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27.05.2014

07:57 Uhr

Milliarden-Überschuss

Strompreis-Umlage kann erstmals sinken

Im Bundestag kommt es in Kürze zum Finale um die Ökostrom-Reform - doch bereits vor ihrer Verabschiedung zeichnet sich Überraschendes ab. Die Strompreis-Umlage zur Begleichung der Förderkosten kann erstmals sinken - es gibt einen Milliarden-Überschuss auf dem Konto.

Kosten für Ökostrom: Am 15. Oktober wird die Umlage für 2015 veröffentlicht. dpa

Kosten für Ökostrom: Am 15. Oktober wird die Umlage für 2015 veröffentlicht.

BerlinEines wird Angela Merkel sicher nicht mehr machen. Eine Prognose zur Entwicklung der Ökostrom-Umlage abgeben. Seit sie nach der Atom-Wende Sorgen vor exorbitanten Kosten zu zerstreuen versuchte und eine Obergrenze von 3,5 Cent je Kilowattstunde in Aussicht stellte, verfolgt dies die Kanzlerin. Sie, die sich selten festlegt, langte damals kräftig daneben. Drei Jahre später kann die Bundesregierung erstmals auf ein Sinken der Ökostrom-Umlage hoffen, die heute mit 6,24 Cent rund 18 Prozent des Strompreises ausmacht.

In den Räumen der Denkfabrik Agora Energiewende am Hackeschen Markt in Berlin ist zusammen mit dem Öko-Institut ein Umlage-Rechner erarbeitet worden. In einer neuen Version preist er auch die von Merkel und ihrem Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) geplante Reform des Erneuerbare-Energien-Gesetzes ein. Nächste Woche stehen dazu die Fachanhörungen im Bundestag an, dann entscheidet sich, ob wie geplant der Strompreisanstieg zumindest gebremst werden kann.

Wie hoch darf die EEG-Umlage Ihrer Meinung nach maximal liegen?

Wobei Union und SPD durch die Beibehaltung eines Entlastungsvolumens von rund fünf Milliarden Euro für die Industrie bei den Förderkosten für Wind- und Solarenergie die Dämpfung überschaubar halten. Aber die Koalition kann im Herbst trotzdem auf positive Nachrichten an dieser Front hoffen. Die Fachleute haben eine Umlage von 5,84 Cent für 2015 ermittelt, basierend auf den allgemeinen Annahmen der für die Umlage-Berechnung verantwortlichen vier Übertragungsnetzbetreiber.

Damit müsste ein Haushalt bei 3500 Kilowattstunden Verbrauch nur noch netto 204 statt heute 218 Euro Umlage im Jahr zahlen. Berücksichtigt werden dabei Einnahmen durch den produzierten Ökostrom, die erwartete Produktion an Solar-, Wind- und Biomassestrom und die Auswirkungen der Industrierabatte. Patrick Graichen, Direktor von Agora Energiewende, ist persönlich in seinen Prämissen vorsichtiger als die Netzbetreiber, prognostiziert aber auch ein Sinken: „Wir rechnen mit einer Umlage für 2015 im Bereich von sechs Cent je Kilowattstunde.“

Die Umlage für das nächste Jahr wird am 15. Oktober veröffentlicht. Der Grund für den Optimismus liegt nicht in der geplanten Reform mit Förderkürzungen für Windstrom an Land. Sondern dank einer vielleicht zu hoch angesetzten Umlage in diesem Jahr ist das Umlage-Konto dick im Plus: 1,88 Milliarden Euro lautet der Stand. „Wir haben zwei Jahre lang sehr niedrige Kontostände gehabt und ein hohes Defizit gehabt. Das jetzige hohe Plus ist der große Unterschied und hauptverantwortlich für das Sinken der Umlage“, erklärt Graichen.

Kommentare (3)

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27.05.2014, 11:06 Uhr

Bei einem für 20 Jahre fixierten Vergütungssatz und bei einem weiteren Ausbau der Ökostrom-Anlagen können die Gesamtkosten für diesen Strom nicht sinken. Das ist trivial.

