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20.01.2014

11:41 Uhr

Neue Regeln seit 2014

Pflege-TÜV hilft kaum

Kritik am Pflege-TÜV gab es schon lange: Zu viele Bestnoten machten die Auswahl eines Heims schwer. Seit Jahresbeginn gelten deshalb neue Regeln. Die bringen zwar Verbesserungen, doch die Kritik reißt nicht ab.

Für Angehörige und Pflegebedürftige ist ein gutes Heim oft nicht leicht zu erkennen – auch der Pflege-TÜV hilft kaum. dpa

Für Angehörige und Pflegebedürftige ist ein gutes Heim oft nicht leicht zu erkennen – auch der Pflege-TÜV hilft kaum.

BerlinErst wurden die Zeichen von Demenz bei Elisabeth S. immer deutlicher. „Dann ist sie gefallen und lag die ganze Nacht am Boden“, erzählt ihre Tochter. Die Betreuung daheim reichte für die allein lebende Seniorin nicht mehr - die Suche nach einem Pflegeplatz in Berlin begann. Doch wie vorgehen? Zwar werden die Heime offiziell benotet - doch traute die Tochter diesen Bewertungen nicht. „Man weiß ja, wie solche Listen gemacht werden.“ Per Bauchgefühl entschied sich die Familie für ein Seniorenheim. Tatsächlich ist das als Pflege-TÜV bekannte Notensystem seit Jahren in der Kritik. Bisher weitgehend unbeachtet gelten seit Jahresbeginn strengere Regeln.

Die Bewertungen von insgesamt rund 12 000 Heimen waren bisher wenig aussagekräftig. Welches Bundesland hat zum Beispiel die besten Pflegeheime? Ein Blick in den aktuellen Ländervergleich bei den Pflegenoten müsste eigentlich die Antwort liefern - doch die Unterschiede sind marginal. Mit einer glatten 1,0 liegen Baden-Württemberg und Sachsen an der Spitze. Schlusslichter sind Bremen und Rheinland-Pfalz - mit 1,4. Auch bei den Einzelbewertungen der Heime, auf die man bei der Suche im Internet stößt, dominieren Bestnoten.

Doch jeder weiß: Es gibt bei weitem nicht nur Musterschüler. Also verhandelten Heimbetreiber und Krankenkassen jahrelang über einen besseren Pflege-TÜV. Der jetzt in Kraft getretene Kompromiss soll auf weniger Bestnoten hinauslaufen. Angehörige sollen auch besser erkennen können, wie eine Einrichtung in Kernbereichen abschneidet wie etwa bei der Abwehr von Druckgeschwüren und Flüssigkeitsmangel.

Die Alzheimer-Krankheit

Was ist Alzheimer?

Die Alzheimer-Krankheit, benannt nach dem deutschen Neurologen Alois Alzheimer, ist eine hirnorganische Krankheit. Dabei werden im Gehirn durch Eiweißablagerungen langsam Nervenzellen zerstört.

Wie häufig tritt Alzheimer auf?

Wo die Gesellschaft stark altert, gibt es dementsprechend viele Betroffene: Alleine in Deutschland gibt es derzeit rund 1,4 Millionen Patienten.

Was ist der Unterschied zwischen Alzheimer und Demenz?

Alzheimer ist lediglich eine mögliche Ursache für Demenz – allerdings mit Abstand die häufigste. Deutlich über 50 Prozent der Demenzfälle sind auf Alzheimer zurückzuführen. Die zweithäufigste Form ist die Vaskuläre Demenz, bei der kleine Infarkte im Gehirn auftreten.

Woran erkennt man Alzheimer?

Gedächtnis- und Orientierungsstörungen gehören zu den Kardinalsymptomen. Außerdem treten oft Sprachstörungen und Veränderungen der Persönlichkeit auf.

Gibt es vorbeugende Maßnahmen?

Einen Schutz wie etwa eine Impfung gibt es bei der Alzheimer-Krankheit nicht. Unter anderem können aber körperliche Aktivitäten, eine cholesterinarme Ernährung und gegebenenfalls eine Behandlung von Bluthochdruck das Risiko einer Erkrankung verringern.

Bei den Kassen ist man mit dem Ergebnis teilweise zufrieden. Von „wichtigen Verbesserungen“ spricht etwa die Chefin des Verbands der Ersatzkassen (vdek), Ulrike Elsner. „Unwichtige Prüffragen wurden komplett gestrichen“, erläutert sie. Entfallen ist etwa die Frage: Veranstaltet das Pflegeheim Feste? Auch würden Antworten auf wichtige Fragen besser gekennzeichnet. Und mehr Betroffene würden bei den Prüfungen in die Stichprobe einbezogen. Doch Elsner räumt ein, die Kassen hätten sich an entscheidender Stelle nicht durchsetzen können: Eine schlechte Benotung wichtiger Punkte wie Vorbeugung vor Druckgeschwüren führt auch weiter nicht zur Abwertung eines Heims.

Der Hamburger Gesundheitswissenschaftler Johannes Möller hat das Notensystem untersucht. Sein Ergebnis ist niederschmetternd. Bei 59 von insgesamt 77 Kriterien könnten die Prüfer nur ankreuzen: voll erfüllt - oder gar nicht. Dort, wo es bei der Pflege wirklich drauf ankommt, reicht es laut Möller einem Heim, wenn es hier die Mindeststandards erfüllt. Schon werde eine Bestleistung bescheinigt - etwa wenn das Heim Wunden nach aktuellem Stand der Medizin behandelt oder das Nötige unternimmt, damit die Betroffenen genug trinken. Und: „Es fehlen sogenannte K.-o.-Kriterien oder Kernkriterien.“ Selbst Missstände bei Ernährung oder Hygiene könnten durch weichere Faktoren ausgeglichen werden.

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