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31.08.2013

16:00 Uhr

Netzausbau

Schluss mit dem Wildwuchs bei Erneuerbaren

VonGeorg Weishaupt

Der Netzausbau für die Energiewende muss besser geplant werden. Dafür muss sich die Neuinstallation von Solar- und Windkraftwerken dringend stärker am Netz orientieren.

Windkraftanlagen hinter einem Umspannwerk: Der Netzausbau muss besser organisiert werden. dpa

Windkraftanlagen hinter einem Umspannwerk: Der Netzausbau muss besser organisiert werden.

Die Bürger zeigen dem Netzbetreiber Tennet die Rote Karte. Der muss die Zeichnungsfrist für seine sogenannte Bürgeranleihe um einen Monat verlängern. Mit dem Geld von Privatleuten will Tennet eine neue Stromleitung in Schleswig-Holstein finanzieren. Doch die Bürger sind skeptisch. Und das ist mehr als verständlich.

Denn niemand kann heute im Ernst sagen, welches Netz wir in den nächsten Jahren wirklich brauchen. Es gibt zu viele Unsicherheiten. Da sind einmal die Windparks im Meer. Die Netzbetreiber können zwar mit den bereits gebauten Offshore-Kraftwerken planen. Ob aber viele der erst geplanten Parks jemals Realität werden, ist wegen der immensen Schwierigkeiten und der hohen Kosten mehr als zweifelhaft.

Das größte Problem aber ist der Wildwuchs der Solar- und Windanlagen von Flensburg bis München. Denn jeder, der eine solche Anlage betreibt, hat das Recht, seinen Strom ins Netz einzuspeisen. So ist zum Beispiel schwer vorherzusagen, in welcher Region wie viele Photovoltaikanlagen installiert werden. Entsprechend schwer ist es, den Netzausbau so zu steuern, dass er die neuen Anlagen verkraften kann.

Aber das ist notwendig. Denn wenn Netzausbau und Installation von Solar- und Windkraftwerken nicht besser synchronisiert werden, kommt es immer häufiger zu radikalen Eingriffen: Die Netzbetreiber müssen Solaranlagen in sonnenreichen Mittagsstunden abschalten, weil sie den vielen Strom nicht mehr aufnehmen können.

Das ist eine Verschwendung von Energie, die wir uns in Deutschland nicht leisten können. Sie ist nicht nur unwirtschaftlich, sondern bremst auch das Tempo der Energiewende.

Es ist deshalb dringend notwendig, dass sich der Bau neuer Ökokraftwerke stärker am Netzausbau orientiert. Darüber hinaus sollten Wind- und Solaranlagen vor allem in solchen Regionen montiert werden, wo sie sich besonders lohnen.

Es geht nicht darum, einer Planwirtschaft in der Ökostrombranche das Wort zu reden. Der wirtschaftlich sinnvolle Ausbau lässt sich auch anders regeln: über eine stärkere regionale Förderung zum Beispiel. Wer in sonnen- und windschwachen Gegenden baut, erhält dann künftig weniger Förderung - oder gar keine.

Kommentare (10)

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Account gelöscht!

31.08.2013, 16:18 Uhr

Zitat: "Das größte Problem aber ist der Wildwuchs der Solar- und Windanlagen von Flensburg bis München."

Falsch! Das größte Problem ist die einfache physikalische Tatsache, dass Solar- und Windanlagen als Zufallskraftwerke prinzipiell nicht geeignet sind, die Stromversorgung zu sichern.

Die Energiewende scheitert nicht an ihrer angeblich unprofessionellen Durchführung, sondern an ihrer prinzipiellen Undurchführbarkeit.

Spielregler

31.08.2013, 21:57 Uhr

Die einzelne Solar- oder Windanlage ist tatsächlich in Ihrer Energieproduktion schwankend. Aber durch die relativ gleichmäßige Verteilung der Anlagen über die Fläche kompensiert sich dieser Effekt: Keine Flaute ist so groß, dass in einem Umkreis von 500 km kein Wind weht. Um die Produktionsmengen an den Platz zu bringen, wo sie benötigt werden, müssen im deutschen Netz einige Engpässe aufgehoben werden; diese helfen den Energieversorgern zur Zeit jedoch, die Strompreise künstlich hoch zu halten, da Strom zwischen den Teilnetzen nicht beliebig exportiert und importiert werden kann - und deswegen gibt es dort deutlichen Widerstand.

Windkraft an Land braucht vermutlich weniger als 10 Jahre, um die Kosten so weit zu senken, dass die Kosten geringer sind als die variablen Kosten der Gastkraftwerke. Ab dem Zeitpunkt müssen wir uns nicht mehr die Frage stellen, ob wir uns Windkraft leisten könne, sondern, ob wir es uns leisten können, sie nicht einzusetzen. Dann ist es nämlich immer günstiger, das Gaskraftwerk abzustellen und den zugegebenermaßen "unzuverlässigen" Wind zu nutzen.

vandale

31.08.2013, 22:25 Uhr

Wenn Sie einen Blick in die Wirklicheit wagen möchten, dann sollten Sie sich die 1/4 Stunden Einspeiseprofile für umweltschädlichen Windstrom und Solarstrom in Deutschland ansehen.
In Deutschland schwankt die Einspeisung von Windstrom zwischen 127 MW und über 20000 MW. Windstrom ist als solcher wertlos.

Die variablen Kosten umweltschälicher Windmühlen liegen höher als die variablen Kosten umweltfeundlicher Kernkraftwerke, Braunkohle, aktuell auch Steinkohle ohne Sondersteuern (Brennelementsteuer, bzw. CO2 Zertifikate).

Vandale

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