

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