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24.09.2014

17:32 Uhr

Neue Rotoren

Windstrom auch bei Flaute

VonGeorg Weishaupt

Windkraft-Anlagen werden immer höher und effizienter. Die Hersteller wollen damit neue Standorte erobern. Vor allem in windschwachen Regionen sollen höhere Luftschichten erreicht werden.

Eine neue Windkraftanlage wird aufgestellt: Die Flächen für einfache Anlagen werden knapp.

Eine neue Windkraftanlage wird aufgestellt: Die Flächen für einfache Anlagen werden knapp.

Das kühn geschwungene Teil ist ein echter Hingucker. Fast 65 Meter lang ist das Rotorblatt. Es liegt auf einem Transporter vor dem Haupteingang des Hamburger Messegeländes. Es ist eines der derzeit größten Rotorblätter für Windkraftanlagen an Land und kommt von Nordex. Das Hamburger Unternehmen hat es für seinen neuesten Rotor mit einem Gesamtdurchmesser von 130 Metern entwickelt.

„Sie sind besonders geeignet für Schwachwindstandorte“, erläutert Jürgen Zeschky, Vorstandschef des Hamburger Unternehmens. „Deshalb ist es in entwickelten Märkten wie Deutschland, Frankreich und Großbritannien gefragt.“

Denn in Ländern wie Deutschland werden die Flächen für neue Windräder knapp. Nahezu alle guten Standorte, vor allem in Norddeutschland, sind längst vergeben. Deshalb bleiben oft nur Regionen übrig, an denen der Wind nicht so kräftig weht wie in Küstennähe.

Für diese Schwachwindgegenden, die noch vor Jahren für Windräder ungeeignet waren, haben Firmen wie Nordex, die dänische Vestas sowie der US-Konzern General Electric neue Anlagen entwickelt.

Dem Himmel ganz nah

Dieser Markt wächst kräftig. Es gibt zwar keine spezielle Statistik des Bundesverbands Windenergie. „Aber der Zuwachs im ersten Halbjahr dieses Jahres in Bayern, Hessen und Rheinland-Pfalz ist vor allem auf die Schwachwindanlagen zurückzuführen“, sagte der Sprecher des Verbands. In diesen Ländern wurden in den ersten sechs Monaten neue Anlagen mit einer Leistung von rund 390 Megawatt installiert. Das war fast ein Viertel aller neuen Windräder.

Bei Nordex machen die Anlagen mit großen Rotoren schon etwa die Hälfte des Geschäfts aus. „Ihr Anteil wird in den nächsten Jahren noch wachsen“, ist Vorstandschef Zeschky überzeugt.

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Das Hamburger Unternehmen hat deshalb die Produktion in seinem Werk in Rostock ganz auf die langen Blätter konzentriert. „Dort haben wir inzwischen die richtige Größe erreicht, um wirtschaftlich erfolgreich zu sein“, sagt Zeschky. Die kleineren Blätter lässt er mittlerweile von Lieferanten fertigen.

Die neuen Anlagen für laue Lüfte haben größere Türme, damit die Rotoren in höhere Windregionen reichen. Und sie haben längere Rotorblätter aus leichterem Material. So können sie eine größere Fläche überstreichen und deshalb mehr Strom produzieren.

Enercon gehörte zu den Ersten, die Anlagen bauten, die auch für Standorte mit schwächerem Wind geeignet sind. Auf der Hannover Messe im April 2013 stellte der Windpionier aus dem norddeutschen Städtchen Aurich das riesige Maschinenhaus für den neuen Windradtyp vor, das wie ein Zeppelin aus Aluminium in der Halle schwebte.

„Das wird unsere Brot-und-Butter-Maschine der nächsten Jahre“, sagte Geschäftsführer Hans-Dieter Kettwig damals. Mitte dieses Jahres hat Enercon nun die Serienfertigung der E115 gestartet.

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Kettwig ist mit dem Marktstart zufrieden. „Die neue Maschine wird gut von unseren Kunden angenommen“, sagte er dem Handelsblatt. Er bereitet gerade den Export in Länder außerhalb Europas vor.

Die neuen Windmaschinen müssen vor allem dafür sorgen, dass die Kosten für die Stromerzeugung sinken. „Unser Ziel ist es, in spätestens fünf Jahren Windstrom genauso kostengünstig wie Strom aus Kohle zu produzieren“, sagt Zeschky.

