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29.12.2014

09:25 Uhr

Moderne Technik

Wie können Kreuzfahrtschiffe Seekrankheit verhindern?

Moderne Kreuzfahrtschiffe lassen den Urlauber leicht vergessen, dass er sich auf dem Wasser befindet. Doch wer seekrank wird, für den ist die Erholung erst mal vorbei. Werften wollen das mit neuen Techniken verhindern.

Seekrank im Traumurlaub: Ein innovativer Ansatz soll das künftig verhindern. obs

Seekrank im Traumurlaub: Ein innovativer Ansatz soll das künftig verhindern.

Sie gleichen schwimmenden Städten, und die Möglichkeiten an Aktivitäten an Bord sind meist ebenso vielfältig wie an Land: Moderne Kreuzfahrtschiffe - die größten von ihnen sind mehr als 350 Meter lang und bieten Urlaubsflair für mehr als 5000 Passagiere - können den Kreuzfahrer leicht vergessen lassen, dass er sich auf See befindet. Shopping Malls, Schwimmbäder, Sportarenen, Minigolfanlagen, Kino- und Konzertsäle und selbst großzügige Grünanlagen zum flanieren in der Natur genießen Urlauber an oder unter Deck – wenn sie denn können.

Denn eines ist auf See anders als an Land, das Schiff ist ständig in Bewegung. Und diese Bewegungen, das Rollen um die Längsachse und das Stampfen um die Querachse oder am besten eine Kombination aus beidem, können vielen Menschen Probleme bereiten. Sie werden seekrank, und schon ist es mit der abwechslungsreichen Erholung vorbei.

Seit langem arbeiten die Werften daher an Techniken, diese Bewegungen des Schiffes zu minimieren. Die ersten Flossen- oder Flügelstabilisatoren wurden bereits im Jahr 1898 patentiert – damals noch als längs zum Schiffsrumpf verlaufende, starre Flügel. Auch mit dem Umpumpen von Ballastwasser in speziellen Schlingertanks wurde lange experimentiert. Dieses System wird auch heutzutage zum Krängungsausgleich eingesetzt, um also Schiffe vor Anker liegend oder angelegt im Hafen in einer aufrechten Position zu halten – vor allem für Frachtschiffe beim Be- und Entladen sehr wichtig.

Für die Fahrt auf See haben sich allerdings seitliche Stabilisatoren durchgesetzt, die heute fast alle großen Kreuzfahrtschiffe nutzen. Sie funktionieren wie überdimensionale Flossen und werden ein gutes Stück unterhalb der Wasserlinie seitlich aus dem Rumpf ausgefahren. Um die Längsachse drehbar, erzeugen sie je nach Stellung Auf- oder Abtrieb und wirken so einem Teil der ungewünschten Bewegungen des Schiffes entgegen. Sie sind computergesteuert und ständig in Bewegung. Allerdings erhöhen sie den Widerstand des Schiffes und somit die Treibstoffkosten und verringern nicht zuletzt die Geschwindigkeit der Urlaubsdampfer.

Einen neuen, innovativen Ansatz, solche ungewünschten Schiffsbewegungen zu verhindern haben jetzt die Unternehmen Hoppe Marine und Marintek aus Norwegen gefunden. Sie haben ein Schiff entwickelt, das in seinem Inneren Wellen erzeugt, um die Wellen der See zu brechen.

Spezielle Wassertanks im Schiffsrumpf erzeugen computergesteuert Wellenbewegungen, die den von außen einwirkenden Kräften der Weltmeere entgegenwirken. Bisher existiert zwar erst ein kleines Modell, das im Bassinversuch allerdings beweisen konnte, dass diese Technik durchaus wirksam funktioniert. Das erste Schiff, das mit dieser Technik ausgerüstet wird, baut Hyundai Heavy Industries derzeit in Südkorea. Es soll 155 Meter lang sein, Platz für gut 800 Passagiere bieten und im Juni 2015 vom Stapel laufen. Ob damit die gefürchtete Seekrankheit endgültig der Vergangenheit angehört, muss sich natürlich erst noch erweisen. Doch in jedem Fall wird mit dieser Innovation wohl ein noch ruhigeres Kapitel der Kreuzfahrtgeschichte eingeläutet.

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