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29.11.2013

20:14 Uhr

Netzbetreiber

Keine Angst vor dem Blackout-Gespenst

Einen Strom-Blackout muss Europa in diesem Winter kaum fürchten, sagen die Netzbetreiber. Gas- und Kohlereserven wurden ausgebaut. Das wachsende Angebot an erneuerbaren Energien könnte aber für Probleme sorgen.

Nasa-Visualisierung von Europa bei Nacht: Die Angst vor einem Strom-Blackout kommt immer wieder. AFP

Nasa-Visualisierung von Europa bei Nacht: Die Angst vor einem Strom-Blackout kommt immer wieder.

Brüssel/BonnSo sicher wie der erste Schnee kommt Jahr für Jahr im Winter die Angst vor einem Strom-Blackout mit Milliardenschäden. Diesmal sind die Netzbetreiber aber optimistisch: Sie glauben, gut vorgesorgt zu haben. Europaweit hätten die Unternehmen deutlich mehr Reserven bei Gas und Kohle aufgebaut als im Vorjahr, resümierte der europäische Netzbetreiberverband ENTSO-E am Donnerstag in Brüssel. „Ich bin sehr zuversichtlich, dass es keinen Blackout geben wird“, sagte der Chef der Bundesnetzagentur in Bonn, Jochen Homann.

Wenn es richtig kalt wird und der Frost länger bleibt, bräuchten viele Länder natürlich Stromimporte und damit leistungsfähige grenzüberschreitende Leitungen, heißt es in dem Bericht. Aber selbst im Fall einer Kältewelle, wie sie nur alle zehn Jahre vorkommt, lägen die Erzeugungskapazitäten noch um 43 Gigawatt über dem Bedarf. Das entspricht dem Stromverbrauch von 40 Millionen Menschen. Die Reserven seien im Vergleich zum Vorjahr deutlich gewachsen, auch in Deutschland. Die Versorgungsrisiken erschienen insgesamt begrenzt.

Was ist die größte Baustelle bei der Energiewende?

Die deutschen Netzbetreiber haben in Zusammenarbeit mit der Bonner Aufsichtsbehörde aufgerüstet: 2500 Megawatt an konventioneller Kraftwerksreserve mit Leistung unter anderem von österreichischen und italienischen Anlagen haben sie sich für den Notfall gesichert. Zudem laufen zwei moderne Gaskraftwerksblöcke mit rund 1400 Megawatt im bayerischen Irsching, die sonst abgeschaltet worden wären, im Stand-by-Modus zur kurzfristigen Sicherung der Netzstabilität. Die Eigentümer erhalten dafür eine separat verhandelte Vergütung, die die Stromkunden über die Netzentgelte bezahlen.

Wenn Versorger in Deutschland wegen der in den Keller gerutschten Strompreise Gas- oder Kohlekraftwerke abschalten wollen, müssen sie das in Bonn genehmigen lassen. Und Genehmigungen für den Süden, wo die abgeschaltete Atomkraft fehlt, gibt es praktisch nicht, wie eine Sprecherin sagt. Die sichere Erzeugungskapazität ist in Deutschland auf 5000 bis 6000 Megawatt gewachsen - nicht zuletzt dank der oft kritisierten neuen RWE-Braunkohlekraftwerke im rheinischen Revier.

Kommentare (20)

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laika0231

29.11.2013, 22:58 Uhr

Zitat1:
"Die sichere Erzeugungskapazität ist in Deutschland auf 5000 bis 6000 Megawatt gewachsen".
Aus meiner Sicht entspricht die sichere Erzeugungskapazität der Summe aller verfügbaren konventionellen Kraftwerke, also ca. 90.000 bis 100.000 Megawatt. Oder welche Bedeutung sollen diese Leistungsangaben haben?
Zitat2:
"Schwierige Situationen für das deutsche Netz könnten insgesamt weniger aus Strommangel entstehen, sondern durch ein zeitweises massives Überangebot mit stark negativen Strompreisen wegen der erneuerbaren Energien"
Die schwierige Situation entsteht erst durch das Zusammenspiel einer erhöhten Einspeisung durch Erneuerbare Energien in Kombination mit fossilen Kraftwerken, die eine schlechte Teillastfähigkeit aufweisen und/oder nicht kurzzeitig abgeschaltet werden können (Braunkohlekraftwrke, Kernkraftwerke). Wären mehr flexible Gaskraftwerke in Betrieb würden sich die angesprochenen Netzprobleme schnell in Luft auflösen.

Halleluja

30.11.2013, 08:57 Uhr

So einfach ist das nicht. Zur Verhinderung eines Blackouts durch plötzliche starke Lastwechsel um Netz sind die ersten Milisekunden entscheidend. Ehe ein Gaskraftwerk hoch gefahren ist, ist es zu spät. Die besonders effizienten GuD-Kraftwerke sind ohnehin genauso langsam wie moderne Kohkekraftwerke. Um das Netz auch in Fällen großer Schwankungen stabil zu halten, werden in erster Linie die gewaltigen Schwungmassen der Großkraftwerke benötigt. Die Masseträgheit wirkt verzögerungsfrei und schafft erst die Zeit, die zum abfordern von zusätzlicher Leistung die durch das Schließen von Bypassventilen innerhalb von Sekunden abgefordert werden kann. Das ist bei jedem Großkraftwerk möglich und liefert innerhalb von Sekunen 2-5% mehr Leistung je Block. 20-30 Großkraftwerke können so problemlos und vollautomatisch den Ausfall eines großen Kraftwerkes auffangen. So schnell ist kein Gaskraftwerk. Daher müssen auch immer knapp 30 Großkraftwerke am Netz bleiben-egal was Wind und Sonne machen.

vandale

30.11.2013, 10:30 Uhr

Ein Netzzusammenbruch kann durch das Zusammenwirken unerwarteter Umstände, Kälte -> hoher Verbrauch, Kraftwerksausfälle, Feiertag -> niedriger Verbrauch, hohe unerwartete Einspeisung Wind und Sonne auftreten. Es ist eine Frage der Wahrscheinlichkeit des Zusammentreffens unerwarteter Umstände.

Grundätzlich ist ein Netzzusammenbruch umso warscheinlicher je mehr beliebige Einspeiser (umweltchädliche Windmühlen und Solaranlagen) und umso weniger Reserven an Grosskraftwerken zur Verfügung stehen.

Vandale

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