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13.05.2014

10:04 Uhr

Mit etwas Größenwahn

Bürger nehmen Energiewende in die Hand

Jede zweite Kilowattstunde Ökostrom stammt aus Anlagen in Bürgerhand. Das Engagement geht längst über einzelne Windräder hinaus, wird aus Expertensicht politisch aber ausgebremst. Die Bürger reagieren mit Idealismus – und ein wenig Größenwahn.

Engagement der Bürger: Mit eigenen Solaranlagen sorgen Privatleute für Strom aus erneuerbaren Quellen. dapd

Engagement der Bürger: Mit eigenen Solaranlagen sorgen Privatleute für Strom aus erneuerbaren Quellen.

Berlin/FeldheimFeldheim ist ein wenig wie das berühmte gallische Dorf. Die 135 Einwohner behaupten sich gegen ein schier übermächtiges Imperium der großen Energiekonzerne – mit ihrem eigenen Stromnetz, mit Windmühlen, Solarpark und Biogas. „46 Häuser werden autark mit Strom versorgt“, sagt Bürgermeister Michael Knape. Das meint er wörtlich, denn die Brandenburger erzeugen nicht nur Elektrizität und Wärme, sie haben auch ihr eigenes Netz gebaut. „Das hat in Deutschland noch niemand gemacht“, sagt Knape.

Dabei ist Feldheim kein Vorzeige-Ökodorf. „Die Bürger haben schon nach der wirtschaftlichen Komponente gefragt“, erinnert sich der Bürgermeister. Zuerst mussten sie gemeinsam in die Tasche greifen: 1500 Euro zahlte jeder Feldheimer für den Anschluss ans Stromnetz. Dafür hätten sie jetzt rund 40 Prozent weniger Stromkosten, sagt Knape. Eine Kilowattstunde kostet 16,6 Cent - auf dem Markt sind Preise von mehr als 26 Cent nicht ungewöhnlich.

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Wie die Brandenburger nehmen in Deutschland immer mehr Bürger die Energiewende in die eigenen Hände. Einer Analyse im Auftrag der Agentur für Erneuerbare Energien zufolge stammt jede zweite Kilowattstunde Ökostrom aus Anlagen in Bürgerhand. Längst entstehen Strom und Wärme in Kuhställen in Mecklenburg-Vorpommern oder Niedersachsen. In Franken und Hessen produzieren Ökoinitiativen Windstrom. Vor den Toren Frankfurts wird Energie aus Hirse erzeugt - und Bier im Allgäu ausschließlich mit erneuerbaren Energien gebraut.

Besonders das Genossenschaftsmodell boomt. 888 Energie-Genossenschaften gibt das Kölner Klaus-Novy-Institut für 2013 an. Ihre Zahl habe sich in den vergangenen fünf Jahren mehr als versechsfacht. „Die Energiegenossenschaften spielen insbesondere bei der Finanzierung der erneuerbaren Energien eine bedeutsame Rolle“, erläutert auch die Energieexpertin des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Claudia Kemfert. Derzeit sehe es aber so aus, als wolle die Politik die Energiewende ausbremsen, warnt die Expertin.

Kommentare (4)

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13.05.2014, 10:19 Uhr

Was erwartet man? Gut die Hälfte der Bevölkerung in Deutschland ist für einen SCHNELLEREN Ausbau der erneuerbaren Energien als jetzt von der Bundesregierung geplant.

Die Politik hinkt den Wünschen der Bevölkerung wieder einmal meilenweit hinterher, weil sie Rücksicht auf die großen Versorger genommen hat (und teilweise auch nehmen musste).

Solche Hindernisse kennt eine Dorfgemeinschaft nicht. Die machen das, was sinnvoll, auf Dauer wirtschaftlich ist und unabhängig von irgendwelchen Lieferanten endlicher Rohstoffe macht ... sie setzten bei ihrer Energieversorgung vollständig auf die "Renewables".

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13.05.2014, 10:44 Uhr

Wie lange wollt ihr noch diese Lügen und diese Heuchelei dieser Erneurbaren Energie Abzocker Mafia unters Volk bringen!?
Autark ist man erst dann, wenn man sich komplett von den Stromnetz der Kraftwerke abeklemmt hat und wenn das EEG abgeschafft ist!
Ansonsten sind diese Erneuerbaren Energie Fanatiker nichts anders als Schmarotzer an der Gesellschaft. Der Sozial Schwache darf die kostentreibende EEG Strom Zwangssubventionieren teuer bezahlen, nur damit einige windige Abzocker Geschäftemacher behaupten können, ein Dorf irgendwo in Brandenburg wäre von den Kraftwerken losgelöst!
OHNE den Kraftwerkspark (Kohle, Gas und Uran) würde dieses Dorf und ganz Deutschland bei jeden Sonnenuntergang im Dunkeln und bei jeder Windflaute im Mittelalter wiederfinden. Das ist FAKT!

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13.05.2014, 11:20 Uhr

Wir wollen einmal Klartext reden:

1. "Erneuerbare Energie" gibt es nicht.
2. Was es gibt, und worum es in dem Artikel geht, sind "Kleinanlagen mit Zufallsleistung". Zufallsleistung aber ist energiewirtschaftlich unbrauchbar. Kein Netzverantwortlicher würde Zufallsleistung bestellen, weil er zu jedem Zeitpunkt planbare Leistung bereithalten muß ( www.ke-research.de/downloads/Konzeptnebel.pdf ). Aus diesem Grund gibt es kein marktwirtschaftliches Geschäftsmodell (außer vielleicht für Einöd- und Inselstandorte), an denen man mit diesen Kleinanlagen Geld verdienen könnte, außer, ja außer, man nutzt ein Subventionssystem.

Und genau darum geht es hier: Bürger sollen in "Kleinanlagen mit Zufallsleistung" investieren, um dann mit ihren Investments von den Subventionen abhängig zu werden. Sie sollen dann mit Zähnen und Klauen dieses System verteidigen, an dem richtig aber nur die richtig Großen verdienen: die Projektentwickler.

Strompreise in Deutschland liegen jetzt viermal so hoch wie in Texas, und der Faktor fünf ist bereits in Sichtweite. Es muß sich etwas ändern - durchgreifend und sofort. In unserer Konzeptnebel-Studie haben wir alle Beteiligten aufgefordert, einen kompletten Neustart zu wagen: mit neuem und (von den Lügen der Vergangenheit) unbelastetem Personal.

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