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19.09.2013

15:43 Uhr

Neuer Staatschef

Politprofi mit harter Hand

Ibrahim Boubacar Keita soll der personifizierte Schlussstrich unter den Unruhen im Norden Malis sein. Der 68-Jährige wird am Donnerstag offiziell in sein Amt eingeführt. Einen Teilerfolg hat er schon jetzt erzielt.

Hoffnungsträger für das ostafrikanische Mali: Ibrahim Boubacar Keita bei seiner Vereidigung als neuer Präsident. dpa

Hoffnungsträger für das ostafrikanische Mali: Ibrahim Boubacar Keita bei seiner Vereidigung als neuer Präsident.

BamakoMalis neuer Staatschef Ibrahim Boubacar Keita durfte am Donnerstag hohe Gäste begrüßen: Frankreichs Staatschef François Hollande und zahlreiche afrikanische Präsidenten kamen in die malische Hauptstadt Bamako, um Keita bei der großen Zeremonie zu seiner Amtseinführung alles Gute zu wünschen. Den Beistand kann der 68-Jährige gut gebrauchen. Denn er muss ein von Krieg und Armut zerrüttetes Land wieder aufrichten und tiefe Gräben überwinden, um den brüchigen Frieden zu sichern. Die Aussöhnung des Landes, sagt Keita, sei seine „Priorität“.

Offiziell ist Keita schon seit zwei Wochen malisches Staatsoberhaupt. Nachdem er am 11. August in der Stichwahl gegen Ex-Finanzminister Soumaila Cissé mit mehr als 77 Prozent der Stimmen gewonnen hatte, legte er am 4. September seinen Amtseid ab. Am folgenden Tag ernannte er den Wirtschaftsexperten Oumar Tatam Ly zum Regierungschef. Die Zeremonie am Donnerstag in einem 55.000 Zuschauer fassenden Stadion in Bamako war so etwas wie der Startschuss auf großer Bühne für den früheren malischen Regierungschef Keita.

Mali – Wie aus dem Musterland eine Krisenregion wurde

21./22. März 2012

Meuternde Soldaten stürzen Präsident Amadou Toumani Touré. Hintergrund sind Kämpfe zwischen Tuareg-Rebellen und Regierungstruppen im Norden des Landes.

6. April 2012

Wenige Tage später spitzt sich die Lage im Norden weiter zu. Nach einem militärischen Siegeszug erklären Tuareg-Rebellen das eroberte Gebiet für unabhängig. Der neue Staat soll Azawad heißen.

12. April 2012

Der bisherige Vorsitzende der Nationalversammlung, Dioncounda Traoré, wird als Interimspräsident vereidigt.

30. Juni 2012

Islamisten zerstören in Gao und Timbuktu jahrhundertealte Mausoleen, die zum Unesco-Weltkulturerbe gehören. Sie setzen ihr zerstörerisches Werk in den nächsten Tagen fort und lösen damit internationale Proteste aus.

15. Oktober 2012

Die EU-Außenminister beschließen in Luxemburg die Entsendung von Militärausbildern nach Mali, um die einheimischen Streitkräfte für den Kampf gegen die Islamisten zu rüsten.

19. Oktober 2012

In Malis Hauptstadt Bamako diskutieren Experten, wie eine Spaltung des Landes zu verhindern wäre. Eine Militärintervention afrikanischer Staaten unter UN-Mandat wird immer wahrscheinlicher.

1. November 2012

Bei einem Besuch in Mali stellt Bundesaußenminister Guido Westerwelle (FDP) humanitäre und militärische Hilfe in Aussicht.

12. November 2012

Die westafrikanischen Staatschefs einigen sich in Nigeria auf die Entsendung von 3500 Soldaten, um den Norden gewaltsam zu befreien. Die Afrikanische Union gibt grünes Licht.

5. Dezember 2012

Die Tuareg strebten eine politische Lösung an, sagt ein Sprecher nach einem Treffen mit der Regierung Malis, an dem auch Vertreter der islamistischen Organisation Ansar Dine teilnahmen.

20. Dezember 2012

Der UN-Sicherheitsrat spricht sich einstimmig für die Entsendung von Friedenstruppen aus. Die unter afrikanischer Führung stehende Afisma-Mission solle die Regierung Malis „mit allen notwendigen Mitteln“ unterstützen, heißt es in der Resolution. Kurz darauf erklären sich Tuareg und Islamisten zum Dialog bereit. Zugleich werden in Timbuktu weitere Heiligtümer zerstört.

8. Januar 2013

Die Rebellen rücken immer weiter nach Süden vor. Einwohner berichten von Gefechten zwischen Islamisten und Armee.

10. Januar 2013

Angesichts der Offensive spricht sich der UN-Sicherheitsrat in einer Sondersitzung für eine schnelle Entsendung von internationalen Truppen aus.

11. Januar 2013

Soldaten aus Frankreich, Nigeria und dem Senegal seien in Mali eingetroffen, gibt die Regierung in Bamako bekannt. Präsident Traoré hatte in einem Brief an Frankreichs Präsidenten François Hollande und UN-Generalsekretär Ban Ki Moon um Hilfe gebeten.

12. Januar 2013

Französische Kampfjets zwingen die Rebellen zum Rückzug aus der umkämpften Stadt Kona. Ein französischer Hubschrauberpilot kommt ums Leben. Quelle: dpa

Auf den Politfürsten, dem im Ruf steht, bisweilen auch mit harter Hand durchzugreifen, wartet viel Arbeit. Schon im Wahlkampf hatte IBK, wie Keita in Mali schlicht genannt wird, den Menschen in dem tief gespaltenen Land versprochen, „Frieden und Sicherheit“ zurückzubringen.

Als erster der 27 Präsidentschaftskandidaten reiste er in die Stadt Kidal im Nordosten des Landes, eine Hochburg der Tuareg, deren Beziehungen zu den Schwarzen in Mali von Gewalt geprägt sind und die teils nach Unabhängigkeit oder zumindest Autonomie streben. Einen ersten Erfolg konnte Keita an diesem Mittwoch verbuchen: Die Tuareg-Rebellen sagten die Aufnahme von Friedensgesprächen zu.

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