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03.04.2014

09:42 Uhr

Nach Atomausstieg

Rohstoff Braunkohle weiter heftig umstritten

Braunkohle – verführerisch billig und massenhaft vorhanden im eigenen Land. Doch ihr Abbau ist hoch umstritten, erst recht nach dem überraschenden NRW-Beschluss zur Verkleinerung des Braunkohlereviers Garzweiler.

Braunkohle-Tagebau Garzweiler: Bietet gut bezahlte Jobs und günstige Energie, belastet Anwohner und Umwelt. dpa

Braunkohle-Tagebau Garzweiler: Bietet gut bezahlte Jobs und günstige Energie, belastet Anwohner und Umwelt.

Leipzig/EssenSteigende Strompreise, Sorge um die Versorgungssicherheit, Suche nach dem ultimativen Energiemix: In Deutschland tobt seit dem Beschluss zum Atomausstieg 2011 der Streit um die richtige Energieversorgung. Für Zündstoff sorgt dabei die Braunkohle - sie ist im eigenen Land massenhaft vorhanden und verführerisch günstig, dabei aber zugleich extrem belastend für Anwohner und Atmosphäre. Mit dem Beschluss der rot-grünen NRW-Landesregierung zur Verkleinerung des größten deutschen Braunkohlereviers Garzweiler II am Niederrhein vergangene Woche hat die Debatte eine überraschende Wendung genommen.

Noch vor kurzem sah die besonders klimaschädliche Braunkohle wie der heimliche und paradoxe Sieger der Energiewende aus: Weil die hohe Stromerzeugung aus Wind und Sonne die Börsenstrompreise tief nach unten drückte, kamen umweltfreundliche und flexible Gaskraftwerke 2013 kaum noch zum Zug. Stattdessen erreichte ausgerechnet die Stromproduktion aus der als Klimakiller geltenden Braunkohle mit 162 Milliarden Kilowattstunden den höchsten Wert seit 1990.

Trotz milliardenschwerer Förderung der erneuerbarer Energien und einem Ökostromanteil von mittlerweile rund einem Viertel stieg der CO2-Ausstoß in Deutschland 2012 - und nach den vorliegenden Daten auch 2013. Dabei machen Wissenschaftler des Umweltbundesamtes (UBA) in Dessau-Roßlau die deutsche Kohlestromproduktion für rund ein Drittel der das Klima schädigenden CO2-Emissionen verantwortlich. Umweltschützer warnen angesichts des unverhofften Kohlebooms, dass Deutschland seine Klimaziele insgesamt verfehlen könnte.

Kommentare (6)

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03.04.2014, 10:12 Uhr

unabhängig durch Wind und Sonne ist besser und billiger. Der EU Bericht von Herrn Öttinger nennt europaweit 30 Milliarden für erneuerbare Energien in 2011 und 26 MRD direkt und 40 MRD indirekte Subventionen für Kohle und Gas. Weltweit wird Energieumwandlung aus Wind und Sonne zu einer Schlüsselindustrie mit oder ohne Deutschland.

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03.04.2014, 10:28 Uhr

Bei der Braunkohle sieht man sehr schön, dass die Grünen einer durch nichts begründbaren Ideologie folgen und ihnen die Menschen ziemlich egal sind.

Es ist sehr leicht, bei den Menschen Angst vor Kernkraftwerken zu erzeugen - also dienen diese den Grünen als Feindbild und man konnte mit der Panikmache nach Fukushima die Bevölkerung zum Atomausstieg bewegen. Dabei sind Kernkraftwerke sehr sauber und fordern trotz Tschernobyl und Fukushima pro erzeugter Strommenge (!) nicht mehr Tote als Erneuerbare Energien und viel, viel weniger Tote als Kohlekraftwerke.

Braunkohle ist besonders schlimm: viele Gifte, höchster CO2-Ausstoß und sogar Menschen müssen umgesiedelt werden! Trotzdem haben die Grünen zu allererst den Atomausstieg vorangetrieben, statt den Menschen- und Klimakiller Braunkohle abzuschaffen. Das nenne ich unmenschlich!

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03.04.2014, 10:41 Uhr

@ Paula_F

Selten einen Kommentar gelesen, der so sehr jenseits der Realität liegt wie der Ihre. Das Gegenteil ist doch richtig: Je mehr die Zufallskraftwerke, die auf Sonne und Wind basieren, ausgebaut werden, desto größer wird die Abhängigkeit der Stromversorgung vom Gas.

Es ist nun einmal so, dass Sonne und Wind nur Zitter- und Zappelstrom liefern können. Um ihre kurzfristischen Leistungsschwankungen und häufigen Totalausfälle auszugleichen, benötigt man daher, da die Kapazität der dafür am besten geeigneten Wasserkraftwerke in Deutschland praktisch ausgereizt ist, kurzfristig steuerbare Wärmekraftwerke.

Hier sind nun die Gaskraftwerke die Technologie der Wahl. Sie lassen sich schneller rauf- bzw. runterfahren als Kohlekraftwerke, obwohl diese heute auch sehr viel schneller regelbar sind als in früheren Zeiten.

Mit anderen Worten: Jedes neue Windrad und jedes neue Solardach steigert die Abhängigkeit Deutschlands von Gasimporten, heute also die Abhängigkeit von Russland.

Russland macht in dieser Situation das einzig Richtige: Es schont sein Gas bei der eigenen Stromversorgung und setzt statt dessen auf Kernkraft. Sein Gas aber verkauft es teuer für gutes Geld nach Westeuropa, insbesondere nach Deutschland.

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