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07.01.2014

15:40 Uhr

Netzbetreiber

„Ostseenetz“ soll Stromhandel erleichtern

Wind weht, wenn er will - und nur dann liefern Windräder Strom. Diese Schwankungen soll der internationale Stromhandel dämpfen. Der ostdeutsche Betreiber 50 Hertz spricht schon von einem „Ostseenetz“.

Windräder in der Ostsee: Nicht verwertbarer Ökostrom soll künftiger so wirtschaftlich wie möglich verkauft werden. dpa

Windräder in der Ostsee: Nicht verwertbarer Ökostrom soll künftiger so wirtschaftlich wie möglich verkauft werden.

Frankfurt/BerlinDer ostdeutsche Stromnetzbetreiber 50Hertz treibt den Ausbau seiner Verbindungen in die Nachbarländer voran. Mit Leitungen nach Tschechien, Polen, Dänemark und Schweden könne ein „Ostseenetz“ wachsen, sagte Vorstandschef Boris Schucht der „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“. Das Ziel seien bessere Möglichkeiten, überschüssigen Ökostrom kurzfristig ins Ausland zu verkaufen.

„Wir stehen kurz vor dem Abschluss entsprechender Verträge mit Polen und Tschechien“, sagte Schucht. Konkret geht es dem Bericht zufolge um den Bau sogenannter Phasenschieber dies- und jenseits der Grenzen. Diese Anlagen lenken den Stromfluss und machen ihn berechenbar. 2017 solle die letzte fertig sein.

Ebenso schritten Pläne für den Bau eines zweiten Unterseekabels nach Schweden voran, hieß es. Eine weitere Seekabelverbindung nach Dänemark werde voraussichtlich noch dieses Jahr ausgeschrieben. Die Überlegung dahinter: Fällt in Deutschland zu viel Windstrom an, könne dieser nach Skandinavien verkauft werden, wo zu diesen Zeiten die Wasserkraftwerke angehalten werden.

Ähnliche Pläne hat der Stromnetz-Betreiber Tennet, der ein Unterseekabel von Büsum in Schleswig-Holstein nach Norwegen plant. Das skandinavische Land ist schon mit Dänemark und den Niederlanden verbunden und plant eine Leitung nach Großbritannien. Die 50Hertz Transmission GmbH in Berlin war am Montag zunächst nicht zu erreichen.

Die Verbindungen nach Norden und Osten sind Schucht zufolge für eine sichere Versorgung und die Energiewende äußerst wichtig. Es sei das Ziel, den Ausbau regenerativer Energien so effizient wie möglich zu machen. Deshalb müsse zeitweilig in Deutschland nicht verwertbarer Ökostrom so wirtschaftlich wie möglich an ausländische Kunden verkauft werden, ohne die Stabilität ihrer Stromnetze zu gefährden.

Deutschland exportiert seit Jahren Strom - auch nach der Abschaltung von acht Atomkraftwerken gab es 2012 nach Zahlen des Statistischen Bundesamts einen Überschuss von netto 22,8 Terawattstunden, was zu einem Überschuss von 1,4 Milliarden Euro führte. Die Hauptabnehmer liegen jedoch im Westen: Ausländische Stromversorger - hauptsächlich aus den Niederlanden, Österreich und der Schweiz - kauften 66,6 Terawattstunden aus Deutschland ein.

Von

dpa

Kommentare (3)

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Steinweg

07.01.2014, 16:44 Uhr

Daenemark, Norwegen und Schweden diese Raeume mit den Menschenmassen und den vielen Industrie-Zentren sind ideale Abnehmer. Auch Finnland quillt von Konsumenten ueber.

HofmannM

08.01.2014, 10:28 Uhr

Kein Mensch braucht diesen Zappelstrom in der Stromleitung! Finnland und Schweden haben ihre zuverlässige und billige Kernkraft. Und Norwegen hat seine Wasserkraft und sitzt auf Oel und Gas!
Windmühlen braucht in diesen modernen Ländern kein Mensch! Im Gegenteil!
Energiewende/EEG = Mangel und Armut! Und das haben ALLE Länder, außer Deutschland, auf dieser Welt längst begriffen!

Rudi

08.01.2014, 12:04 Uhr

Super. Tschechien und Polen bauen Phasenschieber, um ihre Stromnetze vor unserer Ökostrom bedingten Überlastung zu schützen. Um die millionenteuren Phasenschieber zu finanzieren, schließen sie dann mit uns Verträge ab, um unser Netz bis zu bestimmten Grenzen doch noch vor der Überlastung zu bewahren.
Der tägliche Wahnsinn der Energiewende.

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