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26.11.2014

10:02 Uhr

Molekulardiagnostik

Angelina Jolie und die Zukunft der Medizintechnik

Angelina Jolie hat es vorgemacht und viele Frauen machen es ihr nach: Krebsdiagnostik per Reagenzglas. Die US-Schauspielerin zeichnet einen enuen Trend in der Meizintechnik nach, der den Herstellern bildgebender Verfahren wie Siemens und GE das Fürchten lehrt.

Angelina Jolie: Die Hollywood-Schauspielerin ließ sich vorsorglich gegen Brustkrebs operieren. AFP

Angelina Jolie: Die Hollywood-Schauspielerin ließ sich vorsorglich gegen Brustkrebs operieren.

München/FrankfurtAngelina Jolie ist nicht nur eine der bekanntesten Hollywood-Schauspielerinnen. Sie spielt auch eine wichtige Rolle für die Entwicklung der Krebsdiagnostik. Als sich Jolie im vergangenen Jahr das Gewebe beider Brüste entfernen ließ, ging dem ein zukunftsweisendes Diagnoseverfahren in der Medizintechnik voraus. Sie ließ ihr Genom im Reagenzglas analysieren. Und die Ärzte stellten fest, dass sie im Laufe ihres Lebens mit einer Wahrscheinlichkeit von annähernd 90 Prozent an Brustkrebs erkranken werde. Die Schauspielerin entschied sich zur Operation. Was danach folgte, nennen Mediziner den Jolie-Effekt: Rund um den Globus interessieren sich Frauen seither für Molekulardiagnosen, die eine Krebserkrankung voraussagen können.

Bei Siemens verfolgt man diesen Wandel wachsam. Besonders in der Krebsmedizin werden bisher vor allem bildgebende Verfahren wie Computertomografien zur Diagnose und Lokalisierung von Geschwulsten eingesetzt. Das Geschäft läuft gut – Siemens verdient an seinen Diagnoseapparaten soviel wie mit keinem anderen Produkt. Weltweit sind Scanner aus den fränkischen Standorten Erlangen und Forchheim gefragt. Und doch entschied sich Siemens-Chef Joe Kaeser vor einigen Monaten, die Sparte im Konzern zu verselbständigen. Mitarbeiter und Gewerkschafter fürchten nun, das Unternehmen werde sich eines Tages von dem traditionsreichen Bereich trennen. Nun rang sich Kaeser erstmals eine vorläufige Bestandsgarantie ab: „Die Medizintechnik ist und bleibt auf absehbare Zeit ein wichtiger Bestandteil von Siemens“, sagte er der „Süddeutschen Zeitung“. Doch die Sorgen vieler Mitarbeiter bleiben.

Kaeser scheine Angst vor der Zukunft zu haben, vermuten Experten: Angst vor schrulligen US-Professoren, die mit einer Handvoll Dollar Diagnoselabore und kleinere Firmen aufziehen. Vor neuen Unternehmen, die traditionelle Diagnostik mit gewaltigen Datenbanken und Rechenzentren verbinden. Bei Siemens fürchten Manager, in einigen Jahren könnten Röntgenapparate und Kernspintomografen nur noch in der Notaufnahme eine wesentliche Rolle spielen. In allen anderen Klinikbereichen könnte das Reagenzglas und die Erbgutanalyse über die Großanlage triumphieren. „Life Science“ – so lautet das neue Modewort in der Branche, das Genanalyse, Molekulardiagnostik und Laborausrüster zusammenführt. Alteingesessenen Apparate-Herstellern lehrt es das Fürchten – vor allem in lukrativen Diagnose-Feldern wie der Krebsmedizin.

Denn für große Medizintechnikhersteller wie Siemens, GE aus den USA und Philips aus den Niederlanden ist in den Industrieländern die Krebsdiagnostik einer der Schwerpunkte des Geschäfts. In Deutschland geht jeder vierte Todesfall auf Tumorerkrankungen zurück, nur übertroffen von Herz-Kreislaufleiden. Doch gerade in der Krebsdiagnostik sind es vor allem die neuen Methoden der Genanalyse, die die Branche vorantreiben. „Womöglich findet ein Start-up den Schlüssel für eine präzise Diagnostik auf molekularer Ebene“, sagt ein Siemens-Insider. Dieser könne dann schnell zum neuen Standard für die Branche werden.

Wegen der Fortschritte in der Genanalyse ist die Branche gewaltig im Umbruch. Aktuell werden weltweit auf dem Medizintechnikmarkt laut den Forschern von Kalorama Information etwa 360 Milliarden Dollar umgesetzt. Das geschätzte Wachstum liegt bei nur drei Prozent. Unternehmen verfolgen daher aggressive Expansionsstrategien: Sie wollen beispielsweise lukrative Nischen besetzen und über Marktgröße Vorteile gewinnen. Denn im Ringen um Großaufträge der Krankenhäuser und Forschungslabore wird ein breites Angebot immer wichtiger. Einer der Gründe: In einem durch Gesundheitsreformen und sinkende Erstattungsbeträge der Kassen gekennzeichneten Markt favorisieren Einkäufer häufig Konzerne, die vom Kernspin bis zur kleinsten Zentrifuge vieles aus einer Hand anbieten können.

Kommentare (1)

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Account gelöscht!

26.11.2014, 11:11 Uhr

Dann muss halt die Medizinsparte von Siemens seine Forschungs- und Entwicklungstätgkeiten auf die neuen Felder "Genbestimmung usw." ausbauen, bevor der Zukunftzug abgefahren ist.

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