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24.09.2013

10:46 Uhr

MRSA

Der ewige Kampf gegen die Keime

VonUta Deffke

Bis zu einer halben Million Menschen erkranken jedes Jahr ernsthaft an einer Krankenhausinfektion. Einer der feindlichen Keime: MRSA. Die Gefahr lauert überall, ob auf Türklinken oder in den Sanitäranlagen. Doch viele Erkrankungen wären vermeidbar.

Ein weit verbreiteter Keim: Der methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA). pa/obs/3M Deutschland GmbHobs/3M Deutschland GmbH

Ein weit verbreiteter Keim: Der methicillinresistente Staphylococcus aureus (MRSA).

Der Feind hat vier Buchstaben: MRSA – Methicillin-resistente Staphylococcus aureus. Er ist winzig, mit bloßem Auge unsichtbar, aber extrem gefährlich, jedenfalls für bereits kranke oder immungeschwächte Menschen. Immer wieder sorgen MRSA und andere multiresistente Keime für negative Schlagzeilen, etwa durch Todesfälle auf Frühchenstationen in Kliniken. Jährlich erkranken bis zu eine halbe Million Menschen in Deutschland an einer Krankenhausinfektion ernsthaft, bis zu 40.000 Menschen sterben daran.

Zwei Ursachen sind hierfür verantwortlich: Zum einen eine zunehmende Antibiotika-Resistenz. Sie wird hervorgerufen durch zu häufige und zu unspezifische Behandlung diverser Krankheiten mit Antibiotika, aber auch durch den übermäßigen Einsatz von Antibiotika in der Landwirtschaft. Und zum anderen mangelnde Hygiene in Krankenhäusern, dem bevorzugten Verbreitungsort der Keime. So passiert es, dass Patienten mit relativ harmlosen Erkrankungen oder auch nur für einen minimalinvasiven Eingriff in die Klinik kommen und dort dann über Wochen um's Überleben kämpfen. Denn während MRSA & Co. bei gesunden Menschen unbemerkt und folgenlos Haut und Schleimhäute besiedeln, können sie für kranke, bereits immungeschwächte Menschen den Tod bedeuten. Kaum ein Antibiotikum kann die Infektion noch wirksam bekämpfen.

Die Gefahr lauert überall: auf Türklinken, in den Sanitäranlagen, auf Computertastaturen und -lüftern und sonstigen Geräten. So wird auch medizinisches Personal unwillentlich zum Verbreiter, schon durch den freundlich gemeinten Händedruck eines Arztes, der sich nicht die Hände desinfiziert hat. Problematisch können aber auch OP-Materialien, Schläuche, Endoskope und andere medizintechnische Produkte sein, wenn sie nicht hundertprozentig steril sind und es auch während einer OP bleiben.

Experten halten etwa ein Drittel bis die Hälfte der im Krankenhaus erworbenen Infektionen für vermeidbar. „Ziel muss es sein, diese auch tatsächlich zu vermeiden“, sagt Alexander Friedrich, Professor für Medizinische Mikrobiologie und Krankenhaushygiene am Universitätsklinikum im niederländischen Groningen. „Aber auch bei den unvermeidbaren Infektionen müssen die Behandlungserfolge verbessert werden.“ Das allerdings ist ein langwieriger Prozess, denn dazu bräuchte es zum einen schnelle Diagnostik.

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