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10.12.2013

16:52 Uhr

Modellprojekt

Ein Dorf für Demenzkranke

In einem Modellprojekt in den Niederlanden leben Demenzkranke nicht in einem Heim, sondern in einer Dorfgemeinschaft. Das ambitionierte Projekt könnte auch in Deutschland Nachahmer finden.

Das Demenzdorf in Hogeweyk ist ein Modellprojekt, das auch in Deutschland Schule machen könnte. dpa

Das Demenzdorf in Hogeweyk ist ein Modellprojekt, das auch in Deutschland Schule machen könnte.

AmsterdamIm Grand Café plaudern die Gäste, im Hintergrund plätschert leise Klaviermusik. „Es ist schön“, sagt Nina Woldering (70). „Ich war hier noch nie.“ Die gebrechliche Dame sitzt mit ihrem Sohn und den zwei Enkelkindern in dem eleganten Café bei Kaffee und Kakao. „Wir sind hier jede Woche“, erklärt ihr Sohn Sinclair Simons (42) lächelnd. Doch seine Mutter wird auch diesen Café-Besuch schnell wieder vergessen haben. Sie hat Alzheimer.

Das mondäne Café steht mitten in Hogeweyk, dem weltweit ersten Dorf für Demenzkranke in Weesp bei Amsterdam. Hier gibt es keine weißen Kittel, keine Mehrbettzimmer und auch kein Essen aus der Großküche. „Unsere Bewohner sollen sich wie Zuhause fühlen“, sagt Yvonne van Amerongen, Managerin des Pflegeheimes.

Die Alzheimer-Krankheit

Was ist Alzheimer?

Die Alzheimer-Krankheit, benannt nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer, ist eine hirnorganische Krankheit. Dabei werden im Gehirn durch Eiweißablagerungen langsam Nervenzellen zerstört.

Wie häufig tritt Alzheimer auf?

Wo die Gesellschaft stark altert, gibt es dementsprechend viele Betroffene: Alleine in Deutschland gibt es derzeit rund 1,4 Millionen Patienten.

Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?

Alzheimer ist lediglich eine mögliche Ursache für Demenz – allerdings mit Abstand die häufigste. Deutlich über 50 Prozent der Demenzfälle sind auf Alzheimer zurückzuführen. Die zweithäufigste Form ist die Vaskuläre Demenz, bei der kleine Infarkte im Gehirn auftreten.

Woran erkennt man Alzheimer?

Gedächtnis- und Orientierungsstörungen gehören zu den Kardinalsymptomen. Außerdem treten oft Sprachstörungen und Veränderungen der Persönlichkeit auf.

Gibt es vorbeugende Maßnahmen?

Einen Schutz wie etwa eine Impfung gibt es bei der Alzheimer-Krankheit nicht. Unter anderem können aber körperliche Aktivitäten, eine cholesterinarme Ernährung und gegebenenfalls eine Behandlung von Bluthochdruck das Risiko einer Erkrankung verringern.

Die 153 Bewohner leben in 23 einstöckigen Bungalows mit kleinen Gärten. Einige sitzen auf Bänken in der Wintersonne, andere laufen langsam durch die kleinen Straßen. „Wenn sie sich mal verlaufen, ist das nicht schlimm“, sagt die Managerin, „hier kennt jeder jeden, es ist eben ein Dorf.“

Der 'Boulevard' im Zentrum ist weihnachtlich mit Lichterketten geschmückt. Dort ist auch der Supermarkt, ein Friseur und eine Kneipe. Am großen Platz mit Springbrunnen steht das Theater. Nur eins ist anders als in einem gewöhnlichen Dorf: Die Zugangstür kann nur von einem Pförtner geöffnet werden.

Die Zahl der Demenzkranken nimmt weltweit schnell zu. Allein in den Niederlanden wird sich ihre Zahl nach Schätzungen von jetzt etwa 235 000 bis 2050 verdoppeln. Doch die bisherigen Pflegeheime sind dafür nicht eingerichtet.

Kommentare (1)

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wolfshund

10.12.2013, 17:07 Uhr

Sinnbild einer neoliberal angestaubten Gesellschaft: die Unbequemen, die Lästigen, die Nicht-Spaß-People einfach in ein eigenes Ghetto-Village.

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