Vielleicht wird die vom Privatverbraucher zu zahlende EEG-Umlage ein Jahr sinken - das wäre aber auf Einmal-Effekte zurückzuführen (z.B. falsche Prognosen der vergangenen Jahre). Und wenn außerdem die Industrie mehr EEG-Umlage abführt, zahlen wir Endverbraucher die Zeche trotzdem - entweder über weitergegebene Kostenerhöhungen oder aber (falls letzteres nicht möglich ist) über abwandernde Arbeitsplätze.

Und wenn der Ökostromausbau weitergehen soll, brauchen wir Stromspeicher, weil Sonne und Wind bestimmen, wann Strom produziert wird. Dann kommen gigantische Kosten auf uns zu - viel höher als die aktuellen Kosten, die auch nicht von schlechetn Eltern sind: momentan geben wir in Deutschland alle 22 Minuten eine Million EUR für Ökostrom aus.

Im Artikel wird wieder das Gespenst der Folgekosten für Atomstrom an die Wand gemalt. Diese Kosten liegen aber nicht an der "Gefährlichkeit des Atoms", sondern an von Grünlingen gemachten Regeln und Gesetzen. So geben wir Milliarden für die Atommüll-Endlagersuche aus, obwohl mit den viel größeren Volumina von chemischen Giftmüll schon längst professionell umgegangen wird.

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27.05.2014, 12:41 Uhr

Mag sein, dass die EEG-Umlage etwas sinken wird. Aber wir sollten uns auf steigende Netznutzungsentgelte einstellen.
Die Netze müssen ja noch ausgebaut werden, was die nächste Kostenlawine erzeugen wird. Denn leider findet sich niemand auf der Welt der Deutschland eben mal einige tausend zusätzliche Kilometer an Stromnetzen schenkt. Und damit noch immer nicht genug. Speicher gibt es auch nicht um sonst, wenn man sich entschließt welche zu bauen, dann wird es nochmal teurer. Der Ausbau der "Erneuerbaren" ist ja erst der Anfang der Energiewende.

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27.05.2014, 13:06 Uhr

Die Umlage kann nicht NACHHALTIG sinken, wenn wir einerseits 20 JAHRE LANG LAUFENDE FIXE (!!!) Subventionen für Wind, Sonne und Biogas an der Backe haben und der Ausbau gleichzeitig munter weiter geht. 2.500 MW +X fürs Repowering. Wobei ich persönlich auf das X vom Repowering gespannt bin.

Ich bin der Meinung, dass das jetzige Fördersystem dann an seine Grenzen kommen wird, wenn sich die Bürger sinnigerweise ökologisch verhalten: wenn die Preise (mehr oder minder nur durch die staatlich bedingten Abgaben!) steigen, dann fangen die Bürger und der Mittelstand an, entweder Strom zu sparen oder -wer es sich leisten kann- den Strom selbst herzustellen, z.B. über eine Photovoltaik-Anlage. Dadurch wird eine geringere Anzahl von KWh aus dem Netz bezogen. Da die Subventionen tendenziell kaum fallen werden, würde dies dann zu rapide steigenden EEG-Umlagen führen (müssen). Weniger Schultern, die das EEG stemmen + weniger netzbezogne KWh = steigende EEG-Umlage. So einfach ist das. Getroffen wären wieder die, die sich weder die eigene Stromherstellung noch teure Sparmaßnahmen leisten können: das sind die sozial Schwächsten, insbesondere Rentnerhaushalte mit Minirente. Mal sehen, was dieses "Wahlvolk" dann in ein paar Jahren sagt, wenn der der Strom mal in paar Millionen Haushalten abgestellt werden muss, da die die Rechnung nicht mehr zahlen können. Der Staat wird dann absehbar, die belasten, die sich öko-logisch verhalten. Oder sich einen neuen Dummem suchen müssen, z.B. den Steuerzahler (EEG-Soli?).Und vielleicht gibts auch den Solarkommissar, wie in Spanien, der die Wohnungen dann kontrolliert, ob eine Solaranlage "schwarz" betrieben wird, gelle. Spätestens dann sind essentielle,. verfassungsgemäß verbürgte Bürgerrechte in Gefahr. Und für was? Für Strom!

http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article126667851/Eigenversorger-treiben-Strompreis-in-neue-Hoehen.html

Spanien:
http://derstandard.at/1381372239059/Spanien-Besitzern-von-Solaranlagen-drohen-Millionenstrafen

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