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12.11.2013

15:48 Uhr

Mut zur Lücke

High-Tech für die Zahnarztpraxis

VonMartin-W. Buchenau

Die Medizintechnikfirma Dürr Dental spürt Karies mit violetten Strahlen auf - und liefert High-Tech für Zahnärzte. fester Bestandteil der Strategie: Die Digitalisierung der Zahnbehandlung.

Kariesdiagnose per Laser und LED: Dürr arbeitet an der Zahnarztpraxis von morgen. Dürr Dental

Kariesdiagnose per Laser und LED: Dürr arbeitet an der Zahnarztpraxis von morgen.

BietigheimWer kennt sie nicht, wer hasst sie nicht, diese Geräusche auf dem Zahnarztstuhl: Der nervend hohe Ton des Bohrers, begleitet von dem schlürfenden Gesäusel der Absauganlage. Gerade noch kurz vor dem Tod durch Ersticken am eigenen Speichel verändert die zahntechnische Assistentin die Position des Saugers.

Hinter dem vermeintlich einfachen Röhrchen steckt High-Tech aus einem schwäbischen Familienunternehmen. Dürr Dental hat sich auf Zahnarztpraxen spezialisiert und bietet so ziemlich alles an, außer dem Behandlungsstuhl selbst. "Wir sind Marktführer bei Pumpen", sagt Martin Dürrstein, der das Bietigheimer Unternehmen in der dritten Generation führt.

Martin Dürrstein, Geschäftsführer der Dürr Dental AG. ddp images/Michael Latz

Martin Dürrstein, Geschäftsführer der Dürr Dental AG.

1941 gab ein abgebrochener Bohrer bei einer Zahnbehandlung den Anlass zur Unternehmensgründung. In den 60er-Jahren überraschte das Bietigheimer Unternehmen die Fachwelt mit Spezialkompressoren, die dem Zahnarzt hygienische Luft zur Verfügung stellten: ölfrei, trocken und keimfrei. Die von Dürr ebenso entwickelte Technologie zum kontinuierlichen Absaugen des Speichels war die Voraussetzung dafür, dass der Zahnarzt den Patienten überhaupt liegend behandeln kann, ohne dass er sich andauernd verschluckt. Als Trumpf der Schwaben gilt in der Branche besonders Zuverlässigkeit und Qualität. "Dürr bietet sehr verlässliche Technologie. Ich musste noch nie Patienten heimschicken, weil die Anlage ausgefallen ist", sagt ein Stuttgarter Zahnarzt.

Aber das Unternehmen, das nichts mit dem bekannten Lackieranlagenbauer Dürr zu tun hat, steht auch für einen Mittelständler, der bei der Fokussierung auf einen Kunden durchaus Risiken eingeht und sich in völlig neue technische Bereiche vorwagt. Durch diesen Mut wurde digitale Röntgentechnik zum zweiten Standbein. Bei den dafür notwendigen digitalen Speicherfolien ist Dürr ebenfalls Weltmarktführer.

"Es war für uns sehr wichtig den Trend zur Digitalisierung zu erkennen und zu nutzen", erklärt Dürrstein. Immerhin handele es sich um eine völlig andere Technologie als bei den Pumpen. Die digitale Version des Röntgens bringe eine viel geringere Strahlenbelastung mit sich, benennt der Vorstandschef einen wichtigen Vorteil für den Patienten. Und der Zahnarzt könne alles ganz nah heranzoomen. Selbst feinste Strukturen, etwa so dünn wie das Zehntel eines Haars, seien auf den so produzierten Röntgenbildern zu erkennen. Das Unternehmen investierte damals einen zweistelligen Millionenbetrag, um den Technologiesprung zu schaffen. 2002 brachte das Unternehmen dann als Erster die Speicherfolien heraus.

Dürr arbeitet fleißig weiter an der Zahnarztpraxis von morgen. Fester Bestandteil ist der Bildschirm. Mit bleistiftgroßen Kameras kann der Zahnarzt Bilder aufnehmen und dem Patienten bei der Besprechung auf dem Monitor zeigen. Auch der Vorher-Nachher-Vergleich wird damit ein Kinderspiel. Mit violetten LED-Strahlen kann Karies geortet und frühzeitig behandelt werden. "Nur mit solchen Innovationen können wir vorn bleiben und in Deutschland produzieren", betont Dürrstein.

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