Höhe der Türme bleibt gleich

Alle Hersteller arbeiten daran, die Effizienz der Windmaschinen zu steigern sowie ihre Produktionskosten zu senken. So hat Enercon die Formgebung ebenso wie die Konstruktion verbessert. Das Rotorblatt ist neuerdings in zwei Teile geteilt. So lässt es sich besser transportieren. Und bei der Produktion der Rotoren setzt das norddeutsche Unternehmen inzwischen auch Industrieroboter ein.

Das Hamburger Unternehmen Senvion will in dem stark wachsenden Markt für Anlagen an windschwächeren Standorten nicht nur mit noch längeren Rotorblättern und höheren Türmen punkten. Vorstandschef Andreas Nauen stellte in Hamburg eine neue Anlage vor, die ihre Leistung allein schon durch einen stärkeren Generator steigert. „So erreichen wir eine höhere Leistung bei gleicher Turmhöhe am selben Standort.“

Nauen sieht den Vorteil darin, dass die Kunden, die einmal eine Genehmigung für einen Standort durchgesetzt haben, nicht mit den Behörden um eine neue Genehmigung ringen müssen. Denn die Höhe des Turms – häufig ein Kritikpunkt bei Bürgerprotesten – bleibt bei der neuen Anlage gleich.

Kommentare (4)

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Account gelöscht!

24.09.2014, 20:14 Uhr

Höhere Windmühlen versprechen mehr Profit für die Hersteller und Planer und kostet den deutschen Bürger Wohlstand und Versorgungssicherheit!
Bei Flaute hilft nur ein Diesel-Notstromaggregat um die üppige Einspeisevergütung einzustreichen.
Energiewende/EEG = Armut, Mangel und Mafia!

Herr Hans Maiser

24.09.2014, 20:39 Uhr

Wenn man sich mal vor Augen führt, dass zwei Drittel aller Windkraftanlagen verlust machen, so wird klar, dass die Stadtwerke und Städte bald alle Investitionen zurückfahren werden. Die Energiewende ist ein finanzielles Desaster. Es wurden Windparks gebaut auf völlig übertriebenen Umsatzprognosen. Jetzt machen die Stadtwerke teilweise bis zu 20% negative Rendite im JAhr.
Leute das alles wird noch richtig geld kosten. Die EEG Umlage sind hierbei nur Peanuts.
https://www.youtube.com/watch?v=6DQFToMfpLk

Herr Hans Maiser

24.09.2014, 20:39 Uhr

Es ist der Traum vom Bürgerstrom, von Bürgergenossenschaften, vom selbsterzeugten Strom kleiner Gemeinschaften. Und vom Zerschlagen der Großkonzerne. Dummerweise zerschlagen wir gerade unsere Kommunen. Sie leider unter der Energiewende am meisten. Mindestens 2,5 Milliarden Euro müssen die Ruhrgebietskommunen abschreiben, weil sie die Hauptaktionäre des RWE sind. Viele Städte trifft es verheerend. Duisburg will sogar die Straßenbahn stillegen. Die Dividendenausfälle belaufen sich auf über 200 Mio. €. Selbst wohlhabende Städte wie Frankfurt und Ulm geraten in die Finanzklemme, weil ihre Stadtwerke Geld verlieren, das den Bürgern zufließen sollte. Die letzten Hallenbäder müssen vielerorts geschlossen werden. Manche Städte trifft es doppelt und dreifach, weil sie auch noch eigene Kraftwerke besitzen, oder weil die übergeordneten Kommunalverbände ebenfalls getroffen sind. In Baden-Württemberg ist es nicht weniger verheerend. Die Zahlen sind vergleichbar – um mindestens 2 Milliarden € sinkt der Wert der EnBW, zieht sich das Unternehmen als Zahler zurück.

An der kleinen Stadt Albstadt mit 18.000 Haushalten wird das deutlich: Bis Juli konnten über 1.000 Haushalte ihre Stromrechnung nicht mehr bezahlen – früher ein unbekannter Vorgang. Die EnBW halbiert die Dividendenzahlung von 4 auf 2 Millionen, für eine kleine Stadt eine schwere Belastung, rechnet Bürgermeister Jürgen Gneveckow vor. Noch könne man die Belastung in der wirtschaftliche starken Lage noch bewältigen. “Aber eigentlich müßten die Kommunen in NRW die Sstromrevolution gegen das EEG ausrufen”. 12 Millionen verliert die Region wegen der Ausgleichszahlung an die Solarbonzen.

Wir zerschlagen nicht die bösen Konzerne. Die Energiewende zerstört lokale Infrastruktur und Gemeinwesen.Der Zwist um Windräder, an denen einige Wenige fett verdienen und die die anderen erdulden zerstört die Gemeinwesen.

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