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21.10.2013

12:17 Uhr

Milliardenauftrag

Großbritannien baut neue Atomkraftwerke

VonDana Heide

Während sich Deutschland auf den Atomausstieg vorbereitet, baut Großbritannien erstmals wieder neue Reaktoren. Der französische Energiekonzern EDF bekommt für das Projekt sogar einen besonderen Bonus.

Nach dem Deal ist EDF in Verhandlungen mit weiteren Investoren, die sich mit bis zu 15 Prozent an dem Projekt beteiligten könnten, teilte das Unternehmen mit. Reuters

Nach dem Deal ist EDF in Verhandlungen mit weiteren Investoren, die sich mit bis zu 15 Prozent an dem Projekt beteiligten könnten, teilte das Unternehmen mit.

ParisWährend Deutschland seine Atommeiler nach und nach abschaltet, gehen die Briten einen anderen Weg. Wie heute offiziell verkündet wurde, baut der französische Energiekonzern EDF gleich zwei Atomkraftreaktoren in Großbritannien. Die Meiler werden die ersten neuen Atomkraftwerke im Vereinigten Königreich seit dem Jahr 1995 sein.

Die Investoren haben dabei eine besondere Planungssicherheit - sie erhalten einen garantierten Abnahmepreis für den Atomstrom von umgerechnet 10,6 Cent pro Kilowattstunde. Er liegt weit über dem derzeit gezahlten Preis in Großbritannien. Solch einen Luxus genießen in Deutschland nur die Betreiber von Anlagen Erneuerbarer Energien.

Auch die Zusammensetzung des Konsortiums ist besonders. Der Konzern EDF, in dessen Heimatland Frankreich mehr Atommeiler betrieben als in alle anderen europäischen Ländern, baut zwar hauptsächlich an dem Projekt und hält am Konsortium den Angaben zufolge rund 45 bis 50 Prozent. Doch auch die Chinesen mischen kräftig mit und versuchen so einen Fuß in den europäischen Markt zu setzen. Die chinesischen EDF-Partner CGN und CNNC halten laut Unternehmensangaben zwischen 30 und 40 Prozent an dem Gemeinschaftsprojekt, der französische Industriekonzern Areva zehn Prozent. EDF sei in Verhandlungen mit weiteren Investoren, die sich mit bis zu 15 Prozent an dem Projekt beteiligten könnten, teilte das Unternehmen mit.

Der britische Energieminister Ed Davey betonte die komplett private Finanzierung des Projekts: „Das ist ein hervorragendes Geschäft für die britischen Stromverbraucher. Zum ersten Mal wird ein Atomkraftwerk in Großbritannien nicht mit dem Geld der britischen Steuerzahler gebaut.“ Das Projekt werde in der Bauphase 25.000 Arbeitsplätze und 900 im Betrieb schaffen.

Für EDF bleibt zu hoffen, dass der Konzern bei dem Vorhaben ein besseres Händchen hat als in seinem Heimatland. In Frankreich wird derzeit im nordfranzösischen Flamanville ein europäischer Druckwasserreaktor gebaut. Das Projekt ist unter anderem wegen der explodierenden Kosten umstritten: Waren die Kosten für den Reaktor 2005 noch mit 3,3 Milliarden Euro angegeben worden, musste EDF Ende 2012 einräumen, dass die Kosten vermutlich auf 8,5 Milliarden Euro ansteigen würden. Der Konzern begründete dies unter anderem mit neuen Sicherheitsanforderungen und Lehren aus der Atomkatastrophe im japanischen Fukushima.

Kommentare (71)

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HofmannM

21.10.2013, 10:21 Uhr

Schau an, schau an, die Engländer können doch Vernünftig sein. Selbst wenn der Stomkunde 20ct/kwh zahlen würde, würde dies noch ein gutes Geschäft für den Stromkunden und den englischen Staat sein! In Deutschland sind wir mit der perfiden und asozialen Energiewende bereits bei einen kwh/Preis von 30ct angelangt. Tendenz stark steigend!
Die sog. Erneuerbaren Energieerzeuger auf Basis dieses politischen asozialen und perfiden EEG sind wirtschaftlich und technisch (physikalisch) einen Kernkraftwerkpark weit unterlegen. Die deutsche Energiewende bedeutet steigende Strompreise (Luxugut) bei immer weniger Stromverfügbarkeit (Mangel). Kernkraft bedeutet hohe Stromverfügbarkeit (Überfluss) bei geringen Strompreisen (Allgemeingut)!

vandale

21.10.2013, 10:34 Uhr

Meines Erachtens wären die Engländer, soweit man die Kernkrftwerke nicht abzuspecken gedenkt, mit Kohlekratwerken besser bedient.

Vandale

vandale

21.10.2013, 10:45 Uhr

Ein garantierter Stromeinspeisepreis weit über den aktuellen Marktbedingungen ist meines Erachtens keine ideale Lösung.

Ein Grund ist das man auch in GB Windmühlen in grossem Stil subventioniert. Diese speisen entsprechend den Launen des Wetters ein. Zu Starkwindzeiten müssen dann analog D moderne Grosskraftwerke heruntergefahren werden und erreichen nicht die erforderlichen Vollaststunden. Analog Deutschland zieht ein Staatseingriff den nächsten nach sich, sprich moderne Grosskraftwerke benötigen dann mangels Auslastung auch Subventionen.

Ein esentlicher Grund ist auch dass man aus sachfremden, der Oekosaga einer Atomkatastrophe und der bei vielen Menschen verbreiteten Atomstrahlenangst folgenden Erwägungen die Anforderungen an Sicherheitseinrichtungen, Prüfungen und Dokumentation bei neuen Kernkraftwerken in eine Grössenordnung getrieben hat, dass neue KKW sinnlos und extrem teuer sind.

Ein weiterer Grund ist dass Kostenbewusstsein und Effizienz nicht unbedingt zu den Kerneigenschaften des Quasi-Staatsunternehmens AREVA gehört.

Vandale

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