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15.09.2014

17:22 Uhr

Medikamentenpreise

Angst vor der Spirale nach oben

VonSiegfried Hofmann

Hohe Preise für Neuentwicklungen führen zu Ärger mit den Kassen. Obwohl im Pharmasektor heftiger Wettbewerb herrscht, sind neue Medikamente vor allem in den USA um ein vielfaches teurer geworden.

Hohe Preise bei Medikamenten-Neuheiten: Die Krankenkassen sind beunruhigt. dpa

Hohe Preise bei Medikamenten-Neuheiten: Die Krankenkassen sind beunruhigt.

Konkurrenz belebt das Geschäft. Das gilt auch im Pharmasektor - jedenfalls soweit es um neue, noch patentgeschützte Wirkstoffklassen geht. Die Hersteller ringen zwar heftig um Marktanteile. Aber Preise sind in diesem Kampf kein Argument. Auf dem relativ freizügigen US-Markt lösen Neuentwicklungen mitunter sogar eine Preisspirale nach oben aus, die erst mit dem Ablauf der ersten Patente durchbrochen wird.

Bei einer neuen Klasse von Medikamenten gegen die chronische myeloische Leukämie (CML) etwa haben sich die US-Preise in den letzten zehn Jahren sogar verdreifacht, obwohl neben dem Pioniermedikament Glivec inzwischen fünf weitere ähnliche Mittel zugelassen wurden. Im Bereich Multiple Sklerose gewinnen neue Mittel in Tablettenform derzeit Marktanteile gegenüber etablierten Arzneien, die injiziert werden müssen. Die sehr hohen Preise bei den Neuheiten gaben den Altanbietern aber Spielraum, ihrerseits die Preise zu erhöhen. Der Finanzchef der Darmstädter Merck-Gruppe beschrieb das jüngst mit der Bemerkung, man habe die neue Konkurrenz "mit Preiserhöhungen gekontert".

Die Tatsache, dass im Hepatitisbereich eine Serie von Neuentwicklungen im Anmarsch ist, bietet daher wenig Aussicht auf heftigen Preiswettbewerb. Das Marktvolumen - und im Gegenzug auch die Kosten für die Krankenkassen - werden eher nach oben getrieben.

Damit zeichnet sich auf dem Feld ein besonders heftiges Gerangel zwischen Kassen und Herstellern ab. Immerhin würden sich auf Basis der aktuellen Listenpreise für Kombinationstherapien mit den neuen Wirkstoffen allein in Deutschland theoretisch Kosten von mehr als 20 Milliarden Euro errechnen, sollten alle Infizierten behandelt werden.

Mit Spannung verfolgen Beobachter daher die derzeit laufenden Verhandlungen zwischen Gilead und dem auf Kassenseite zuständigen gemeinsamen Bundesausschuss (GBA) von Kassen und Ärzten über den künftigen Erstattungsbetrag für Sovaldi.

Grundlage dafür ist die Nutzenbewertung auf Basis des 2011 eingeführten Amnog-Gesetzes. Den bisherigen Preis von knapp 60 000 Euro wird der US-Konzern kaum durchsetzen können, vermutlich aber einen Preis, der spürbar über dem der Altprodukte liegt. Immerhin wurde Sovaldi, gegen das Votum der Kassen, ein beträchtlicher Zusatznutzen bescheinigt.

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